Sachsen-Anhalt - römische Lager, Funde, Interessantes

 

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Guten Morgen,

danke für die Glückwünsche. Es war für mich gestern ein stiller, aber sehr emotionaler Moment.

Die bisherige Schlussmünze aus dem Marschlager in Trabitz ist ein ausgebrochener Caracalla Denar aus dem Jahr 207 n.Chr. (RIC 88). Im Anhang ist die komplette Münze abgebildet.

Quelle: acsearch.com; LDA Halle
 

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Auch von mir Glückwünsche. Da haben sich viele Jahre Nachforschungen gelohnt und nun die verdiente Erwähnung erhalten.

Über die Zeitstellung der Grabungsfunde bin ich ehrlich überrascht. Kein Drusus und auch kein Tiberius. Bei Caracalla bin ich persönlich noch nicht überzeugt. Maximinus Thrax ist nur rund 25 Jahre später. Wenn man nicht dendrochronologische Belege (Holzeinbauten mit Waldkante) findet, sind C14-Datierungen nicht so genau um Caracalla von Thrax unterscheiden zu können. Mal schauen, was die Wissenschaft zu der Datierung noch herausfinden wird.
 
Es gibt ja zum Glück Fibelfragmente von Deersheim (Tafel 1 Vergl. frühe Elbefibel) und eine Fibel vom Harzhorn (Tafel 2 Abb.8). Beide unterscheiden sich erheblich in der Formengebung. Vor allem am Fibelfuß. Die Fibel vom Harzhorn ist späterer Zeitstellung. Daher glaube ich nicht an Maximinus Thrax.

Quelle: LDA Halle Pressefoto
 

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Verständnisfrage:
Das Marschlager Trabitz ist etwa 25 Kilometer von den Lager in Aken entfernt, Die beiden Lager kann man daher gut zu dem selben Feldzug in Verbindung bringen.

Trabitz ist von Deersheim gut 80 Kilometer entfernt. Da reden wir also von mindestens vier Tagesmärschen entfernt. Marschrichtung wäre dann am Nordrand des Harzes entlang oder sehe ich das falsch? Ob das nun eine West-Ost-Strecke oder eine Ost-West-Strecke ist, bleibt offen. Wobei es sowieso keine Übereinstimmung der Belegung geben muss. Das könnten auch unterschiedliche Truppenteile sein.

Deersheim ist wiederum rund 70 Kilometer vom Harzhorn entfernt. Wenn man von Deersheim in die damals römische Welt will, muss man eigentlich zwangsläufig am Nordrand des Harzes gen Westen marschieren und käme dann zum Harzhorn um dann nach Süden Richtung Wetterau abzubiegen. Ist das so richtig?

Will heißen, wenn Maximinus Thrax mit seinen Truppen irgendwo östlich des Harzhornes operiert hat, hätte er eigentlich genau die Strecke Richtung Deersheim nehmen müssen.

Unterstellt man für Maximinus Thrax ein Zielgebiet weiter im Norden, wäre er dann wohl weiter Richtung Leine marschiert?

Es geht mir nur um geographische Gegebenheiten.
 
Nordharz entlang marschieren ist ja okay, aber da kommt man nicht zum Südharz, in die äußerste Ecke, wenn man strikt nach Westen in römisch bekannte Gefilde möchte! Vielleicht liegt da aber noch was im Busch, was wir noch nicht erkannt haben!
Die Münzfunde zeigen ja das der Harz nördlich und südlich umgangen wurde!
 
Nordharz entlang marschieren ist ja okay, aber da kommt man nicht zum Südharz, in die äußerste Ecke, wenn man strikt nach Westen in römisch bekannte Gefilde möchte! Vielleicht liegt da aber noch was im Busch, was wir noch nicht erkannt haben!
Die Münzfunde zeigen ja das der Harz nördlich und südlich umgangen wurde!

Münzfunde aus dem 3. Jahrhundert?
 
Nordharz entlang marschieren ist ja okay, aber da kommt man nicht zum Südharz, in die äußerste Ecke, wenn man strikt nach Westen in römisch bekannte Gefilde möchte! Vielleicht liegt da aber noch was im Busch, was wir noch nicht erkannt haben!
Die Münzfunde zeigen ja das der Harz nördlich und südlich umgangen wurde!
Die Quellenlage zu kriegerischen Unternehmungen in Germanien ist für Caracalla spärlich. Ich habe jetzt überhaupt keine Originalquelle gefunden. Was wir haben, ist Cassius Dio und das ist eine wohl zu späterer Zeit veränderte Quelle (Erwähnung von Alamannen für einen ungewöhnlich frühen Zeitpunkt). Nach diesen wenigen Erkenntnissen hat Caracalla am Main gegen Germanen eine Schlacht erfolgreich geschlagen. Daher stellt sich die Frage, ob CCAA oder CUT Abgangsort oder Zielort eines Heereszuges des Caracalla gewesen ist. Nach einer Schlacht am Main wäre eine Verlegung an den Niederrhein überraschend.

Dessen späterer Nachfolger Severus Alexander wurde in der Nähe von Mogontiacum ermordet. Mogontiacum wird in der modernen Literatur als römisches Hauptquartier genannt. Severus Alexander hatte dort Truppen zusammengezogen um auf germanische Angriffe zu reagieren. Dessen Nachfolger wurde Maximinus Thrax. Auch für Thrax ist eher Mogontiacum als der Niederrhein der Startpunkt.

Deshalb macht für beide Heereszüge auf dem Rückweg ein Abbiegen nach dem nördlichen Passieren des Harzes nach Süden am ehesten Sinn um nach Mogontiacum zu kommen. Und da wäre meines Erachtens wieder das Harzhorn zu passieren.

Caracalla und Thrax könnten auf ähnlichen Wegen marschiert sein, wenn beide den selben Gegner mit rund 20 Jahren Abstand hatten.
 
Zunächst einmal mein Glückwunsch zu den Entdeckungen. Ich war ja in meinen früheren Beiträgen eher vorsichtig und skeptisch.

Es geht mir nur um geographische Gegebenheiten.

Vielleicht hilft Dir diese Karte weiter:

csm_Trabitz-Marschlager-Karte_d4216b6af2.jpg

Bildunterschrift:

Das Freie Germanien im Bereich des heutigen Landes Sachsen-Anhalt in der Zeit von 60 vor bis 180 nach Christus. Markiert sind die anhand von Münzfunden erschließbaren Marschrouten römischer Truppen. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Klaus Pockrandt, Nora Seeländer.​

aus: Erste römische Marschlager in Sachsen-Anhalt entdeckt

Ob man jetzt ausschließlich anhand von Münzfunden die Marschroute römischer Truppen bestimmen kann, wage ich zu bezweifeln. Münzen können über vielerlei Wege (im wahrsten Sinne des Wortes) nach Germanien gekommen sein: als Handelsware oder auch Beute. Und der Importeur der Münzen müssen nicht unbedingt römische Soldaten gewesen sein. Da hängt es vom Kontext ab. Aber zumindest zeigt die Karte Verbreitungswege.
 
Da die in der Karte markierten Fundorte einen sehr großen, für die aktuell bestätigten Lager obendrein nicht passenden Zeitraum umfassen, ist diese Karte wohl tatsächlich nur zur Veranschaulichung der geographischen/topographischen Gegebenheiten geeignet.
 
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Da die in der Karte markierten Fundorte einen sehr großen, für die aktuell bestätigten Lager obendrein nicht passenden Zeitraum umfassen, ist diese Karte wohl tatsächlich nur zur Veranschaulichung der geographischen/topographischen Gegebenheiten geeignet.
Dem ist wohl so, allerdings zusammen mit dem Nachweis des Lagers bei Deersheim ist eine hypothetische Route Richtung Eilsleben zwar nicht direkt durch das Große Bruch wahrscheinlich, aber eine Querung im Bereich Hessendamm wäre doch jetzt durchaus (wieder) denkenswert. Und natürlich auch die hypothetische Route zwischen Großem Bruch und Harzrand.
 

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Die Frage wäre doch auch, welcher Aufmarschweg würde eine Versorgung des Heeres erleichtern? Logistisch wäre der Main naheliegend. Und auch für Teilstrecken die Elbe.

Zur Weser gibt es verschiedene ähnlich lange Wege, in Richtung Nienburg sind es 147 km, mit deutlich geringeren Höhenmetern als die Strecke nach Minden oder Höxter.
 
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Da die in der Karte markierten Fundorte einen sehr großen, für die aktuell bestätigten Lager obendrein nicht passenden Zeitraum umfassen, ist diese Karte wohl tatsächlich nur zur Veranschaulichung der geographischen/topographischen Gegebenheiten geeignet.
Interessant wären Funde nördlich der Elbe, die ja auch überschritten wurde. (Ahenobarbus) Wer kann denn mal die Skatkartenecke bei Rodleben (siehe oben) auf Wasser- oder Elektroleitung überprüfen? Sie ähnelt allerdings stark einer Leitungsecke südlich Köthen und Torsituationen fehlen bisher.
 
Übernimmt man die Erkenntnisse der Landesarchäologie Sachsen-Anhalt und schreibt die gefundenen Lager ganz oder teilweise Caracalla zu, dann ist der zeitliche Ablauf spannend.

Ausgangspunkt wäre dann der 11.08.213 uZ. Da überschritt Caracalla mit Truppen die raetische Grenze um gegen Germanen zu kämpfen. Irgendwo am Main schlägt er eine siegreiche Schlacht gegen Germanen. 214 uZ besiegt er die Karpen in der Südukraine. Im Zeitstrahl zwischen der Schlacht am Main und der den Kämpfen in der Südukraine findet man ihn an der Saale und Elbe?

Will man einen Feind am Untermain bekämpfen, dann macht ein Ausgangspunkt Mogontiacum viel mehr Sinn. Oder man stützt sich noch näher auf Nida. Aber der vermutete Startpunkt Dalkingen auf der Ostalb macht für einen Einsatz am Untermain wenig Sinn. Daher kann man eine Schlacht eher im Oberlauf des Main verorten. Von dort aus über Hachelbich nach Calbe und weiter nach Aken. Danach ein Rückweg über Deersheim nördlich des Harzes und nach einem Erreichen des westlichen Endes des Harzes ein Rückmarsch in die Wetterau. Das ist zeitlich ein gewaltiges Unterfangen. Allein der Hinmarsch wären 500 Kilometer oder mindestens 25 Tagesmärsche. So richtig begeistern kann ich mich dafür nicht.
 
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