Sachsen-Anhalt - römische Lager, Funde, Interessantes

Da die in der Karte markierten Fundorte einen sehr großen, für die aktuell bestätigten Lager obendrein nicht passenden Zeitraum umfassen, ist diese Karte wohl tatsächlich nur zur Veranschaulichung der geographischen/topographischen Gegebenheiten geeignet.
Dem ist wohl so, allerdings zusammen mit dem Nachweis des Lagers bei Deersheim ist eine hypothetische Route Richtung Eilsleben zwar nicht direkt durch das Große Bruch wahrscheinlich, aber eine Querung im Bereich Hessendamm wäre doch jetzt durchaus (wieder) denkenswert. Und natürlich auch die hypothetische Route zwischen Großem Bruch und Harzrand.
 

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Die Frage wäre doch auch, welcher Aufmarschweg würde eine Versorgung des Heeres erleichtern? Logistisch wäre der Main naheliegend. Und auch für Teilstrecken die Elbe.

Zur Weser gibt es verschiedene ähnlich lange Wege, in Richtung Nienburg sind es 147 km, mit deutlich geringeren Höhenmetern als die Strecke nach Minden oder Höxter.
 
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Da die in der Karte markierten Fundorte einen sehr großen, für die aktuell bestätigten Lager obendrein nicht passenden Zeitraum umfassen, ist diese Karte wohl tatsächlich nur zur Veranschaulichung der geographischen/topographischen Gegebenheiten geeignet.
Interessant wären Funde nördlich der Elbe, die ja auch überschritten wurde. (Ahenobarbus) Wer kann denn mal die Skatkartenecke bei Rodleben (siehe oben) auf Wasser- oder Elektroleitung überprüfen? Sie ähnelt allerdings stark einer Leitungsecke südlich Köthen und Torsituationen fehlen bisher.
 
Übernimmt man die Erkenntnisse der Landesarchäologie Sachsen-Anhalt und schreibt die gefundenen Lager ganz oder teilweise Caracalla zu, dann ist der zeitliche Ablauf spannend.

Ausgangspunkt wäre dann der 11.08.213 uZ. Da überschritt Caracalla mit Truppen die raetische Grenze um gegen Germanen zu kämpfen. Irgendwo am Main schlägt er eine siegreiche Schlacht gegen Germanen. 214 uZ besiegt er die Karpen in der Südukraine. Im Zeitstrahl zwischen der Schlacht am Main und der den Kämpfen in der Südukraine findet man ihn an der Saale und Elbe?

Will man einen Feind am Untermain bekämpfen, dann macht ein Ausgangspunkt Mogontiacum viel mehr Sinn. Oder man stützt sich noch näher auf Nida. Aber der vermutete Startpunkt Dalkingen auf der Ostalb macht für einen Einsatz am Untermain wenig Sinn. Daher kann man eine Schlacht eher im Oberlauf des Main verorten. Von dort aus über Hachelbich nach Calbe und weiter nach Aken. Danach ein Rückweg über Deersheim nördlich des Harzes und nach einem Erreichen des westlichen Endes des Harzes ein Rückmarsch in die Wetterau. Das ist zeitlich ein gewaltiges Unterfangen. Allein der Hinmarsch wären 500 Kilometer oder mindestens 25 Tagesmärsche. So richtig begeistern kann ich mich dafür nicht.
 
Übernimmt man die Erkenntnisse der Landesarchäologie Sachsen-Anhalt und schreibt die gefundenen Lager ganz oder teilweise Caracalla zu, dann ist der zeitliche Ablauf spannend.

Ausgangspunkt wäre dann der 11.08.213 uZ. Da überschritt Caracalla mit Truppen die raetische Grenze um gegen Germanen zu kämpfen. Irgendwo am Main schlägt er eine siegreiche Schlacht gegen Germanen. 214 uZ besiegt er die Karpen in der Südukraine. Im Zeitstrahl zwischen der Schlacht am Main und der den Kämpfen in der Südukraine findet man ihn an der Saale und Elbe?

Will man einen Feind am Untermain bekämpfen, dann macht ein Ausgangspunkt Mogontiacum viel mehr Sinn. Oder man stützt sich noch näher auf Nida. Aber der vermutete Startpunkt Dalkingen auf der Ostalb macht für einen Einsatz am Untermain wenig Sinn. Daher kann man eine Schlacht eher im Oberlauf des Main verorten. Von dort aus über Hachelbich nach Calbe und weiter nach Aken. Danach ein Rückweg über Deersheim nördlich des Harzes und nach einem Erreichen des westlichen Endes des Harzes ein Rückmarsch in die Wetterau. Das ist zeitlich ein gewaltiges Unterfangen. Allein der Hinmarsch wären 500 Kilometer oder mindestens 25 Tagesmärsche. So richtig begeistern kann ich mich dafür nicht.
Der Elbknick bei Aken stellt wohl die kürtzeste Entfernung zu Mainz dar, aber welcher Feind wäre hier zu finden?
 
Wir hatten doch schon einmal über die strategisch wichtige Lage von Dalkingen als Verbindung zum fränkischen Main gesprochen: Von dort sind es zu Fuß 112 km bis zur Mainschleife östlich Wertheim (660 hm), 95 km bis Marktbreit (529 hm).
Das Limestor von Dalkingen hebt als Triumphtor die Bedeutung von Dalkingen hervor.

Aber es ist doch gar
nicht gesagt, dass das gesamte Heer alle Teilstrecken ablief, es kann sich um getrennte Einheiten, unterschiedliche Legionen gehandelt haben. Also auch unterschiedliche Aufmarschwege und Zielpunkte, unterschiedliche Anforderungen an die Logistik.

  • Calbe - Mainz: 436 km, 2.780 hm.
  • Calbe - Regensburg: 404 km, 2.004 hm.
  • Calbe - Hedemünden: 193 km, 1.469 hm.
  • Calbe - Xanten: 473 km, 983 hm (alle Strecken als Fahrradstrecken, um unnötige Höhenmeter zu vermeiden).

Das alles lässt doch Teilstrecken über die Flußsysteme annehmen, und/oder Einsatz der Flotte.
 
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@Zimmermann

Zitat Robl Anhang 20 /S. 7: "Julia Domna war die erste römische Kaiserin, die mit dem Epithet „mater castrorum“ belegt wurde – und dies nicht ohne konkreten Grund, wie hier untermauert wurde. Topisch wurde der Begriff erst unter späteren Kaiserinnen, z. B. bei Marcia Otacilia Severa, der Frau des römischen Kaisers Philippus (gest. 249 n. Chr.), oder bei Herennia Cupressenia Etruscilla, der Gattin des Kaisers Decius (gest. um 251 n. Chr.) Vgl. Codex inscr. Rom. Rheni, Darmstadt 1837, Anmerkung S. 124. Auffallend ist, dass Caracalla nach derselben Quelle auf einem Meilenstein mit einem ganz ähnlichen Titel, „pater militum“, belegt wurde, was seinerseits für die postulierte gemeinsame Visitation des ORL spricht."

Das ist leider falsch! Denn schon Marcus Aurelius ließ Denare von seiner verstorbenen Faustina Junior Denare mit der Umschrift MATER CASTRORVM prägen.
 

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Das mag so stimmen, betrifft aber das zeitliche Problem nicht.
Stichwort Münzen: Die zuvor von mir hier genutzten online-Datenbanken sind nicht mehr verfügbar.
Daher habe ich mich mal durch den FMRD Band X (Sachsen-Anhalt) gewühlt.
Die Suche nach Caracalla ergab dabei nur sehr wenige Treffer:
- Stendal, Münze, Caracalla, o. w. Ang., FMRD X, Nr. 1113
- Stassfurt (Umgebung), Sesterz, Caracalla, o. w. Ang, FMRD X, Nr. 1092
- Tilleda, Denar, Caracalla (213), RIC 206(a), Grabfund (sekundär!), FMRD X, Nr. 1295
- Pretzsch, Sesterz, Caracalla (210/213), RIC 511a, Ackerfund, FMRD X, Nr. 1206

Pretzsch, wie Aken, unmittelbar an der Elbe liegend, erscheint da noch am interessantesten.
 
Es gibt auch Münzfunde (mehr als 100 Stück) einer mehrperiodigen Siedlung von Hadmersleben (unpubliziert), welcher u.a. einen Sesterz des Caracalla enthält. Der älteste Fund war ein Lugdunum As der Serie I (CAESAR PONT MAX, ROM ET AVG) mit AVG Gegenstempel. Caracalla und Septimius Severus Münzen gibt es als Denarfunde zwischen Elster, Saale, Unstrut und Thüringer Wald (Detektorfunde unpubliziert S-A und SA, Ausgrabungen Frienstedt, Schwabhausen, Ammern/TH). Der FMRD taugt da mittlerweile sehr wenig - maximal als Ergänzung. Man kann auch die Datenbank Kenom benutzen, wenn diese auch sehr sporadisch gepflegt wird.

Das Zeitproblem besteht nicht, wenn man von Britannien aus (mit Vorbereitung) in die Elbe (Flotte) und dann von Aken/Trabitz (Landeplatz?) in Richtung Süden marschiert. Ein römisches Kriegsschiff brauchte mit 6 Knoten nur 4-7 Tage von der Küste Englands bis zur Elbe (laut KI). Warum schloss Caracalla VERTRÄGE mit den Bewohnern an der Küste und der Elbmündung (laut Cassius Dio)? Um sich evtl. den Rücken frei zu halten? Im Jahr 211 n. Chr. beendete Caracalla nach dem Tod seines Vaters den Kaledonien Feldzug. Bei der "Expedition" in die Germania nahmen auch britannische Soldaten daran teil (siehe Anhang). Der Grabstein aus dem Legionslager Isca (heute Carleon/Wales) des in Germanien Verstorbenen existiert nur noch als handschriftliche Aufzeichnung im CIL. Im Kaledonien Feldzug nahmen auch Verbände aus der Donau Region teil. Insgesamt standen Septimius Severus in Schottland zwischen 40.000 - 50.000 Soldaten zur Verfügung (daher auch die 165 Acre Lager). So viele waren insgesamt dort im Einsatz. Abzüglich der Gefallenen und neuen Rekruten (auch aus der Germania laut Cassius Dio) muss das Heer Caracallas wieder eine stattliche Anzahl Soldaten gehabt haben (Größe Lager Trabitz 165 Acre). Bereits Tacitus fügte an, dass, wenn er (Germanicus) die Flüsse hinauf käme, er plötzlich mitten in Germanien stehen würde. Die Truppen wären ausgeruht und vor zwischenzeitlichen Angriffen sicher gewesen. Caracalla könnte sich das in Erinnerung gerufen haben. So verläuft auch die Spur der Elbefibeln - von Nord (untere Elbe) nach Südwest (Donau-Kastelle) mit Schwerpunkt zwischen mittlerer Elbe, Saale/Elster und Unstrut. Denkbar wäre auch eine Zangenoperation von Norden und von Süden gleichzeitig - getrennt marschieren und vereint zuschlagen. Am Main-Dreieck kam es dann zur Schlacht. Zumindest wurden dort Katapultbolzen, Spannbuchsen und Ausrüstungsteile gefunden (B. Steidl). Eine Flotte wird zwar bei den römischen Historikern nicht explizit erwähnt, jedoch könnten die Zahlungen ein Hinweis darauf sein. Das ist in der Zeit vom 11. August (Arvalakten) bis 6. Oktober (Inschrift der Arvalbrüder) machbar.

Soweit meine erste Vorstellung.
 

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Der Grabstein aus dem Legionslager Isca (heute Carleon/Wales) des in Germanien Verstorbenen existiert nur noch als handschriftliche Aufzeichnung im CIL.
Kenotaph!
Ich hatte vorhin einen Text zu Robl angefangen, den aber nicht abgesendet, weil ich es für nicht wichtig erachtete:


In dem Text von Robl sind einige Fehler. Z.B. schreibt er:

Im britannischen Legionslager Isca beim heutigen Carleon/Wales fand sich der Grabstein eines​
britannischen Soldaten, der von seinen Eltern als Teilnehmer der „expeditio Germanica“ geehrt​
wurde. Auch wenn der Stein undatiert ist, so spricht er doch dafür, dass der gefallene Soldat im​
Gefolge Caracallas von Isca aus nach Germanien zog.​
Es handelt sich um CIL 07, 00126:

D(is) M(anibus) / Tadia Vallaunus vixit / ann(os) LXV et Tadius Exuper(a)tus / filius vixit ann(os) XXXVII defun(c)/tus expeditione Germanica / Tadia Exuperata filia / ma[t]ri et fratri piiss(i)ma / secus tumulum / patris posuit​


Die Datierung des Steins reicht von 101 bis 230. Robl schreibt, der Stein sei undatiert, was man bei dem Zeitrahmen von etwa 130 Jahren durchaus so darstellen kann, aber er gibt den Inhalt falsch wieder: Nicht die Eltern des 'britannischen' Soldaten setzen den Stein, sondern die Schwester setzte den Stein zum Ableben ihres Bruders und ihrer Mutter in der Nähe des Grabes des Vaters (insofern wäre er ein Kenotaph, kein echter Grabstein).
Den Totengeistern. Tadia Vallaunius lebte 65 Jahre und Sohn Tadius Exuperatus lebte 37 Jahre, er verstarb bei der germanischen Expedition. Die Tochter Tadia Exuperata, Mutter und Bruder ergeben, setzte [den Stein/die Inschrift] in der Nähe des Grabs des Vaters.​
Es ist natürlich licit, zu versuchen, die germanische Expedition eine Soldaten, dessen Familie in Wales lebte zuzuordnen und mögliche Zusammenhänge zu datieren. Aber hier wird eine Hypothese (also eine zwar begründete aber unbewiesene Annahme) wiederum als Beleg für einen weiteren Sachverhalt genommen. Das ist methodisch bestenfalls unsauber, im Grunde fragwürdig.
Robl behauptet fürderhin, die Inschrift von Meimsheim, die Iulia Domna als mater castrorum bezeichnet, müsse von einem Feldzug noch zu Lebzeiten des Vaters stammen, da 213 Iulia Domna nicht mit in Germanien gewesen sei. Woher Robl diese Gewissheit hat, erschließt sich mir nicht. Laut CIL wird die Inschrift auf 213 datiert (und nur auf 213) - das kann natürlich ein Fehler sein - aber auch anderweitig (Callain Devenport, der sich wiederum auf Helmut Halfmann, Itinera principum. Geschichte und Typologie der Kaiserreisen im Römischen Reich (1986), bezieht) wird behauptet, dass Iulia Domna ihren Sohn auf seiner Tour durch die Provinzen begleitete. Die Inschrift wird dort als Beleg für die Anwesenheit Iulia Domnas in Germanien bei dem Feldzug von 213 gewertet - das mag methodisch genauso fragwürdig sein, wie Robls Früherdatierung, aber da stehen zwei Interpretationen gegeneinander.

Soweit also der heute Nachmittag geschriebene, nicht abgesendete Text. Es ist mehr als nur eine Zeichnung des Kenotaphs erhalten.

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Zitat Robl: "Aus Hensens überzeugender Analyse der Aufenthaltsorte des Kaisers vor dem Feldzug (mittels der Kanzleivermerke
der Arvalbrüder und des Codex Iustistianus) geht hervor, dass Caracalla erst um den 30. Juli 213 herum, von Rom in Richtung Rätien aufgebrochen sein kann.[...]
Wenn Caracalla die kürzeste Reiseroute über die „Via Flaminia“ und „Via Claudia Augusta“, den Brenner und „Augusta Vindelicum“ (Augsburg) nahm, was bei dem zur Verfügung stehenden Zeitfenster absolut plausibel ist und mit einer Gedenktafel, von der Aventinus Kenntnis hatte,
zusätzlich untermauert werden kann, so konnte er den rätischen Limes frühestens um den 22. August 213 n. Chr. herum erreicht
haben.
"
Gibt es an dieser Aussage Robl's berechtigte Zweifel?
Auch Halfmann schreibt "Mitte August 213 Eröffnung des Alamannenfeldzuges". (Von der rätisch/germanischen Grenze aus.) ??
 
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Hier der bisher EINZIGE (!) Sesterz ohne weitere Exemplare aus der Curtis Clay Sammlung, welcher auf den Herbst 213 n. Chr. genau datiert werden kann. Caracalla wurde zum 3. Mal als Imperator proklamiert. Unten zwei besiegte Barbaren zu Füßen. Aber noch nicht als Germanicus in der Umschrift !!!

Vielen Dank an Harlan J. Berk Ltd. für die Stereoaufnahme des Sesterz.
 

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