Sachsen-Anhalt - römische Lager, Funde, Interessantes

Spannender finde ich diese Karte Germaniens, welche in meinem Besitz sich befindet. Diese wurde um 1800 erstellt...

Also viel zu jung, um authentische Informationen aus der Römerzeit zu vermitteln, und viel zu alt, um für die heutige Forschung noch relevant zu sein.*

Sie stammt übrigens aus dem Jahr 1822, wie deutlich lesbar auf der Karte vermerkt ist. Online einsehbar hier:




* Etliche Orte, die heute einwandfrei identifiziert sind, sind auf der Karte völlig falsch eingetragen (Sumelocenna, Grinario, Ad Lunam etc....)
 
Zuletzt bearbeitet:
Mir ging es in erster Linie nicht um die Orte des Ptolemäus, sondern um die von Wilhelm eingetragenen Endpunkte zur Elbe. Und ganz ehrlich gesagt ist es mir auch völlig egal, was du darüber denkst. Er hat eine großartige Vorarbeit geleistet. Das die römischen Lager nicht aus der augusteischen Zeit, sondern aus dem 3. Jh. n. Chr. sind, schmälert nicht im Geringsten seine Leistung in Geostrategie. Er setzte auch das Lager Aliso bei Paderborn an. Die archäologischen Ergebnisse sind bei beiden bekannt! Schade nur das Paderborn überbaut ist. Kruse, Mannert und Wilhelm waren großartige Pioniere. Ich kann es einschätzen, da ich mit ihrem „Lehrmaterial“ gearbeitet habe und schlussendlich nach über 10 Jahren 2020 fündig geworden bin.
 
Calaegia ist bei ihm Halle.
Klingklanglich. Die Lautverschiebung K > H fand um etliche Jahrhunderte, wenn nicht gar ein Jahrtausend früher statt. Abgesehen davon müsste man, wenn Calaegia Halle wäre (denn auf die Kontinuität spielt dein Gewährsmann aus dem frühen 19. Jhdt. ja an), eine Umlautung erwarten. Also Calaegia würde heute vielleicht Källich/Kellich (oder so ähnlich) heißen, aber sicher nicht Halle. Wenn du einen solchen Ort findest also beginnend mit K, vermutlich aufgrund regressiver i-Umlautung umgelauteten a > ä oder e, dann l bzw. ll und schließlich g wahrscheinlich spirantisert zu ch.
Letztlich ist es Kaffeesatzleserei, wie der Ort Calaegia heute tatsächlich aussähe, aber Källich/Kellich oder so ähnlich wäre eine daraus nach germanistischen Kriterien erwartbare Fassung. Evtl., wenn man die zweite, schwere Silbe berücksichtigt [kaLAEgia], dann könnte man vielleicht auch einen Ausfall des -a- in der ersten Silbe mutmaßen, dann käme so etwas wie Klach oder Kläch/Klech heraus.
Also, solltst du einen Ort finden, der ähnlich wie Källich/Kellich/Klach/Kläch/Klech lautet und in der richtigen Region ist, dann solltest du einen Artikel zu Klaudios Ptolemaios schrieben. Aber Calaegia > Halle? Sicher nicht!
 
Mannert setzt im Gegensatz zu Wilhelm den Ort am Zusammenfluss von Saale und Elbe an, nennt aber Calbe nicht direkt. Ein junger ungenannter Kritiker setzt es DIREKT am Saalhorn (Trabitz liegt genau dort !) an, worauf sich Kruse echauffiert. Die älteste Bezeichnung Calbes lautet CALVO (CALVCONES?). Ich persönlich würde nicht soweit gehen. Aber es ist faszinierend mit welchem Eifer dem damals nachgegangen wurde.
 

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So, bei Ptolemaios findet sich Γαλαιγία (also Galaegia, nicht Calaegia). Dieses liegt östlich der Elbe. Vermutlich auf dem Gebiet des heutigen Sachsen oder Brandenburg, wahrscheinlich nicht im heutigen Tschechien, ich würde das als Möglichkeit aber auch nicht ausschließen wollen.
 
Das gleiche gilt für Lupfurdum, welches zwischen Merseburg und Leipzig an der Luppe gesucht wird. Ich weiß wo der einstige Übergang war. Ich habe wie gesagt massenhaft Funde gemacht. Funde, vor allem militärische Funde der Römer, bestätigen den Eindruck der Alten.
 

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Wenn wir die Münzfunde mit einbeziehen so bleibt festzuhalten, dass der überwiegende Teil der detektierten Münzen (fast ausschließlich Denare) aus der Zeit des Ptolemaeus (Trajan bis Commodus) resultieren. Siehe Anhang Münzfunde 2018 (Auszug) von der einstigen Luppe-Furt.
 

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Wenn wir die Münzfunde mit einbeziehen so bleibt festzuhalten, dass der überwiegende Teil der detektierten Münzen (fast ausschließlich Denare) aus der Zeit des Ptolemaeus (Trajan bis Commodus) resultieren.
liege ich völlig falsch, wenn ich mutmaße, dass einige heute obsolete Publikationen des 19. Jhs. zumindest dafür nützlich waren, die eine oder andere Region mal nach Funden abzusuchen und dass sich - zufällig, aber erfreulich - einige Funde machen ließen?
Genügt das denn inzwischen, um Marschwege der Zeit von Trajan bis Commodus eindeutig zu belegen?
 
Die Publikationen waren neben Satellitentechnik und Kartenstudium eine willkommene Unterstützung und zugleich Überprüfung der alten Fundangaben zur Umsetzung meines damaligen Projektes „Römerlager“. Umso erfreulicher war es, dass sich neben den Münzen bei den meisten Plätzen auch Militärequipment (meist 3. Jh. laut Fundanalyse Deschler-Erb und Hoss) finden ließ. Für Trajan und Commodus gibt es keine Belege für Expeditionen in die Germania Magna, für Caracalla schon (Albaner). Die Lager sind nun die Bestätigung.
 
Ja, diese "ältere Literatur" ist ein Segen. Mittlerweile gelingt es, die dititalisierten Werke mit KI auszulesen und daraus Fundorte (grob) abzuleiten. Es ist teilweise sagenhaft, auf was man dabei so stösst.
 
Wenn man die Münzfunde für sich allein betrachtet eher nicht. Ein Beispiel - bei Wilhelm einer seiner Publikationen steht, den Ort möchte ich jetzt hier nicht nennen, dass die Bauern immer wieder römische Denare beim Pflügen ausackerten. Mir war klar das es sich dabei entweder um Siedlungsfunde (Keramik als Begleitfunde) oder einen zerstreuten Hortfund handeln konnte und definitiv nicht alle abgelesen sein konnten. Am ersten Tag meiner Nachforschung hatte ich bereits weitere 5 Denare detektiert. Den Platz bin ich dann die nächsten Wochen einen Fuß vor dem anderen, nicht Schritt für Schritt!, abgelaufen. Es kamen noch etliche dazu. Da ich nur sehr wenige Scherben handgemachter Keramik gefunden hatte, war mir klar das es sich um einen zerpflügten Hort handelte. Aber auch über ausgewertete Satellitenbilder (Siedlung) habe ich Münzfunde gemacht. Nicht zu vergessen die Areale, welche schon seit den 1990er Jahren von ehrenamtlichen Sondengängern systematisch begangen worden sind. Und trotzdem fand ich noch einige Münzen und sehr viele Fibeln (ca. 30-40 Stück). Der Boden bei Siedlungsarealen gibt immer wieder was Preis, wenn auch die Fundmenge mit den Jahren nachlässt.
 
Wer hätte das gedacht. Beim Durchsuchen alter Ufos, so nennt man unbekannte Fundobjekte, entpuppte sich ein kleiner blumenartiger Knopf als römischer Auxiliarbeschlag. Er ist bei Oldenstein als rosettenförmiger Beschlag Tafel 57/Nr. 706 Typ Aalen verzeichnet. Im einstigen Kastell Aalen waren Reitereinheiten stationiert. Fundort war Merseburg (2020).
 

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Mir ging es in erster Linie nicht um die Orte des Ptolemäus,
Ich habe ja auch keinen der Orte des Ptolemäus erwähnt...

Mir geht es darum, dass Wilhelm sich auf den damaligen Wissensstand bezieht, dieser war aus ortsnamenkundlicher oder auch archäologischer Perspektive gleich Null. An Wilhelms Pionierleistungen gibt es nichts zu schmälern, er konnte nichts besseres tun, als sich auf den damaligen Stand zu beziehen, und wir sollten uns auf den heutigen Stand beziehen und nicht die Irrtümer, die in den letzten 200 Jahren zu Recht ad acta gelegt wurden, wieder aufwärmen.
Wenn Wilhelm hier und dort Hinweise auf Münzfunde o. ä. gibt, kann das auch heute noch ein Anlass zum Nachforschen sein, aber die von Dir als Deinen "Besitz" deklarierte Karte ist in jeder Hinsicht überholt.


liege ich völlig falsch, wenn ich mutmaße, dass einige heute obsolete Publikationen des 19. Jhs. zumindest dafür nützlich waren, die eine oder andere Region mal nach Funden abzusuchen und dass sich - zufällig, aber erfreulich - einige Funde machen ließen?


...aber trotzdem halte ich einen ordentlichen Anteil von Funden, die sich bei der Auswahl auch auf obsolet gewordene Publikationen stützen, für teilweise glückliche Zufälle.

Das war doch hier schon nachzulesen:

Hallo Epic,
es ehrt mich immer wieder, wenn meine Karte der aufgefundenen Republik-Denare zu Hilfe genommen wird. Letztendlich habe ich dadurch auch das erste Römerlager in Aken/Sachsen Anhalt entdeckt, auch wenn es aus dem frühen 3. Jh. ist.

Auf der Suche nach Republik-Denaren kann man auch auf ein Lager stoßen, das dreihundert Jahre jünger ist und mit den Republik-Denaren überhaupt nichts zu tun hat.
Meine Beschäftigung mit historischen Funden hat ja eher mit Archiven zu tun, und ich kann bestätigen: Wer sucht, der findet! Ich bin schon auf verschollen geglaubte Archivalien gestoßen, obwohl ich nach ganz anderen Unterlagen gesucht hatte.
 
Wer sucht der findet eben NICHT! automatisch ein Römerlager. Das Landesamt in Halle hatte in 30 Jahren kein einziges Lager aus der Luft oder über Satelliten gefunden. Erst nachdem ich das Lager in Aken entdeckt hatte, fand man die anderen. Meller hat es im Interview sehr ausführlich dargelegt, warum es dann einfacher war die anderen zu finden - Domino Effekt.

 
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