Sah ein Knab' ein Röslein steh'n, Röslein in Laurins Garten

  • Woher hast Du dass das Urpatrozinium der Kapelle St. Laurentius ist?
  • Die Kapelle kenne ich nur als Barbarakapelle.
  • Sie ist mittelalterlich, keinesfalls frühchristlich, und schon gar nicht spätantik.
Das kann man allenthalben nachlesen, auch im Wiki-Artikel. Siehe auch hier:


"Die als Ruine noch bestehende Kirche innerhalb der Ummauerung des Kastells mit dem Patrozinium von St. Vigilius und St. Laurentius hat einen aus einem spätantiken Profanbau adaptierten Kirchenbau als Vorgänger, der in das 7. Jh. datiert wird. Doch bietet das Beweisstück für diese Datierung, eine Fibel des 7. Jhs. aus einem Grab der Kirche, wohl nicht einen terminus ad quem, sondern eher einen terminus ante quem. So wird die Anlage von Siedlung und castrum wohl noch auf das späte 4. Jh. oder frühe 5. Jh. zurückgehen. Untersuchungen haben ergeben, dass die Festungsmauer in Teilen aus Mauerwerk des 6. Jhs. besteht. "


Die Idee, dass ein Kirchenpatron zu einem heidnischen König umfunktioniert wird, ist auf jeden Fall sehr originell.
 
​

Nein, das ist Deine Interpretation bzw. Märenbildung daraus. Ich kann nicht wieder auf genannte Einzelheiten eingehen, wie Laurin steht z. B. für Laurentius, dem Urpatron der Festungskapelle; der Rosengarten für eine Stachelhecke als Annäherungshindernis während der Langobarden-Baiernzeit dieser Festung etc. Ob eine solche oder Ähnliches auch anderswo eingesetzt wurde? Vielleicht, tut hier aber nichts zur Sache… Ich beziehe mich in diesem Kontext hauptsächlich auf die Inhalte der av. DE dieser Region.
Mit Märchen kennst Du Dich ja offensichtlich aus. ;)

Das war aber als ganz normale Frage gemeint, nicht als Angriff. Ich wollte wirklich verstehen, welche Teile der realen Geschichte Du mit der Heldensage verbindest. So richtig klar ist das aber leider auch weiterhin nicht geworden. Du forderst zwar die anderen - leicht herablassend - auf, "selber etwas besser zu recherchieren", aber Deine sehr selbstbewusst vorgetragenen Thesen werden nicht so recht begründet. Wie kommt beispielsweise die Verbindung von Karls mit recht jung verstorbenem Sohn Pippin mit Dietrich von Bern zustande?
 
Wie bereits zweimal erwähnt (s.o.) werden historische Ereignisse, Figuren, Artefakte… in der DE/TS u.a. zeitlich extrem zusammengestaucht und so zu neuen historisierenden Geschichten (Mären) geformt. Im Nibelungenlied sind ebenfalls Spätantike, Früh- und Hochmittelalter zusammengestaucht. Das ist also keine Besonderheit der av. DE.
Künftig bitte (an alle) selber etwas besser zu recherchieren.
Du quirlst Dir da irgendetwas zusammen – und machst den anderen Diskutanten Vorwürfe.

Der Rosengarten soll auf eine Rosenhecke als Verteidigungsanlage zurückgehen, der Faden auf einen Faden mit Glöckchen als Stolperdraht Warneinrichtung. Das alles soll auf die Eroberung des Langobardenreiches durch Karl den Großen zurückgehen, Laurin hingegen auf den Bayernherzog Tassilo, und Dietrich auf Karls Sohn.
Dazu postulierst Du noch eine zeitnah entstandene althochdeutsche Frühform des Rosengartenliedes – für deren Existenz es keinerlei Beleg gibt.

Wie Dir sicherlich bekannt ist, gab es im Hochmittelalter eine Vielzahl an Dichtungen rund um Dietrich von Bern, in denen er meist mit ein paar Gefährten recht fantasievolle Abenteuer erlebt. (Eine Vielzahl derartiger Dichtungen gab es auch – auch abseits der Thidrekssaga - im skandinavischen Raum.) Dahinter jeweils einen realen historischen Hintergrund zu vermuten, halte ich für äußerst gewagt. Dietrich als Hauptfigur oder zumindest Nebencharakter (wie im Nibelungenlied) kam beim Publikum offenbar einfach gut an. Schon daher mussten die Dichter ein Interesse daran haben, ihn in immer wieder neuen Geschichten unterzubringen.

(Mich erinnert Dietrich von Bern an den „Königssohn Marko“, die zentrale Gestalt der serbischen Heldendichtung. Auch von ihm gibt es eine Vielzahl an Dichtungen, in denen er Abenteuer erlebt. Sein reales Vorbild war ein mäßig bedeutender serbischer Regionalfürst des Spätmittelalters. Auch bei ihm wäre es müßig, hinter jeder Dichtung reale Ereignisse zu vermuten.)

Wieso der Karlssohn Pippin zu Dietrich geworden sein soll, bleibt offen.
Ebenso wieso in einem (hypothetischen!) althochdeutschen Rosengartenlied, das – wenn man Deinen Thesen folgt – bereits wenige Jahrzehnte nach den realen Ereignissen entstanden wäre, bereits all diese Vorlagen zu einer fantasievollen Geschichte rund um einen Rosengarten und einen Zwergenkönig verquirlt worden sein sollen.
Dass die althochdeutschen Dichter durchaus in der Lage waren, zeitnahe historische Ereignisse auch realitätsnah zu verarbeiten, sieht man am Ludwigslied. Da blieb der westfränkische König Ludwig Ludwig und wurde nicht zu Dietrich oder Siegfried oder wem auch immer, und die Normannen blieben Normannen und wurden nicht zu Zwergen oder Drachen.
 
Zurück
Oben