Alles klar, keine weiteren Fragen.
Ein Archäologe (P. Gamper 2004) kam übrigens bei seiner Interpretation des Pallhausen-Textes zu fast derselben Endide-Lokalisierung, wie der von mir hier vorgebrachten.
Wenn Castelfeder urkundlich erstmals 1280 erwähnt wurde, wie ist dann das Patrozinium zu belegen?
Der Flurname Castelfeder geht auf die Urkunde von 1280 mit der erstmaligen Benennung als
area castri veteri zurück. Offiziell hieß das Gebiet: Enn, Enne, Endide….
Da übersetzt du aber sehr seltsam: viele ungeheuer (große) "Rotschen" stießen um und um aneinander. Daraus machst du "viele Rosen wachsen". Nein, die korrekte Erklärung für Rotschen hast du kurioserweise im Vorbeitrag geliefert.
er vels und daz gemiure,
der sich uf gegen den lüften zoch.
vil rotschen ungehiure
stiezen umbe und umbe dran:
In dieser Heidelberger Virginal-Variante zog Fels und dass Gemäuer gegen die Lüfte hoch und viel Rosen wachsen/treiben rundherum dran. Es können nicht über die Felsen nochmal Felsen rundherum drüber wachsen.
In einer sprachlichen Übergangsphase ist es möglich, dass es wo anders, etwa in einer anderen Variante anders formuliert und verstanden wird. Hinzu kommt, dass im alemannischen Sprachraum Rotschen auch früher schon als Rosen verstanden werden konnten. Daher konnte später auch dieses Rosengarten-Narrativ sich einfacher entwickeln. Aus dem Gesamtzusammenhang lässt sich im obigen Fall Rotschen als Rosen deuteten. Der Ort der Festung ist immerhin derselbe wie jener in Laurins Rosengarten.
Im Übrigen habe ich mich nicht zur Identität des Nicolaus in Egn geäußert. Ich sehe nur den Zusammenhang nicht. Auf S. 48v wird Nicolaus in Egn genannt. Darunter dann ein lateinischer Text. Auf S. 49r steht dann ein einzelner mittelhochdeutscher Satz von einer völlig anderen Hand. Wie überhaupt die ganze HS ein Sammelsurium meist lateinischer Texte ist. Wie man darauf kommt, dass der mittehochdeutsche Satz von einer anderen Hand mit dem Nicolaus von Egn, der auf der vorhergehenden Seite erwähnt ist, zusammenhängt, hast du nicht wirklich plausibel gemacht.
In erster Linie kommt es hier erst mal auf die Identität des hier als
Nicolaus in Egn unterzeichnenden Person an, neben den ersten
Laurin Versen. Bisher war dieser Zusammenhang den untersuchenden Philologen nicht bekannt. Also wurde dieser entscheidende Befund in der Gesamtbewertung und Interpretation zu den übrigen Texten bisher nicht berücksichtigt. Ich erkenne zu den übrigen Texten Zusammenhänge, zumal ich die Stellung und Funktion Nikolaus II. von Enn relativ gut einschätzen kann.
Die Idee, dass ein Kirchenpatron zu einem heidnischen König umfunktioniert wird, ist auf jeden Fall sehr originell.
Der Laurin ist auch die originellste Dichtung aller av. Dietrichepen. Der exkommunizierte Meinhard konnte damit auf propagandistische Weise die kirchliche/päpstliche Partei (insbesondere das Hochstift Trient) als Heiden angreifen. Aber die Lokalisierung lässt sich beispielsweise auch über den Namen der Urpfarre Auer verknüpfen: 1234
Aure: rom.-lad.
L'Aurin,
L'Aureno "der von Aure", was zugleich auf die Dichtung und dessen Figur von Auer hinweist und auf den potentiellen Laurin-Dichter Nikolaus II. v. Enn, der zuletzt Schloss Auer bewohnte, also "die/der von Auer". Außerdem führte Laurin den leopardisierten Löwen im Schild, das (welfische) Wappentier von Enn, ähnlich dem heutigen Wappentier von Montans Gemeindewappen, wo der Großteil dieser Adelsfamilie wohnte. Es wurden zahlreiche solche Hinweise und Spuren gestreut, die eine historisch-topographische Verortung dieser av. DE insgesamt relativ einfach machen. Leider wurden auch diese Quellen mal wieder unterschätzt.
Das war aber als ganz normale Frage gemeint, nicht als Angriff. Ich wollte wirklich verstehen, welche Teile der realen Geschichte Du mit der Heldensage verbindest. So richtig klar ist das aber leider auch weiterhin nicht geworden. Du forderst zwar die anderen - leicht herablassend - auf, "selber etwas besser zu recherchieren", aber Deine sehr selbstbewusst vorgetragenen Thesen werden nicht so recht begründet. Wie kommt beispielsweise die Verbindung von Karls mit recht jung verstorbenem Sohn Pippin mit Dietrich von Bern zustande?
Das geschieht hauptsächlich aus Zeitgründen und weil ich hier als eine Art Musketier D’Artagnan Einer gegen alle, alle gegen einen, fertig werden muss. Das ist auf die Dauer mühselig und war nicht vorgesehen.
Wieso der Karlssohn Pippin zu Dietrich geworden sein soll, bleibt offen.
Ebenso wieso in einem (hypothetischen!) althochdeutschen Rosengartenlied, das – wenn man Deinen Thesen folgt – bereits wenige Jahrzehnte nach den realen Ereignissen entstanden wäre, bereits all diese Vorlagen zu einer fantasievollen Geschichte rund um einen Rosengarten und einen Zwergenkönig verquirlt worden sein sollen.
Die althochdeutschen Texte gingen verloren. Was übrig blieb sind beispielsweise einige der letzten Versionen des Laurin, aber nur weil sie nach Norden kamen wie die TS. Im Süden gingen alle Texte verloren. Die Hinweise wie die Verbindungen zu Pippin-Dietrich oder einem althochdeutschen Rosengartenlied etc. sind Hinweise, Vorschläge und Erklärungen, wie es zu einer längeren Erzähltradition gekommen sein kann. Es gibt zu viele derartige Verbindungen in der av. DE, auf die hier im Einzelnen nicht eingegangen werden kann. Das würde zu weit führen und ist Aufgabe von anderen Publikationen. Für die historisch-topographische Untersuchung bzw. Verortung der av. DE sind solche weiter zurückreichenden Verbindungshinweise jedoch ohnehin zweitrangig.
Dass die althochdeutschen Dichter durchaus in der Lage waren, zeitnahe historische Ereignisse auch realitätsnah zu verarbeiten, sieht man am Ludwigslied. Da blieb der westfränkische König Ludwig Ludwig und wurde nicht zu Dietrich oder Siegfried oder wem auch immer, und die Normannen blieben Normannen und wurden nicht zu Zwergen oder Drachen.
Es kommt drauf an, wo, wer, warum und für wen die Texte geschrieben wurden. Deine auf den ersten Blick märchenhaften Begriffe wie Zwerge und Drachen haben im Grunde einen realen Hintergrund. Die Zwerge beispielsweise haben im Süden eine andere mehr soziologische Bedeutung (niedere Schichten, Dienstleute etc.) als im Norden, wo diese Erscheinungsform auf eine ältere Tradition zurückgeht. Zwergkönig drückt in der av. DE (Kriegeradel-Dichtung) gleichzeitig eine Degradierung aus: Die Edelfreien von Enn hatten Grafenstatus: Ezzelin I. war mit der letzten Gräfin von Eppan verheiratet, dessen Grafengeschlecht beim Verblühen war, und hatte Teile diese Grafschaft und jene der Grafschaft von Flavon zu verwalten und zu verteidigen. Der tirolische Angriff auf die Stammburg und die spätere Vasallität unter dem ghibellinischen Tiroler Adler bedeutete für den aufstrebenden Welfen eine ebensolche Degradierung…. Der Drache oder Drachenwurm hat auch mehrere Bedeutungen: z. B. Heereswurm. In der av. DE ist er zusätzlich auf spezielle Adelsgeschlechter und ihre Kämpfer projiziert worden, die in ihren Wappenschildern den Drachen führten. Da gab es in diesem Umfeld der av. DE mindestens zwei. Später/zuletzt wurde der Drache nur mehr als Ursache oder Inbegriff für Naturkatastrophen interpretiert.
Nee, nee, so geht das nicht. Wenn du eine These vertrittst, dann hast du diese auch schlüssig und plausibel zu begründen und nicht die Schuld bei anderen zu suchen, wenn andere dir sagen, dass sie nicht schlüssig und plausibel begründet ist.
Ich sehe das anders. Es reicht, wenn ich hier darauf hinweise und bei Interesse, kann man ja weiter recherchieren. Hinweise habe ich dazu inzwischen schon reichlich abgegeben für ein Forum mit anonymen Teilnehmern, das schließlich kein Institut ist.
Nehmen wir noch mal den Rosengarten. Du hast selbst darauf hingewiesen, dass das eigentlich eine Fehletymologie ist und das romanische Lexikon Pate für rotschen steht. Vgl. das französische roche und das italienische roccia.
Trotzdem versuchst du nach wie vor Rosen daraus zu machen. Aber ein EInzellexem hat immer nur ein Etymon, nicht zwei. Ein Kompositum kann zwei Etyma haben, die aus verschiedenen Sprachen kommen, aber bei einem nichtzusammengesetzten Wort ist das unmöglich. Somit wird eben aus einer Felslandschaft, die im Licht der untergehenden Sonne rot angestrahlt wird, aus dem Felsen die Rose. Aber da ist keine historische Spur einer Wehrhecke versteckt.
Siehe auch oben noch mal... Die Wehrhecke lässt sich nur aus dem Gesamtzusammenhang der entsprechenden av. DE-Texte erschließen, wie ich bereits einige Male hinwies; z. B. wenn der genannte Rosengarten die Position einer Festung von einer Meile Länge und einer halben Meile Breite einnimmt und über 400 Jahre alt sein soll, kann es sich nicht um ein Feld voller Gartenrosen handeln.
Trotzdem verstrickst du dich, obwohl du auf das korrekte Etymon selbst hinweist und es kennst, in diese seltsamen Widersprüche und gibst dann anderen die Schuld, dass sie nicht ordentlich recherchiert. Nein! Plausibel begründen und sich nicht in Widersprüche verstricken.
Ich sehe keine Widersprüche. Widersprüche ergeben sich aus dem etwas heterogenen Überlieferungsmaterial, die sich hier nicht alle auflösen lassen. Darüber muss man hinwegsehen können.