Wann begann das Ende des Rittertums?

Dieses Thema im Forum "Rittertum und Kreuzzüge" wurde erstellt von Konradin, 9. Juni 2004.

  1. Luxemburg

    Luxemburg Neues Mitglied

    Dass natürlich irgendwo Reste von Vergangenem aufzuspüren sind, ändert nichts daran, dass etwas für verschwunden erklärt werden darf.
    Bibi Blocksberg-Kassetten sind ja auch kein Beweis für latenten Hexenglauben. Nur weil es den alten Kreuzfahrerorden der Malteser noch gibt, heißt das noch nicht, dass bald wieder eine Tour nach Akkon oder Jerusalem startet. Irgendetwas bleibt doch immer zurück.
     
  2. Blücher

    Blücher Neues Mitglied

    Nabend...
    Ein weiteres Beispiel dafür dass die Einführung von Feuerwaffen das Ende des Rittertums herbeiführten, ist die Kolonialisierung der Neuen Welt durch Spanien.
    Denn im Atztekenreich gabs auch den Ritterstand, eingeteilt in zwei Schichten, die Adlerritter und die Leopardenritter welche ein aufendiges Gewand, aus den besagten Tieren hergestellt, trugen. Nur mit Obsidian besetzten Holzschwerten, den Mequahuitl oder Maquahuime, bewaffnet hatten sie keine Chance gegen die Spanier...
    Auch eine Form des untergehenden Rittertums!
    Blücher!
     
  3. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Das hatte ja wohl auch gar niemand behauptet, und ich fürchte, Du hast mich da gewaltig mißverstanden :winke:
    Und zu dem Vegleich mit Bibi Blocksberg sage ich an der Stelle mal lieber nichts...
     
  4. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Bei den Azteken ging das ganze Volk unter, diese Krieger wurden nur "mitgerissen" und hatten keinen eigenen Untergang wie die europäischen Ritter.
    Den Vergleich der beiden aztekischen Kriegerkasten (es sind übrigens Jaguarkrieger, Leoparden leben in Afrika und Asien nicht in Mittelamerika) mit den europäischen Rittertum halte ich für weniger günstig. Jaguar- und Adlerkrieger waren in erster Linie Eliteverbände der Armee, keine Gesellschaftsschicht wie die Ritter. Auch einfache Bürger konnten in diese Ränge aufsteigen (der adel überwog trotzdem). Wobei man natürlich viele Priveligien (z.B. Steuerfreiheit und die Erlaubnis öffentlich das alkoholische octli zu trinken) bekam und diese vererblich waren. Den Vergleich von rittern mit Samurai finde ich besser.
    Der militärische Nachteil lag auch in dem anderen Kampfverständnis der Azteken im Vergleich zu den Spaniern. Ich habe mir hier schon mal etwas dazugeschrieben: http://212.227.62.226/geschichtsforum/showpost.php?p=42700&postcount=3
     
  5. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Timotheus hatte schon mal erwas erwähnt um das Ende der ritter als Gesellschaftsschicht festzumachen, aber leider wurde nicht näher drauf eingegangen: Mit dem Erstarken der Städte und der Verwaltung von land durch deren bürger verschwand die wirtschaftliche Grundlage der Macht/Bedeutung des Rittertums, das Lehenswesen.
    Kann man mit dieser These die eingangs gestellte Frage (zumindest teilweise) beantworten oder spielen andere Faktoren eine wichtigere Rolle
     
  6. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Das Erstarken der Städte ist ein Aspekt (politisch-ökonomisch).
    Ein anderer Aspekt ist der Erfolg der Infanterieheere des späten Mittelalters bzw. der frühen Neuzeit (militärisch) - einmal als Kampfverband mit Stangenwaffen an sich, zum anderen durch die Weiterentwicklung der Schußwaffen. Wobei unter letzteren Armbrust und Langbogen aber mehr zum militärischen Niedergang beigetragen haben als die ebenfalls von mir unter dem Punkt erwähnten Feuerwaffen.

    Dies als Nachtrag bzw. kleine Korrektur...

    In diesem Sinne

    Timo
     
  7. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    den militärischen Aspekt des Rittertums haen wir hier schon oft angesprochen, mir ging es jetzt nur um den gesellschaftlich-wirtschaftlichen Teil.
     
  8. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    OK, da ist es natürlich das Erstarken der Städte; in Deutschland tritt der Niedergang der althergebrachten Lehensverhältnisse nach dem Ende der Hohenstaufen hinzu.
     
  9. Marbod

    Marbod Neues Mitglied

    Ich hatte es auf der ersten Seite in einem Beitrag schon mal kurz angsprochen. Der gesellschaftliche-wirtschaftliche Niedergang des Rittertums ist eng mit den Pestwellen des ausgehenden Mittelalters verbunden. Die Entvölkerung ganzer Landstriche ließ unzählige Landadlige verarmen. Dazu kommt eben die verstärkt einsetzende Landflucht und das Erstarken der Städte. Das Lehnswesen "verschwand" ja nun auch nicht so einfach von der Bildfläche, es veränderte sich eher. Es wurden ja auch zunehmends Bürger in die unteren Ebenen der Lehenspyramide aufgenommen, diese traten an jene Stellen, die vorher von Landadligen eingenommen wurden. Jedenfalls im Umkreis der Städte. Faktisch zählt der wirtschaftliche Niedergang des Landadels als der Hauptgrund, warum es sich diese Gesellschaftsschicht nicht mehr leisten konnte, eine kostspielige Kriegsausrüstung zu besitzen und vor allem zu pflegen.
     
  10. Sergeant Clark

    Sergeant Clark Neues Mitglied

    Ich hätte da auch noch eine Frage. Wenn man die Langbögen und Feurwaffen als effektive Waffe gegen Schwergepanzertetruppen sieht, müsste man dann nicht auch die Armbrust mit einbeziehen?
     
  11. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Im Prinzip ja. Allerdings haben Feuerwaffen und Armbrüste im Gegensatz zum Langbogen den Nachteil der sehr langsamen Schussfolge. Klar, ein Treffer durchschlägt die Rüstung, aber gerade Feuerwaffen waren lange Zeit recht ungenau und unzuverlässig.

    Und es kommt auch auf die Verbreitung an. Der Langbogen war eine unter englischen Bauern recht verbreitete Waffe - man hatte einen. Armbrust und Feuerwaffen waren Extra-Anschaffungen, oft zu teuer, um in großer Zahl zur Verfügung zu stehen. Gerade die große Zahl hätte man aber gebraucht.

    Natürlich, mit zunehmender Verbreitung ... aber ich denke, dass das Rittertum schon vor diesem Zeitpunkt zu Ende ging. ... und noch als Gedanke: Reiterei als militärische Gattung blieb ja bestehen und erzielte lange Zeit bis in die Neuzeit hinen Erfolge gegen mit Feuerwaffen bewaffnete Infanterie ... Aber der "Ritter" verschwand ... dieses Verschwinden muss also eher andere Gründe gehabt haben.

    Ich würde das Ende des Rittertums nur insofern mit Feuerwaffen in Verbindung bringen, als durch "Kanonen" Burgen nun leichter zu zerstören waren. Sonst sehe ich eher die nicht-militärischen Faktoren.
     
  12. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Weder der effektive Einsatz der Stangenwaffe durch die Schweizer, die Arquebuse oder die schwere, auf ein Stativ gestützte Muskete konnte die Ritter vom Schlachtfeld verbannen, obwohl diese Waffen, wie auch der Langbogen, die Vormachtsstellung der Ritter als einzige schlachtentscheidende militärische Einheit beendeten.

    Das endgültige Aus der Ritter kam um 1530 mit der Einführung der Radschlosspistole. Diese vom Nürnberger Martin Löffelhotz oder von Leonardo da Vinci erfundene Waffe war der Lanze im Reiterkampf dermasen überlegen, dass die traditionellen Ritter keine Chance mehr hatten.
    Diese Entwicklung bildete dann auch die Grundlage des allmählichen Verschwindens der Pikenträger. Da die Musketenschützen mehr gegen die Reiter mit Pistole als gegen die Ritter ausrichten konnten, war die Grundlage der zunehmenden Zahl der Musketiere im Verhältnis zu den Pikenträgern gegeben, was mit der Einführung der Tercios begann, bei der oranischen Heeresreform weiter verstärkt wurde und mit der Einführung des Bajonetts abgeschlossen war.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. April 2006
  13. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Originell, aber nicht sehr überzeugend.

    Die Muskete wurde eingeführt, da die Hakenbüchse keine ausreichende Durchschlagskraft gegenüber den verbesserten Harnischen des XVI Jahrhunderts hatte. Um so weniger hatte dieses eine noch kürzere und dazu noch ungenauere Pistole.

    Die Radschlosspistole war eine relativ teure Waffe, die hauptsächlich von geharnischten Reitern getragen wurde (kürassieren). Einen richtig massiven Einsatz sah sie nie, es waren immer kleine elitäre Verbände. Parallel zu den Pistolenreitern gab es auch immer Lanciere und andere Reitertruppen wie berittene Musketiere, Dragoner, Husaren etc..
    Du erwähnst 1530 als ungefähres Erfindungsdatum der Radschlosspistole und "endgültiges Aus" des Panzerreiters. Hundert Jahre später gab es jedoch immer noch vollgepanzerte Reiter auf den Schlachtfeldern. Teilgepanzerte Kürassiere gab es noch als effektive Schlachtenreiterei bis zum letzten drittel des XIX Jahrhunderts.

    Was man über die Radschlosspistole noch sagen kann, ist dass sie dem Panzerreiter noch ein letzten Versuch gestattete, sich dem Wandel der Zeit anzupassen und durch das "Karakolieren" sich im Fernkampf zu versuchen.

    Dieses richtete sich jedoch hauptsächlich gegen die Infanterie. Dass es nicht viel gebracht hat, wurde spätetens dann erkannt, als Gustav Adolf seiner Kavallerie das Schiessen in der Schlacht verbat und sie wieder zum Angriff mit blanker Waffe zwang, was bis Balaklava und Vionville auch deren Hauptkampfform blieb.
    Wilhelm von Oranien gestattete seinen Kavalleristen m.W. auch nur eine Dotation von drei Patronen. Pistolen und Karabiner waren lediglich für den Vorpostendienst gestattet.

    Die Pike verschwand ersetzt durch das Bajonett, nicht verscheucht durch die Pistole oder von dieser überflüssig gemacht. Bis zur Einführung des Repetierers war ein solcher Schutz für den Infanteristen lebenswichtig.

    Die Kombination Muskete und Pike (später Bajonett) hat die Vormacht des Panzerreiters endgültig gebrochen und ihn auf eine Nebenrolle auf dem Schlachtfeld verbannt. Die Radschlosspistole ist da nur eine Randnotiz.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. April 2006
  14. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Stammt aber nicht von mir, sondern aus:
    Bert S. Hall: Weapons and Warfare in Renaissance Europe, London 1997.

    Die Pistole konnte zwar nicht den Harnisch des Ritters durchschlagen, allerdings beritten eingesetzt werden. 1616 zeichnete Johann Jacob von Wallahausen Instruktionen wie man die Pistole effektiv einzusetzen hat, man müsse einfach das Pferd töten.

    Am Anfang gab es natürlich noch parallel Ritter und die "deutschen Reiter" (welche sich zu Kürassieren weiterentwickelten). Dragoner (einfach berittene Schützen), Lanciere und ähnliche Truppen wurden aber doch erst später (im 18. Jahrhundert) eingeführt.

    Das waren aber keine Ritter mehr...

    Natürlich verschwand die Pike endgültig erst mit der Erfindung des Bajonetts und dessen ersten erfolgreiche Reiterabwehr in der Schlacht von Fleurus 1690. Allerdings waren selbst die schwer gepanzerten Reiter/Kürassiere nicht mehr so effektiv gegen die Musketen bzw. schwer wie die Ritter, vor allem wenn sie ein Fernkampfduell versuchten, wie es am Anfang durch die Caracalla-Taktik versucht wurde.

    Es geht hier doch um den Ritter und nicht um den schwer gerüsteten Söldner, oder?
     
  15. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Richtig; es geht hier um die Ritter...

    Und ich hoffe, wir kriegen keinen Ärger, wenn wir zu sehr über die neuzeitliche Kavallerie weiterdiskutieren - da wäre der richtige Ort nämlich hier: http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=5553
    Andererseits versuche ich einmal, den Disput darüber etwas zu entspannen...

    Deshalb an der Stelle ganz kurz und stichpunktartig die zeitlichen Einordnungen der frühneuzeitlichen Kavallerie:
    Lanzierer - älteste Gattung (frühes 16. Jh.; gingen im 17. Jh. in den Kürassieren auf)
    Kürassiere - Bindeglied zwischen Rittern und neuzeitlicher Kavallerie (etwa ab 1540)
    Dragoner - aufs Pferd gesetzte Infanterie (ab 16. Jh.)
    Arkebusierreiter - Schützen zu Pferde (ab 16. Jh.; verschwinden im 17. Jh.)
    Französische Chevaulegers - leichte Kavallerie (etwa ab 1500)

    So - und damit dann bitte zurück zu den Rittern... :friends:
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. April 2006
  16. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Hallo,

    Thimo ist mir mal wieder zuvor gekommen mit einem Teil der Antwort, wobei ich mich etwas gegen die zu strenge Einteilung der Zeitalter wehre.

    @ Witege: Die Antwort mag von Herrn Hall stammen, überzeugender wirkt sie für mich dadurch trotzdem nicht.

    Die These, die Pistole hätte das Aus des „Ritters“ besiegelt ist mehr als gewagt und m.E. nicht haltbar.

    Wir müssen hier nochmals die Trennung zwischen den Rittern als soziale Klasse oder Stand und dem geharnischten Reiter als militärischer Faktor aufstellen.

    Der Niedergang der sozialen Klasse hatte schon viel früher begonnen und wurde anderswo in diesem Forum gründlich analysiert.
    Nur zur Erinnerung, dass schon zur Zeit Crecys und Agincourts ein beachtlicher Teil der gepanzerten gar keine „Ritter“ im strickten Sinne waren sondern Gens d’Armes, Reisige oder wie man sie nennen will. Viele davon aus dem niedrigen Adel, jedoch ohne genügend Vermögen um sich zum Ritter schlagen zu lassen können.

    Militärisch wird der Panzerreiter ab dem frühen XV Jahrhundert Schritt für Schritt aus der protagonischen Rolle gedrängt. Die Siege der Infanterie gegen die Reiterei sind weiter oben schon erwähnt und analysiert worden. Ich würde konkret auf Chatillon: Sieg durch massiven Einsatz der Artillerie durch die Franzosen gegen die Englische Reiterei; Cerignola und Garigliano: Sieg der Spanier über die Franzosen durch den Einsatz geschlossener Musketiereineheiten; und die Krönung: 1526 Pavía: auch ein Sieg der Artillerie und der Musketiere gegen die schwere Reiterei.

    Zum von dir erwähnten Zeitpunkt der Erfindung der Pistole (1530) , war die schwere Kavallerie schon als Schlachtentragende Kraft von der Infanterie definitiv verdrängt worden (zumindest in Westeuropa, im Osten hielt sie sich etwas länger).

    Und trotzdem verschwand der Panzerreiter nicht komplett vom Schlachtfeld. Ritterartig bewaffnete Reiter gab es noch bis zum 30. Jährigen Krieg (Zeit aus der das von dir erwähnte Buch von Wallhausen stammt). Danach nahm die Rüstung im Umfang ab (auch wenn und weil der Brustpanzer dicker und schwerer wurde). Die letzten Vertreter dieser Gattung endeten erst 1914 im MG-Feuer.

    Die Unterscheidung „Ritter“ und „deutscher Reiter“ stammt übrigens aus dem englischen (dort traten diese als Söldner im Bürgerkrieg auf) auf dem Kontinent gab es diese Unterscheidung nicht in dieser Art sondern wie von Thimo aufgezählt: Pistole oder Lanze definierten den Gepanzerten als Lancier (oder Lanzierer) oder als Kürassier.

    Und wenn es im strikten Sinne keine „Ritter“ mehr waren (das waren sie schon 1530 nicht mehr) hatte die Schwere Reiterei noch lange einen besonderen Status und galt für den Adel als besonders standesgemäße Waffengattung.

    @ Thimo: Mit Husaren meinte ich nicht den leichten ungarischen, sondern den gepanzerten polnischen Flügelhusar (der übrigens sowohl Lanze und Schwert wie auch Pistolen führte, die Schweden jedoch von der Wichtigkeit der Blanken Waffe „handfest“ überzeugte).
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. April 2006
  17. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Was haltet ihr von der Schlacht der Goldenen Sporen 1302 bei Kortrijk/Courtrai als Beginn einer militärtaktischen Wende. Rd war das erste Mal, daß ein Bürgeraufgebot mit Pikenieren ein Ritterheer schlug. Kortrijk, Crecy und Azincourt bewiesen, daß auch die Infanterie eine bedeutende Rolle spielen konnte. Insgesamt muß ich aber Marbod durchaus recht geben, der darauf hingewiesen hat, daß schwergepanzerte Reiterei nach wie vor meist die positive Entscheidung auf den Schlachtfeldern herbeiführte. Gründe für den Niedergang des Rittertums sind sicher auch auf militärtaktischem Gebiet zu suchen, Söldner- und Landknechtstruppen ersetzten die Ritteraufgebote.
    Stärker spielte wohl der Übergang von der Naturalwirtschaft zur Geldwirtschaft, der Aufstieg der Städte und das Erstarken der Territorialgewalt eine Rolle. Die Ritter mußten bei immer schmalerer Existenzgrundlage immer mehr für repräsentative Zwecke, vor allem Turniere waren sehr kostspielig, ausgeben, sofern sie nicht verbauern und zu "Krautjunkern" werden wollten. Ihre Dominanz auf militärischem Gebiet ging zur Neige und als selbstständige Territorialherren gruben ihnen die Fürsten und Städte das Wasser ab.
    Der letzte große Ritteraufstand Anfang des 16. Jahrhundert bestätigte diese Entwicklung endgültig. die Ritter konnten keine rigenständige Rolle mehr in der Politik führen, als Söldnerführer und Condottiere im Dienste der Territorialfürsten spielten sie weiterhin eine Rolle und das völlige Ende der reichsfreiherrlichen- und reichsunmittelbaren Territorien kam gar erst mit Napoleon
     
  18. ning

    ning Gesperrt

    Trotz großer Verneigung vor den verschiedenen Ausführungen zum (Nach und nach-) Untergang der ritterlich-geharnischten Kampftechnik zu Pferde, wüsst ich gern (@ Bdaian): wo ist genau "irgendwo hier im Forum" das zu finden, worum es eigentlich geht: dem Untergang (Machtverlust) des Standes der Ritter, des Rittertums also an sich (und nicht des vollarmierten Reiterkriegerwesens)?

    Ich las hier diesbezügliche Vereinfachungen und Nachträge (Lehensänderungen), die für mich der Kern der Sache sind: die kleinen Rittergeschlechter - einerseits bedrängte Gegner und andererseits auch abhängige Ministerialen des groß-und-größer werdenden Hochadels - als Opfer der Zangen der Hausmacht = Landzuwachspolitik dieser höheren Herren (weltlich und geistlich) einerseits und der zentralistischen Wirtschafts(wege!)politik (die Pfründe der Zölle und Mauten) dieser und der Städte andererseits.

    Als Beispiel fünf Rittergeschlechter auf den Donauburgen (das sind die Falkensteiner, Haichenbacher, Krämpelsteiner, Schaunberg-Julbach und Vichtensteiner - inkl. diesbezügl. Maut und Zölle!) zw. Passau und Linz: alle fielen in einer Zeitspanne von 1, 2 Generationen aus Rang, Ehren und Besitztum usw., nämlich in einer Zeitspanne, die unter seinem Vater, Kaiser Friedrich begann und die Maximilian I. vollendete (sinnig: der letzte Ritter): Ziel war, die Hausmacht der Schaunberger zu brechen, welche eine wirklich beeindruckende Landfläche zw. Donau und Salzkammergut, Hausruckwald und Traun erreicht hatten (UND zudem, direkt verwandt mit den südböhmischen Rosenbergern, ein zu großes Machtvolumen erreicht hatten!).
    Dazu schaltete man im ersten Zug die Abhängigen aus (der zweite Streich richtete sich dann direkt gegen die Hochadligen, deren Ansitz lag zw. Aschach und Eferding und wurde zum Abschluss der "Schaunberger Fehde" erobert und zerstört) :
    Die Ministerialengeschlechter der Schaunberger und Burgvögte entlang der Donau musstens sich
    1. dem Erzherzog als Landesherren bzw. dem Bistum Passau wieder direkt verpflichten und unterwerfen und wenn sie es nicht taten, wurden ihre Burgen belagert, sie vertrieben (und Schlimmeres) und ihr Besitz eingezogen -
    2. wurde ihnen die Option der Lehenskündigung gegen ihre alten Herren und Verwandten, die Schaunberger angeboten, was zur inneren Fehde führte und als Landfriedensbruch wiederum seitens Maximilians entsprechend (also ident w.o.) bestraft wurde -fies, das.

    Unterstützt wurde Maximilans Raubzug entlang der Donau (übrigens ein altes Prinzip der Habsburger seit Rudolf I) vom Bistum Passau, welches zum Lohn großteils die Pfründe der Mauten erhielt.
     
  19. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Es gab sogar ein eigenes Thema das "politischer Niedergang des Rittertums" hiess.

    Daneben wurde an verschiedenen Stellen (z.B. bezüglich der "Raubritter") darüber diskutiert und verschiedene Faktoren aufgezählt, von der Erstärkung politischer Macht der Fürsten und Könige, wirtschaftliche Macht der Städte, bis zu Entvölkerung der Landstriche durch die Pest und darauf folgender witschaftlicher Niedergang des Rittertums als vom Landbesitz (also der Agrarwirtschaft) abhängiger Schicht.

    Thimo hatte dazu einige interessante Ausführungen.

    Gut, vielleicht war es nicht so "gründlich" wie es hätte sein können. Die wichtigsten Punkte wurden m.E. erwähnt und erklärt.

    Der von dir zitierte Fall ist interessant, ist jedoch gerade ein Beispiel von der erwähnten Konfrontation mit der Erstärkung der königlichen und fürstlichen Macht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. September 2006
  20. ning

    ning Gesperrt

    Danke Dir. ;-) Hab den Pfad gefunden:

    http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=9038&highlight=politischer+Niedergang+Rittertums

    Eine kleine Anfügung noch zu den 5 Donau-Rittergeschlechtern - als Parallelbeispiel zu Timos Ausführungen (Bsp. wirtschaftliche Verarmung) im obigen Pfad:

    Bis heute hat sich ein geschickter Schachzug des Landesfürsten und des Passauer Bistums als Rufmord an den Rittern in der Erinnerung festgebrannt, den vor allem das Bistum Passua als Mär am Leben erhielt: Jene Schaunberger Ministerialien wären allesamt Raubritter gewesen. Erzählerisch illustriert wurde die Sage mit den bekannten Kettenabsperrungen über dem Fluss, Entern von Flößen und Terrorisierung der Schiffszüge und Reisenden am Treppelweg.
    Eine schlichte Verkehrung der Tatsachen, da diese Rittergeschlechter berechtigt und verpflichtet waren, für ihre Schutzleistung VOR WEGELAGERERN Wegzölle einzuheben, die sie prozentuell (ich erinnere mich an "einen fünften Teil") ihren Lehnsherren weiterzugeben hatten.
    Die landesherrlichen Einkünfte aus dem regen Donauhandel und Wandel waren dagegen schon vorher bedeutend höher. Das Stapelrecht (besser wäre: Stapelzwang) der landesfürstlichen Städte (zB. Eferding) zum einen und die regelmäßg am Strom auftauchenden Mauthäuser (wie zB. Aschach, Linz, Mauthausen) warfen ein Vielfaches ab (und wurden meist von den Habsburgern verpfändet und zwar in der Art, um indirekt damit Parteigänger in der Wahlkurie und im Regensburger Reichstag bei Laune zu halten).
    Nun, das sind vielleicht Details, sie offenbaren jedoch einen Wirtschaftskrieg gegen das Rittertum, der durchaus mit der heutigen Globalisierung der Wirtschaft contra regionaler Klein-und Mittelbetriebsstruktur zu vergleichen ist.
     

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