Wiener Kongress

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von Gast, 4. Juni 2004.

  1. Josephine

    Josephine Neues Mitglied


    Hallo,

    ob er daran anknüpfen wollte oder nicht, soweit ich weiß, mußte er doch den Eid auf die Verfassung leisten, was ihm nicht gefallen haben soll.

    Im übrigen denke ich auch, dass eher sein Bruder, Charles X., ultrakonservativ war und zwar so sehr, dass sogar die Madame Royale ihn zur Mäßigung aufgefordert haben soll.

    Gruß.........
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wer war denn damals (1814) für die Verfassung verantwortlich? Wenn ihm diese nicht gefiel, wer zwang ihn dann eine zu erlassen? Talleyrand?:grübel:
     
  3. Beetlebum

    Beetlebum Neues Mitglied

    Eine einheitliche Konfession war nicht geplant, aber in der Deklaration von September 1815 heißt es immerhin:

    "Ihre Majestäten der Kaiser von Österreich, der König von Preußen und der Kaiser von Rußland haben ... die innere Überzeugung gewonnen, daß es notwendig ist, ihre gegenseitigen Beziehungen auf die erhabenen Wahrheiten zu begründen, die die unvergängliche Religion des göttlichen Erlösers lehrt. Sie erklären daher feierlich, ... als die Richtschnur ihres Verhaltens in der inneren Verwaltung ihrer Staaten sowohl als auch in den politischen Beziehungen zu jeder anderen Regierung allein die Gebote dieser heiligen Religion anzusehen ... Daher haben Ihre Majestäten folgende Artikel vereinbart:
    Art. I. Entsprechend den Worten der heiligen Schrift, die alle Menschen sich wie Brüder zu betrachten heißen, werden die drei kontrahierenden Monarchen vereint bleiben durch die Bande einer wahren und unauflöslichen Brüderlichkeit, indem sie sich als Landleute betrachten ...
    Art. II. Infolgedessen wird der einzige Grundsatz, sei es zwischen den genannten Regierungen, sei es zwischen ihren Untertanen, der sein, ... sich insgesamt nur als Glieder ein und derselben christlichen Nation zu betrachten. Die drei alliierten Fürsten sehen sich selbst nur an als Beauftragte der Vorsehung, um drei Zweige ein und derselben Familie zu leiten, nämlich Österreich, Preußen und Rußland, und bekennen dadurch, daß die christliche Nation ... in Wahrheit keinen anderen Herrn hat, als ... Gott, unsern göttlichen Erlöser Jesus Christus, das Wort des Allerhöchsten, das Wort des Lebens. Ihre Majestäten empfehlen daher mit der zartesten Sorge ihren Völkern als einziges Mittel diesen Frieden zu genießen, ... sich täglich mehr zu befestigen in den Grundsätzen und der Übung der Pflichten, die der göttliche Erlöser die Menschen gelehrt hat."
     
  4. Josephine

    Josephine Neues Mitglied

    Hallo Brissotin,

    soweit ich weiß, war die Nationalversammlung dafür verantwortlich. Die haben wohl auch darauf bestanden, dass er den Eid auf die Verfassung ablegte.

    Gruß.............
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich habe gestern mal nachgeschlagen.

    Wogegen sich Louis XVIII wendete, war die Verfassung, welche ihm vom Senat bzw. der Provisorischen Regierung (federführend war, wie ich schon vermutete wohl Talleyrand (!) mit Louis' Vertrauten Abbé de Montesquiou) vorgelegt wurde. Der Senat hatte am 7. April 1814 Louis-Stanislas-Xavier zum König der Franzosen unter der Bedingung proklamiert, dass er die vom Senat ausgearbeitete Verfassung anerkenne.
    Jedoch schloss sich diese Verfassung eher an die Rückkehr zu einer konstitutionellen und liberalen Monarchie wie der von 1791/92 als an die von 1789 an.

    Diese lehnte Louis XVIII aber ab, da er nicht als König der Franzosen, sondern als in einer Kontinuität zu seinen Vorgängern als "Louis XVIII par le grace de Dieu Roi de France et de Navarre" herrschen wollte.
    Schon vor 1814 hatte sich, vor allem seit 1804, Louis XVIII hören lassen, dass er, wenn er eine Verfassung annehmen müsse, diese Kraft königlicher Autorität gewährt werden solle.

    *

    Es war dann auch nicht mehr von einer "Verfassung" sondern von einer "Verfassungsurkunde" (Charte constitutionelle) die Rede.**

    Am meisten Feinde machte sich Louis XVIII mit seiner gegenüber Bonapartisten und "Königsmördern" sogar recht nachsichtigen Kurs unter den Royalisten selbst.
    Wie gesagt hatte ihn das Exil erst ins Lager seines Bruders Artois gezwungen, dessen politische Ansichten, die schon im Heer der Exilanten von 1791 die vorherrschenden waren, von da an halbwegs vom Comte de Provence mitgetragen werden mussten. Ab 1795 setzte dann aber wieder ein zunehmend kompromisbereiterer Ton in den Erklärungen des nunmehr von seinen Getreuen als Louis XVIII proklamierten Exilkönigs ein. Louis XVIII war sozusagen durch die langjährige Schule des Exilantendaseins (1791-1814) gegangen.

    Die versöhnlichen Versuche von Louis XVIII wurden zumindest von manchen verstanden:

    ***

    So blieb bezeichnenderweise die Armee bonapartistisch. Die Fachleute wie Ney ließen sich scheinbar vorerst nicht ersetzen. Die Übergabe von Festungen, Kriegsgerät an die Sieger und die Rücknahme der Grenzen auf den Stand von 1792 sowie die Einsetzung von Emigranten als Offiziere in die Armee, welche einige napoleonische Offiziere ersetzten - man denke aber auch daran, dass eben Emigranten in den Armeen Condés usw. ab 1792 durchaus auch gekämpft hatten - sorgte für Missgunst. Von den Schwierigkeiten der Jahre 1814 und 1815 mit natürlich bedeutenden Steuerlasten, der Rückkehr der Emigranten, dem die Nationalisten ärgernden Frieden von Paris (30.05.1814) aber auch den neuen Freiheiten, die man in der Diktatur zuvor nicht kannte konnte Louis XVIII durch einen Krieg wie Napoléon eben nicht ablenken.

    Zusammen genommen erklärt dies etwas die Begeisterung bei der Rückkehr Napoleons, die aber nur von einem Teil der Bevölkerung geteilt wurde. Nach der erneuten Flucht des Königs vom März 1815 brachen schon im Mai des Jahres Revolten im Westen Frankreichs gegen das neuerliche Regime Napoléons aus. Die Verfassungsänderung, welche Napoléon vornehmen ließ, war nun auch zwar liberal aber natürlich nicht demokratisch und so verwundert es wenig, dass auch von Innen her die Herrschaft der "Hundert Tage" auf fragilen Füßen stand.

    Vielleicht noch ein Wort (nochmals) von Thamer über die Haltung von Louis XVIII, welche zumindest für die erste Zeit ab 1814 wohl ganz sicher richtig dargestellt ist:


    Man sieht also, dass es weniger Louis XVIII missfiel, überhaupt mit einer Verfassung zu tun zu haben, als dass sie anfangs einen Charakter hatte, mit dem er scheinbar so deutlich nicht einverstanden war.


    *
    Alle Zitate nach:
    Prof. Peter Claus Hartmann (Hrsg.): "Französische Könige und Kaiser der Neuzeit" - Beck'sche Reihe - München 2006
    Hier: Prof. Hans-Ulrich Thamer: "Ludwig XVIII."
    S. 379

    **
    Die Inhalte der Verfassung findet man mit meinem Wikipedialink, deswegen habe ich wegen Deckungsgleichheit mit den Aussagen Thamers nicht noch extra zitiert.

    ***
    Thamer: "Ludwig XVIII." (wie oben)
    S. 380

    ****
    ebenda
    S. 367
     
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  6. royaume94

    royaume94 Neues Mitglied

    hallo josephine

    es gab damals keine nationalversammlung sondern
    1. die Pairkammer
    2. der Senat
     

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