Eigentlich sagt es auch eine ganze Menge über den Zustand eines Landes, den Zustand einer Gesellschaft aus, wenn eine simple Kritik schon als Unverschämtheit empfunden wird.
Es hat aber @pardela doch gar nichts Despektierliches gesagt über @Mitlesers Tochter, die er ja nicht einmal kennt, deren Engagement er ja auch uneingeschränkt anerkennt.
Die überwältigende Mehrheit der Deutschen lehnt Gendersprache ab. Einige halten sie nur für ein wenig eloquentes Gestammel, das immer wieder unfreiwillig komisch wirkt. Es handelt sich um eine künstliche Sprache, die von oben herab kam. Kaum jemand spricht im realen Leben so, und ein großer Teil der Bevölkerung reagiert darauf mittlerweile mit extremer Abneigung, empfindet es als extrem abgehoben und elitär.
Wenn man das doch weiß, dann frage ich mich immer, weshalb man es dann nicht einfach lässt.
Deutsch ist eine sehr schwierige Sprache, ich frage mich immer, warum die Leute, die unbedingt Gender-Sprech durchsetzen wollen, die deutsche Sprache noch schwieriger machen wollen für Leute, die Deutsch nicht als Muttersprache gelernt haben.
Sie machen es schwieriger für Leute, die Deutsch erst noch lernen müssen, und sie machen es auch schwieriger mit ihnen selbst zu sprechen.
Wenn man eine Sprache benutzt, die von der überwältigenden Mehrheit abgelehnt wird, baut man, ganz unnötig, eine Barriere auf. Es werden viele Leute abgeschreckt. Leute, die auch Zeitzeugen waren, die vielleicht auch etwas zu berichten hatten, die aber vielleicht Deutsch nicht als Muttersprache gelernt haben, die sich vielleicht nicht gut schriftlich ausdrücken konnten.
Leute die nicht deutsche Muttersprachler sind, die vielleicht ohnehin lange Zeit geschwiegen haben, die verschlossene Austern sind, motiviert man ganz sicher nicht, ihre Erlebnisse weiterzugeben, wenn man sich schon rein sprachlich so verortet und positioniert, dass Gesprächspartner davon so abgeschreckt werden, dass sie jede Lust zu einem Gespräch bereits verloren haben, bevor ein Gespräch überhaupt zustande kommen kann.
Wenn man aus Zeitzeugen etwas herausholen will, ist unbedingt dazu Empathie nötig, da muss man sich auf gleicher Augenhöhe bewegen. Wenn mir jemand etwas anvertrauen soll, wenn ich ihn zum reden bringen will, muss ich mich auf eine Ebene mit ihm begeben, ich muss ein gewisses Vertrauen gewinnen.
Mit einer künstlichen Sprache, die abgehoben wirkt, erhöht man die Hemmschwelle, mit jemand zu sprechen, ich mache es schwieriger, mit mir zu sprechen, und ich wirke dadurch vielleicht selbst abgehoben und elitär, selbst wenn ich es gar nicht bin, und damit mache ich es unmöglich, auf Augenhöhe mit Zeitzeugen zu reden.
Ich fürchte, auf diese Weise verschenkt man viel Potenzial, denn am Ende werden nur die Leute mit einem sprechen wollen, die ohnehin Gegner des NS waren, die im KZ oder Strafbataillon waren, die ihre Geschichte vielleicht schon oft erzählt haben.
Es haben aber auch die "normalen Deutschen", die Mitläufer etwas zu erzählen. Ich würde sogar soweit gehen, dass man sich ihre Geschichten anhören muss, um wirklich zu verstehen, was der Nationalsozialismus war, auch was er nicht war.
Ja, @pardelas Kritik dass es vielleicht mehr um "Haltung" um politisch korrekte Sprache, um Gender-Sprache als um Aufarbeitung des NS geht, ist hart, ist unbequem, ist nicht nett. Aber es ist eine zulässige Kritik, und es ist auch keine boshafte, herabwürdigende Kritik.
Ich fürchte auch, dass @pardelas Kritik zumindest teilweise gar nicht so unberechtigt war, denn es räumte die Tochter ja durchaus ein:
Selten haben uns auch normale Deutsche besucht und z. B. von ihrer Zeit bei der HJ berichtet.
Kritik ist niemals wirklich willkommen, Kritik ist unangenehm, aber letzten Endes tun wir uns keinen Gefallen damit, dass wir lieber schweigen, dass wir immer diplomatisch, immer nett sein wollen. Zuletzt wacht man dann in einer Gesellschaft wie der unsrigen auf, einer heillos gespaltenen Gesellschaft, die so progressiv, weltoffen und tolerant geworden ist, dass sie über bestimmte Themen lieber gar nicht sprechen will und Widerspruch nicht mehr erträgt.