Warum ist die Aufarbeitung der Nazizeit gescheitert?

Das hört man ja auch oft von gelernten DDR-Bürgern. Die mokieren sich oft über Historiker, die seien ja nicht dabei gewesen. Sie vergessen dabei, dass auch Historiker nicht vom Himmel gefallen sind und auch unter Historikern gelernte DDR-Bürger sind.
Es kommt wohl auf den Gegenstand des Urteils an.

Bevor er den Verstand verlor, ließ Jordan Peterson seine Studenten in seinen Totalitarismus-Vorlesungen Brownings 'Ganz normale Männer' lesen und ermahnte sie, sich bloß nicht einzureden, sie selbst würden als Bürger Nazi-Deutschlands oder der Sowjetunion schon Widerstand geleistet haben; das sei bereits statistisch unwahrscheinlich.

Und selbst dem in der Rezeption Brownings oft zu hörendem Argument (bzw. Vorwurf), dass kaum einer, der sich der Teilnahme am Holocaust verweigerte, empfindlich bestraft wurde, kann man noch unrealistische Erwartungen an die menschliche Natur vorhalten; denn selbst wenn nur einer von tausend bestraft worden sein sollte—wie könnte man Gewissheit haben, nicht vom Schicksal als Tausendster ausgelost zu werden? Ausgelost, sich vor einem Regime zu verantworten, dem man alles zutrauen musste?

Will sagen: Urteilen darf man durchaus, sollte aber stets den Horizont des Möglichen im Auge behalten.
 
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