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Na, ja, selbst bei einem Defileegefecht wurde nicht den ganzen Tag auf ganzer Länge gekämpft!@Xander , die Fundhäufigkeit war mein Problem.....bei einem Defileegefecht müßte mehr dabei rauskommen...oder haben die germanen aus ökonomischen Gründen eine Pause gemacht?
Nein, Deine Überlegungen sind schon richtig. Das Gute hier im Forum ist, dass praktische Einwände und vor allem auch Erfahrungen anderer die Sicht ergänzen oder korrigieren. Deshalb macht das Lesen Spaß.Wahrscheinlich habe ich zu kompliziert gedacht.
Kann man zumindest nicht ausschließen. Auch die Germanen mussten sich evtl neu sammeln, Proviant (& Wurfspeere...) aufstocken oder was auch immer. Sicher ist es von Vorteil, den erzeugten Druck ständig aufrecht zu erhalten, aber das germanische Heer bestand wahrscheinlich zu großen Teilen aus Amateuren und hatte nicht die Organisation, Logistik und Disziplin einer Berufsarmee. Da wird bestimmt auch nicht alles ideal gelaufen sein.oder haben die germanen aus ökonomischen Gründen eine Pause gemacht?
Verwechselst Du @Opteryx gerade mit @Hermundure?Und in den vielen Fundstellen von @Opteryx, der ja wirklich sehr viel prospektiert und gründlich dokumentiert hat, fallen folgende Orte auf:
Ich habe die Frage gestellt, weil ich mir die wenigen Funde östlich von Venne nicht erklären kann.Prospektion ist nicht Grabung! Prospektion, das ist hier nur das, was per Sonde gefunden wurde, vor 2008 (unberücksichtigt, dass die Karte von 2008 natürlich nur Funde bis zum Jahr X zeigt, realistisch 2005 oder 2006).,
Wenn ihr euch mal die Schnittkarte von damals anseht, da könnt ihr sehen, was damals alles gefunden wurde. Da ist auch nach Prospektionsfunden und Grabungsfunden unterschieden:
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Mein Beitrag bezog sich hierauf, bezweifelt habe ich nichts.(Ein Auszug aus dem Thread "Neandertaler...3e Seite)Die Alltagssprache verwechselt gerne Theorie mit Hypothese. "Theoretisch könnte es so und so sein...."
Tatsächlich ist aber eine Hypothese ein Annahme, die zu beweisen ist, wohingegen eine Theorie ein Lehrgebäude ist, das solange als bewiesen gilt, bis neue Erkenntnisse es umstürzen.
Das offenbart ein gewisses Unverständnis von Wissenschaft. Eine These wird erst mal formuliert, man kann sie auch widerlegen. Die Varusthese ist aber nicht widerlegt. Im Gegenteil. Es spricht mehr für, als gegen sie.Nachdem ich mich in diesem Forum auch mit Varus herumgeschlagen habe, komme ich zu dem Ergebnis, daß, wissenschaftlich gesehen, die Hypothese Varus vorschnell entwickelt wurde.
Damit hat sich die Wissenschaft selbst eingeengt.
Ohne die Quellen wäre Varus heute ein weitgehend unbekannter Mann, dessen Name auf ein paar lateinischen und griechischen Inschriften im Osten vorkommt und als Herausgeber zweier Münzen. Und wir hätten noch den Kenotaph eines Marcus Caelius. Wir würden vielleicht nicht einmal wissen, ob es sich immer um dieselbe Person handelte.Was wir wissen ist: Quellen literarischer Natur, die nicht den Anspruch historischer Wahrheit haben. Sie sind aber dennoch der Ausgangspunkt über das Wissen um das Varusereignis. [...] Wäre man ohne die Quellen überhaupt auf eine Varushypothese gekommen?
Hä?Dio sagt dazu interessanterweise nichts, aber dafür über Germanicus umso mehr.
Wir wissen: die 19. Legion ist untergegangen. Wir wissen, dass diese Schlacht nach 7 n. Chr. stattgefunden hat (also nach Varus' Antritt in Germanien), wir haben keine Münzen, die auf einen Germanicus-Horizont hinweisen, wir haben Leichen, die Jahre nach ihrem Ableben bestattet wurden, was wir explizit über die Varusschlacht überliefert haben.Die Lage in der Engstelle von Kalkriese ist nicht anders.
Anhand der ergrabenen Funde steht fest, daß ein kriegerisches Ereignis stattgefunden hat.
Anhand des metallurgischen Ergebnisses steht auch fest, daß die 19. Legion beteiligt war.
Daraus eine Varustheorie zu entwickeln, ist wissenschaftsfremd.
Natürlich nicht!Wäre man ohne die Quellen überhaupt auf eine Varushypothese gekommen?
So wie ich das verstehe (und ich kann mich auch irren, da ich mich nicht so genau damit beschäftigt habe), gibt es bei Kalkriese Metallfunde, die sich aufgrund des metallurgischen Fingerabdrucks der 19. Legion zuordnen lassen.Die Lage in der Engstelle von Kalkriese ist nicht anders.
Anhand der ergrabenen Funde steht fest, daß ein kriegerisches Ereignis stattgefunden hat.
Anhand des metallurgischen Ergebnisses steht auch fest, daß die 19. Legion beteiligt war.
Daraus eine Varustheorie zu entwickeln, ist wissenschaftsfremd.
2 mögliche Ansatzpunkte gibt es☹vielleicht auch mehr:
- dem metallurgisches Beweis für die 17. Oder 18. Legion nachzugehen
- festzustellen, wo die 19. Legion seit Dangstetten war
- einen plausiblen Zugweg zu ermitteln, um den Weg zurückzuverfolgen
Mit dem heutigen Beitrag bist du aber von dem einen Extrem ("ich glaube den Quellen erst mal alles") gewissermaßen ins andere gefallen. Als Historiker haben wir ohne die Quellen nichts, sind wir ohne die Quellen nichts. Das heißt aber nicht, dass wir ihnen alles glauben können oder sollen.@ElQuijote,
Bashing der Quellen?Ich habe hier schon viel darüber gelesen, daß ich mich zu sehr an den literarischen Quellen orientiere.
Meine Kritik an Cassius Dio habe ich stets aus der Quelle selbst heraus begründet. Es gibt Leute, die mir darin nicht folgen (wollen), das ist auch okay so und manchmal werde ich falsch wiedergegeben, dass ich Cassius Dio in Gänze ablehnen würde, was nicht stimmt.Was Dein Bashing bezüglich Dio betrifft; zieh Dir bitte Deine Kritik an.
Dann verbietet sich auch ein Verwerfen der historiographischen Quellen, denn ohne diese wüssten wir nix über die Varusschlacht."Kalkriese "würde mich nicht interessieren, wenn es nicht um die Varusschlacht ginge"? Natürlich stimmt das.
Es ist hinlänglich bekannt, daß ich mich fast ausschließlich für Varus interessiere.
Wir wissen, dass Tiberius nach dem "immensum bellum" eine befriedete Provinz hinterließ. Das können wir natürlich als Propganda abtun. Wenn wir das aber tun, bekommen wir auch Probleme mit der ganzen Varusgeschichte. Denn diese macht dann keinen Sinn mehr. Und darin sind sich alle Quellen, von Ovid bis Cassius Dio einig: Dass die Varusschlacht ein Schock war, ein germanischer Verrat. Wir wissen, dass Kalkriese nur nach 7 n. Chr. stattgefunden haben kann. Das ist archäologisch/numismatisch gesichert. Wir wissen, dass dort die 19. Legion gekämpft hat. Da bleibt uns nichts anderes als die Varusschlacht, oder wir müssten alle Quellen vollkommen über den Haufen werfen. Du musst das nicht "teilen". Aber du musst auch nicht "teilen", dass 1+1=2 ist. Du wirst dann halt irgendwann Probleme beim EInkauf oder mit deinem Bankberater bekommen.Was nicht bekannte Schlachten betrifft:
Was Du über Tiberius und Vinicius gesagt hast, teile ich nur zum Teil. Diverse Zusammenstöße sind garnicht bekannt. Insoweit behauptest Du etwas, ohne es zu wissen.
In den Jahren 6 bis 9 war Tiberius gar nicht in Germanien, sondern hatte mit dem pannonisch-dalamatischen Austand hinreichend zu tun. Erst als Reaktion auf die Varusschlacht kam er im Herbst/Winter zurück nach Germanien.Zu Deiner Information, und ich meine, die hättest Du auch: in den Jahren 11 und 12 n hat es Zusammenstöße gegeben, wofür Augustus und Tiberius die Triumphalornamente erhalten haben. Bekannt sind diese Zusammenstöße nicht. Nach 5 n, aber vor 7n. hat Tiberius die Cherusker bekriegt, die sich schlußendlich zu einer amicitia bereit erklärten. Von diesen einzelnen Zusammenstößen wurde auch nichts bekannt.
Diese Frage hast du schon mal vor etwa drei Wochen gestellt und daraufhin die Antwort bekommen, dass Cassius Dio sie erwähnt, aber nicht genauer darauf eingeht. Du hast die Antwort sogar mit einem Like versehen:Hat Dio über Germanicus`Feldzüge berichtet?
Vielleicht habe ich es überflogen und nicht gesehen
Ja, das ist ganz interessant: Während die Varusschlacht bei Dio ausgewalzt wird, werden die Feldzüge des Germanicus nur kurz erwähnt und stärker in den politischen Kontext gestellt, dass nämlich die Soldaten lieber Germanicus als Tiberius zum Kaiser wollten, Germanicus aber Tiberius gegenüber loyal - bis zum angedrohten Selbstmord - blieb aber Tiberius Germanicus, dem die Loyalität der pannonischen und germanischen Legionen gehörte, misstraute.
Bei Cassius Dio LVII, 6, 1 steht nur: Φοβηθεὶς δ´ οὖν καὶ ὣς ὁ Γερμανικὸς μὴ καὶ αὖθις στασιάσωσιν, ἐς τὴν πολεμίαν ἐνέβαλε, καὶ ἐν αὐτῇ ἀσχολίαν τε ἅμα αὐτοῖς καὶ τροφὴν ἄφθονον ἐκ τῶν ἀλλοτρίων παρέχων ἐνεχρόνισε.
Und Cassius Dio LVII, 18, 1: Γερμανικὸς δὲ τῇ ἐπὶ τοὺς Κελτοὺς στρατείᾳ φερόμενος εὖ μέχριτε τοῦ ὠκεανοῦ προεχώρησε, καὶ τοὺς βαρβάρους κατὰ τὸ καρτερὸν νικήσας τά τε ὀστᾶ τῶν σὺν τῷ Οὐάρῳ πεσόντων συνέλεξέ τε καὶ ἔθαψε,καὶ τὰ σημεῖα τὰ στρατιωτικὰ ἀνεκτήσατο.
Details über die Feldzüge, wie bei Tacitus, kommen gar nicht vor. Also wo Cassius Dio bei Varus außerordentlich ausführlich ist, ist er bei Germanicus sehr reduziert, seine Unterfeldherren nennt er gar nicht. Bei Tacitus können wir etwas über fünf Feldzüge lesen (14 n. Chr. und jeweils zwei in den Jahren 15 und 16), bei Cassius Dio wird das alles zu einem großen Feldzug zusammengefasst in kaum mehr als zwei Sätzen.
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