@Sternbach , Ich habe langsam den Eindruck, dass du den Laurin noch nie gelesen hast. Du bist nicht in der Lage eine Textanalyse zu machen, und deine Interpretation aus dem Text selbst zu entwickeln, also eine Textexegese druchzuführen. Du behauptest nur
- dass der Text politische Propaganda wäre, der einen politischen Konflikt verschleiert bzw. bewertet
- du behauptest weiter, dass die Denunziation der Verliererseite als heidnisch im Text zentral wäre, und weißt es nicht nach
Du hast z.B. behauptet, dass der Rosengarten eigentlich eine Befestigung darstellen würde, symbolisch die Zerstörung für die Eroberung der Burg Enn stehen würde. Die Interpreatation hast du bisher nicht aus dem Text selbst entwicklen können. Und du warst bisher nicht in der Lage wirklich argumentativ die Argumentation, dass es sich um
einen klassischen Topos handelt, dem des lokus amoenus, des lieblichen Ortes, der zum Verweilen einlädt, der Frieden und Sorgenfreiheit verspricht, zu widerlegen. Hier der Topos in der Älteren Vulgatfassung:
"
vor eynen rosen garten, <vor> dy guldinen phorten. Mit golde und mit gesteyne, do mete hatte Laurin der cleyne dy rosen stocke behangen. En mochte nicht erlangen, der en solde sehen an, der muste sind truren lan. Viel wnne an deme garten lag. Dy rosen gaben suzsen smag, dar zcu gabin sy lichten schin."(ÄV, V 91-109)
Übersetzung mit KI:
"Vor einem Rosengarten, vor den goldenen Pforten. Mit Gold und Edelsteinen hatte Laurin der Kleine die Rosenstöcke behangen. Niemand konnte dorthin gelangen [oder: es ertragen], der sie ansah, der nicht all seine Trauer vergaß. Viel Wonne lag in dem Garten. Die Rosen gaben süßen Duft, dazu gaben sie lichten Schein."
In der jüngeren Fassung ist Dietrich so von Gefühlen überwältigt, dass er im Dialog mit Witege über die Wonne, die er beim Anblick des Rosengartens empfindet, vor Gefühlen überströmt:
"Die Rosen geben suessen geschmack, gleich beyde wol fruh vnde spat. Jch hab gantz kein verdriessen dran, die Rosen wollen wir lassen stahn. Sie sind gezieret, als billich sol, vnd thun mir an meim hertzen wol. »(JFJV, V 351-362)
KI Übersetzung: "Die Rosen verströmen einen süßen Duft, und zwar sowohl am frühen Morgen als auch am späten Abend. Ich habe überhaupt keinen Verdruss daran (sie stören mich im Geringsten nicht), wir wollen die Rosen stehen lassen. Sie sind so prachtvoll geschmückt, wie es recht und billig ist, und sie tun mir in meinem Herzen wohl.“ (das ist wirklich wenig Dichtkunst...)
Dietrich ist verzaubert, der Garten tut mit seiner Anmut, Lieblichkeit, seinen Düften und Farben, sogar Leuchten, seinem Herze wohl. Ein Herz, dass vor Wonne übergeht, aus dem kriegerischen Helden wird ein romantischer, friedlicher Ritter, der gleich seine Waffen ablegt und das Aventiure sein lässt. nach der Zerstörung verliert der Rosengarten genau diese Wirkung.
Eine Burg, die verteidigt würde, Verteidiger, all das ist weit und breit nicht zu sehen. Der "Rosengarten" befindet sich in der Jüngeren Vulgatfassung explizit sogar eine Tagesreise von Laurins Wohnsitz entfernt, sie übernachten bei einem Vasallen von Laurin.
Und vor dem Berg kommen die Helden mit Laurin zu einem weiteren Lokus amoenus, der paradiesische Anklänge hat:
"
An dem selbin morgen quomen sy unvorborgen vor eynem berge lobesam uf eynen wnneclichen plan undir eyne linden grune. Do derbeyzten dy helde kune. Ir ros slugen sy in den plan, der waz so rechte wnnesam. Uf dem plan stunt abeyz vil, mancherleye wen man herdenken wil odir ummer erdenken kan, dez stunt gar vil uf dem plan. Uf dem plan stunt worcze vil, mer wen man irdenken wil addir ummer irdenken mag, dy gaben suzen smag. Waz vogelin stymme man haben sol, set, dez waz der plan vol. Daz waz eyn michil wunder. Eyn ithlicher vogel sang besunder. Man horte wol irn gesang singe, ir kel suze irklinge, daz iz undir eyn andir hal auf dem plane subir al. Man sich mancher hande thier vil, dy triben myt eyn ander spil. Sy warn heymelich gezcemit und uf den plan gewenit. Vor war ich das sprechen sol: Der plan waz froude vol. Der in solde sehen an, der muste sin truren lan." (ÄV, V 847-878)
„An demselben Morgen kamen sie unbemerkt/offen vor einen lobenswerten Berg auf eine wonnige [wunderschöne] Wiese unter eine grüne Linde. Dort saßen die kühnen Helden ab [stiegen von ihren Pferden]. Ihre Rosse ließen sie auf die Wiese laufen, die so richtig wonnesam war. Auf der Wiese gab es reichlich Weideplatz [oder Obst/Speise], von so mancherlei Art, wie man es sich nur erdenken oder jemals vorstellen kann, davon stand gar viel auf der Wiese. Auf der Wiese wuchsen viele Kräuter [Wurzeln], mehr als man erdenken oder sich jemals vorstellen mag, die verströmten einen süßen Duft. Was man nur an Vogelstimmen haben wollte, seht, davon war die Wiese voll. Das war ein großes Wunder! Ein jeder Vogel sang für sich [einzigartig]. Man hörte wohl ihren Gesang erklingen, ihre Kehlen süß erschallen, sodass es ineinander widerhallte...“
Auf dem Platz erhoben sie sich. Man sah dort viele Arten von Tieren, die miteinander ein Spiel trieben. Sie waren heimlich gezähmt und an den Platz gewöhnt. Wahrlich, ich soll das sagen: Der Platz war voller Freude. Wer ihn ansehen sollte, der musste seine Traurigkeit ablegen."
Vogelstimmen, Kräuter, sogar Früchte, bevorzugt die Linden, die Schatten spenden, es fehlt noch eine Quelle. Es handelt sich fast um das komplette Inventar des lieblichen Ortes, wie ihn z.B. Curtius definiert: (CURTIUS 202): "
Der locus amoenus (Lustort) ist ein schöner,
beschatteter Naturausschnitt. Sein Minimum an Ausstattung besteht aus einem Baum (oder mehreren Bäumen), einer Wiese und einem Quell oder Bach."E.R. CURTIUS, Europische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen / Basel, S.191-209
Es wiederholt sich die Formulierung beim Rosengarten, dass jede Trauer beim Anblick des idyllischen Ortes weichen muss. Der paradiesische Ort ist ein Ort jenseits des Hofes, an dem z.B. Tristan und Isolde frei ihre Liebe leben können, an der sogenannten Minnegrotte, auch da in einem Berge hol, der liebliche Ort wird ausgestattet durch z.B. Linden, Blumen und eine Quelle:
"
Ir staetez ingesinde / daz was diu grüene linde, / der schate und diu sunne, / diu riviere unde der brunne, / bluomen, gras, loup unde bluot, / daz in den ougen sanfte tuot" (V. 16881–16886).
Der zweite Topos ist der dern Anderwelt: auch auf diesen Topos gehst du nicht ein. Denn der hohle Berg ist z.B. in der jüngeren Vulgatversion gleich als wunder werg (JV, V 1280) von Hildebrand markiert wird. Er ist nicht einfach eine zweite höfische Welt, die vor Reichtum und edler Ausstattung strotzt, Tisch aus Elfenbein z.B., sondern wird von einem Karfunkel erleuchtet. Den Helden gelingt es nur mit Ringlein, die sie von Künhild erhalten, sich in der Anderswelt zu orientieren, die Ringe helfen ihnen die Zwerge zu sehen. Riesen werfen die betäubten Helden in einen Kerker, und helfen den zwergen im Kampf. Dietrich gelingt es den magischen Gürtel Laurins anzulegen. Nur mit diesen Anpassungen an die magische Welt gelingt es ihnen den Kampf in der Anderwelt siegreich zu bestehen.
In der Erzählung Preiddeu Annwfn („Die Beute von Annwn“) von Taliesin will Arthur Gweir befreien und einen magischen Kessel aus der Elfenburg Cael Siddi (Elfenburg) rauben. Mit drei Schiffen fuhren die Helden nach Annwn, einem mythischen Königreich, das tel der Unterwelt ist.
Annwn – Wikipedia . Ihr Kampf gelingt, sie scheitern vor der Glasburg, die Burg der Trunkenheit im Gesang genannt wird, pechschwarz am Mittag, wurden sie auch betäubt? "
In drei Schiffsladungen von Prydwen fuhren wir dorthin, und bis auf sieben kam niemand zurück von Caer Siddi [der Elfenburg ], so der Refrain.Fehlte es Arthur an der richtigen magischen Ausstattung, um den Kamf in der Anderwelt zu bestehen?
Warum sollte, um den Kampf zu beschreiben, eine magische Welt entworfen werden, mit wundersamen und übernatürlichen Kräften, wenn es nur um eine politische Auseinandersetzung gehen würde, die eher z.B. in der Rabenschlacht durchscheint, im Kampf um Bern.https://de.wikipedia.org/wiki/Rabenschlacht_(Dietrichepik)?
Du sagst, der Laurin wäre Propaganda, das heißt übersetzt ausbreiten, und meint das Gegenteil davon, dass nur Eingeweihte einen Text verstehen. Siet 800 Jahren muss der Text falsch verstanden worden sein, denn eine andere Interpretation als eine, dass es eine heroische Aventuire ist, ist mir rezeptionsgeschichtlich unbekannt: oder wird irgendwo erwänt, in zieitnahen Quellen, dass es um einen lokalen Konflikt zwischen Feudalherrschaften geht? Für die Strukturirerung des Epos entlang der Topoi, lokus amoenus, Anderwelt, Entführung, Bewährung des Helden, gibt es aus dem Text viele Argumente, es lässt sich in einer Textexegese entwickeln. Auf deine Textexegese warten wir bisher vergeblich.