Attentate in der Geschichte

Dieses Thema im Forum "Sonstiges in der Neuzeit" wurde erstellt von Konradin, 24. Juli 2004.

  1. v.dem Knesebeck

    v.dem Knesebeck Neues Mitglied

    Jedenfalls waren es viel mehr als nur drei stück. Aus meinem schwachen Errinerungsvermögen kann ich schließlich schon an elf denken und es waren bestimmt mehr als das.
     
  2. v.dem Knesebeck

    v.dem Knesebeck Neues Mitglied

    40 wurden nicht durchgeführt sondern geplant. Viel wurden zwar geplant, konnten aber aus ein oder mehreren Gründen nicht durchgeführt werden.
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wurde schon die "Höllenmaschine" genannt, mit der ein Attentat auf den 1er Consul Napoléon Bonaparte unternommen wurde? Immerhin geschah das Attentat am 24.Dezember 1800. Wenn das nicht unchristlich ist?
    Demokraten (ich spreche absichtlich mal nhct von dem verunglimpfenden Wort Jakobiner)- und Royalistenverfolgungen waren die Folge.

    Eines der historisch tragensten Attentate aus der Zeit ist auch die Ermordung des französischen Generals Kléber in Kairo 1800. Kléber hatte Bonaparte, der nach Frankreich getürmt war (eigentlich klarer Fall von Fahnenflucht) erfolgreich vertreten. Klébers Nachfolger schlug sich dann noch mit den Briten, um schließlich eine Evakuierung der angeschlagenen französischen Epeditionsarmee zu übernehmen.

    Hier eine kleine Auflistung:
    http://calsky.com/lexikon/en/txt/c/ch/chronik_der_attentate_in_der_welt.php
     
  4. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Ich habe einmal einen Aufsatz gelesen, indem das bestätigt wird. (Liegt leider länger zurück, und ich habe mir damals leider nicht den Titel und den Sammelband notiert - bitte daher um Nachsicht, dass ich keine Quellenangabe mehr geben kann.)

    Dieser Artikel hat sich jedenfalls, daran erinnere ich mich noch sehr gut, auf das sogenannte Spätmittelalter beschränkt, es gab statistische Vergleiche mit Frankreich und Italien, wo lt. Artikel die Mordquote im Hochadel im selben Zeitraum wesentlich höher war.

    Insgesamt kommt der Autor auf 8 Morde (darunter 2 dt.-röm. Könige und 6 höhere geistliche Würdenträger als Mordopfer), wobei sich der Autor allerdings nur auf Mordfälle beschränkt, bei denen zweifelsfrei erwiesen ist, dass es sich um Mord gehandelt hat. Missglückte Attentate sind nicht einbezogen.

    Interessant fand ich aber in diesem Artikel etwas anderes: In allen Fällen, die da beschrieben sind, war der Mord außerdem für den bzw. die Täter (die als solche bekannt sind) letztlich kontraproduktiv.

    Also nicht nur eine wesentlich niedrigere Quote, was politisch motivierte Morde betrifft, sondern auch kein einziger Mord darunter, mit der / die Täter letztlich ihr Ziel erreicht haben oder der ihnen wenigstens irgendetwas Positives gebracht hätte.

    Der Autor stellt zuletzt übrigens die Frage, ob der Mord im HRR damals als politisches Mittel in der Gesellschaft verpönt gewesen sein könnte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Februar 2015
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  5. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    In der seriösen Literatur wurde früher davon ausgegangen, dass er an der Pest oder einer anderen Seuche starb, heute wird Leukämie (oder eine Form dieser Krankheit) angenommen.

    Was die beiden Herrscher Matthias Corvinus oder Friedrich III. (inwiefern hat der eigentlich wirklich von diesem Todesfall profitiert?) betrifft, habe ich auch in der älteren Sekundärliteratur (die Großteils doch auf einer eher problematischen Quellenlage aufbaut) und die ich bisher gelesen haben, nie einen Hinweis gefunden, dass irgendjemand sie tatsächlich verdächtigt hätte.

    In einer älteren wissenschaftlichen Arbeit werden übrigens einige Gedichte zitiert, die kurz nach seinem Tod im Umlauf waren. In diesen wird der Tod des Ladislaus Postumus tatsächlich als Mord dargestellt, in diesen fleht er um sein Leben udn wird dennoch erstochen. Der Täter (bar jeglichen Mitgefühls mit dem "Jungen" ) ist in jedem dieser Gedichte der spätere König von Böhmen: Georg Podiebrad.

    Quelle: Brigitte Haller: Friedrich III. im Urteil der Zeitgenossen, Wien, 1959

    Haller geht allerdings davon aus, dass es sich dabei lediglich um negative Propaganda gehandelt hat.
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    Heute findet sich in der seriösen Sekundärliteratur zum Mittelalter bei überraschenden Todesfällen gewöhnlich nur mehr der Hinweis, dass Gerüchte über Mord zwar sehr rasch aufkamen, auf diese wird aber in den meisten Fällen nicht näher eingegangen. Offensichtlich wird davon ausgegangen, dass sie in den meisten Fällen, lediglich dem Umstand geschuldet sind, dass der Tod für die Menschen damals eben überraschend war.

    Allerdings habe ich den Eindruck, dass in der seriösen Literatur zum Mittelalter inzwischen auch der Wahrheitsgehalt von Todesbeschreibungen und Todesursachen meistens hinterfragt, jedenfalls nicht mehr unkritisch übernommen wird. Offensichtlich wird davon ausgegangen, dass vieles nicht den Fakten entspricht, sondern z. B. symbolische Bedeutung hat oder einer Bewertung dient.
     
  6. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Indem er - wenn auch unter diversen Schwierigkeiten - die Nachfolge im Erzherzogtum Österreich antreten konnte? Hätte Ladislaus plangemäß geheiratet und Kinder bekommen, wäre das schwierig geworden. Noch lebende Brüder hatte Ladislaus praktischerweise keine, und so musste sich Friedrich im Wesentlichen nur noch mit Albrecht VI. abmühen.
    (Das soll jetzt nicht heißen, dass ich von einer Ermordung durch Friedrich ausgehe.)

    So einfach würde ich das nicht abtun. Noch heute ist es oft schwer, einen Giftmord als solchen zu erkennen. Im Mittelalter war es bestimmt nicht gerade einfach, eindeutig festzustellen, ob eine Person vergiftet wurde oder aus natürlichen Gründen relativ plötzlich und unerwartet verstarb. Gerüchte waren da wohl vorprogrammiert und müssen keineswegs immer unberechtigt gewesen sein. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass so mancher Herrscher, bei dem von einem natürlichen Tod ausgegangen wurde/wird, in Wahrheit vergiftet wurde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Februar 2015
  7. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Aus heutiger Sicht wirkt es ganz schlüssig, aber die Frage, die sich mir stellt, ist, ob Friedrich III. das auch so gesehen haben dürfte. Dass er ganz gerne die ganzen österreichischen Erblande in seiner Hand gehabt hätte, ist gut vorstellbar. Ob er dafür auch einen Verwandtenmord in Kauf genommen hätte ..., noch dazu, wo (nach seinen bisherigen Erfahrungen mit seiner Familie) zu erwarten war, dass sein Bruder und sein Cousin ebenfalls Ansprüche stellen würden. (Siegmund der Münzreiche tritt im späteren Konflikt nicht hervor, da er seine Ansprüche großteils an Albrecht VI. abtrat, im Tausch gegen die Vorlande.)

    Was gegen ihn als Täter (oder Anstifter) sprechen dürfte (abgesehen davon, dass er weder von Zeitgenossen noch späteren Generationen diesbezüglich verdächtigt wurde), ist allerdings der Zeitpunkt, als Ladislaus starb. Abgesehen davon, dass Friedrich III. damals mit einer ganzen Reihe anderer Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, u. a. galt es auch das Erbe der Grafen von Cilli an sich zu bringen, hätte Friedrich III. Ladislaus bereits früher und unter für ihn wesentlich günstigeren Bedingungen ausschalten können, wenn er das tatsächlich gewollt hätte. Während seiner Vormundschaft für Ladislaus, der sich in diesen ca. 10 Jahren auch noch an seinem Hof aufhielt, wird sich ziemlich wahrscheinlich die eine oder andere Gelegenheit für einen angeblich tragischen Unfall oder einen Tod durch Krankheit ergeben haben.

    Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es den einen oder anderen Mord gegeben hat, der nicht als solcher (bis jetzt) entdeckt wurde.

    Allerdings habe ich vor einigen Jahren für einen Kriminalroman eruiert, wie es möglich ist, unauffällig ein Gift zu beschaffen und dabei festgestellt, dass das in Realität gar nicht so einfach ist, wenn Täter nicht zufällig sowie Arzt oder Apotheker oder Chemiker mit eigenem Laboratorium ist. Ich könnte mir daher vorstellen, dass das in früheren Zeiten auch nicht so einfach gewesen sein wird, sich unauffällig Gift zu beschaffen, vorallem wenn der geplante Mord nicht als solcher entdeckt werden sollte.
     
  8. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Gift

    Hallo

    @Teresa C.

    Gifte waren doch seit dem Altertum bekannt, auch im Mittealter und neben Arsen, Quecksilber, Blei gab es ja noch jede Menge pflanzliche Gifte die auch bekannt waren. Ich schätze die waren bei Kenntnis um die Wirkung und entsprechender Position, oder entsprechendem Beruf (Goldschmied) relativ leicht zu beschaffen. Für den Ottonormalo dürfte es schwer sein, heute Giufte, oder gar bestimmte chemische Substanzen (noch nicht mal Gifte) zu bekommen.
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Noch im 19. Jahrhundert war es recht einfach, wirksame Gifte und Arzneimittel in Apotheken und Drogerien zu kaufen. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es Pflicht, dass die Wirkstoffe und die Dosierung einer Substanz auf der Verpackung vermerkt sein musste. Gifte wie Arsen waren als Schädlingsbekämpfungsmittel leicht erhältlich und potente Drogen wie Laudanum, später Morphin, Kokain und Heroin waren nicht rezeptpflichtig und leicht erhältlich.
    Da es immer wieder irtümliche Überdosierungen mit Laudanum gab, entwickelten niederländische und britische Apotheker Paregoric, eine Kampfer/Opiumlösung, die etwa 10 mal schwächer, als Laudanum (Opiumtinktur) war und daher auch an Kleinkinder verabreicht wurde. 1914 erließen die USA die Harrison Act, und Morphin- Kokain- Opium- und Cannabispräparate wurden verschreibungspflichtig, während Paregoric bis in die 70er und 80er des 20. Jhds weiter verkauft wurde. Strychnin und Arsen wurden auch außerhalb von Apotheken als Schädlingsbekämpfungsmittel gegen Agrarschädlinge verkauft, und Arsen erwarb sich einen gewissen Ruf als "Witwenmacher", bis die Gerichsmedizin und Forensik Giftstoffe immer besser nachweisen konnte.
     
  10. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Mir ist klar, dass die folgende Fragestellung sehr heikel ist. Es geht mir hier absolut nicht darum, Morde als "positiv" zu werten oder irgendwie zu rechtfertigen.

    Das vorausgesetzt, halte ich aber die Frage, ob sich (historische) Morde "gelohnt" haben, doch für interessant.

    Nehmen wir ein Beispiel, das schon sehr lange zurückliegt und in eine ganz andere Zeitepoche fällt, so dass es aus heutiger Sicht relativ sachlich diskutiert werden kann:
    Julius Caesar und die Iden des März. Der Mord an ihm war insofern "erfolgreich", als Caesar nicht überlebt hat, die Täter / Verschwörer, deren Namen überliefert sind (und zu denen zum Teil auch mehr bekannt ist) das Hauptziel erreicht haben.

    Wie aber ist der tatsächliche Ausgang einzustufen (soweit das die Quellenlage überhaupt zulässt). Dieser Mord hatte politische und gesellschaftliche Veränderungen zur Folge. Waren das aber die, welche die Täter zu der Tat veranlasst hatten?
    Aus heutiger Sicht entsteht (für mich jedenfalls) der Eindruck, dass dies nicht der Fall war.
    Hinzu kommt noch, dass die Täter letztlich mit dem Mord eine Entwicklung in Gang gesetzt haben, die im Endeffekt auch ihre eigenen Vernichtung bedeutete.

    Hier könnte zumindest die Frage gestellt werden - inwieweit sich dieser Mord letztlich für die Täter gelohnt hat?

    Welche politischen Morde (ich gehe hier einmal von Morden aus, die auch faktisch als solche erwiesen sind) gibt es eigentlich, bei denen der/die Täter/innen bekannt sind und die sich für diese Gruppe (aus heutiger Sicht) tatsächlich gelohnt haben dürften?
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Februar 2015
  11. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Die Ermordung Caesars hat sich für den Großteil der Täter überhaupt nicht gelohnt. Das mussten sie gleich nach der Tat erkennen: Sie erwarteten, vom Volk als Freiheitshelden gefeiert zu werden, doch nach einer ersten Schockstarre wandte sich die Meinung des Volkes rasch gegen die Mörder, die aufs Kapitol fliehen mussten. Ihr Ziel, die traditionelle Republik zu bewahren, haben die Täter nicht erreicht, dafür nahmen sie aber binnen weniger Jahre ein gewaltsames Ende. Sogar berühmt wurden nur Cassius und Marcus Iunius Brutus. (Den anderen Brutus - Decimus - kennt, wie ich vor einiger Zeit bei einem der Quiz in diesem Forum feststellen musste, schon niemand.)

    Morde, die sich für die Täter gelohnt haben, gibt es schon, aber solche mit politischen Motiven? Fällt jemanden zu ermorden oder ermorden zu lassen, um selbst seinen Platz einnehmen zu können, eigentlich auch unter "politische Morde"?
     
  12. Mischa

    Mischa Aktives Mitglied

    1984 wurde der Sarg Ladislaus Posthumus' geöffnet und das Skelett interdisplinär untersucht. Ergebnis: Ladislaus starb an lymphatischer Hämoblastose, einer Erscheinungsform der Leukämie. Sei Skelett zeigte, die für die Krankheit typischen Knochen-Veränderungen, auch der Krankheitsverlauf wie er in den Quellen geschildert wird, ist typisch.

    Ergebnislos verliefen dagegen toxikologische Untersuchungen. Weder Arsen noch andere damals zugängliche Gifte konnten nachgewiesen weden. Einzig allein der Quecksilbergehalt der Knochen war erhöht. Was das Team um den Prager Anthropologen E. Vlcek jedoch mit der Behandlung, der für die Krankheit typischen dunklen Hautflecken (Blutungen unter der Haut) mit Quecksilberpräparaten erklärt. Die Krankheit wäre auch heute noch unheilbar.

    Diese Erkenntnisse habe ich aus dem Buch "Schädel-Schicksale historischer Persönlichkeiten" von Herbert Ullrich, das ich jedem, der einen guten Magen hat, nur empfehlen kann. :D
     
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  13. Mischa

    Mischa Aktives Mitglied

    Und da wir schon bei Büchern sind, möchte ich auch den Klassiker zum Thema Vergiftung-Giftmord empfehlen:

    Louis Lewin: Die Gifte in der Weltgeschichte.

    Zwar schon von 1920 und daher gewiß in der einen oder anderen Hinsicht überholt, ist es immer noch eine interessante Lektüre und wurde auch immer wieder neu aufgelegt.
     
  14. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Ich musste bei deinem Beitrag an den Kaiser Diokletian denken. Von seinen Vorgängern, den Soldatenkaisern wurden die allermeisten ermordet oder fanden einen gewaltsamen Tod wie Decius, der gemeinsam mit seinem Sohn in der Schlacht von Abrittus gegen den Gotenkönig Kniva fiel. Valerian starb als Gefangener des Sasaniden Schapur I., und Claudius Gothicus fiel einer Epidemie zum Opfer. Unsicher ist die Sache bei Carus, der vom Blitzschlag gefällt worden sein soll, vermutlich aber an einer Krankheit starb oder vielleicht vergiftet wurde.

    Diokletian tötete bei seiner Ernennung mit eigener Hand einen Konkurrenten namens Aper mit eigener Hand. Diese Tat war auch für die damalige Zeit ungewöhnlich. Die als unzuverlässig geltende Quelle der Historia Augustalis kolportierte die Geschichte, dass Diokletian die höchste Macht geweissagt wurde, wenn er einen Keiler (Aper) zur Strecke bringe. Seitdem widmete sich Diokletian mit Passion der Wildschweinjagd. Als nach der Ermordung von Carinus und Numerian der Kommandeur der Leibgarde Aper beschuldigt wurde, konnte Diokletian nicht mehr warten, als er sah, dass er endlich den Richtigen vor sich hatte und half mit eigener Hand nach, Aper zu töten.

    Wenn die Geschichte stimmt, so hatte Diokletian durch die Tat keine Nachteile. Der Mord beeinträchtigte weder seinen Ruf bei der Nachwelt, noch hatte er andere Prätendenten und Mitwisser zu fürchten. Diokletian begründete das System der Tetrarchie und er reorganisierte das spätantike Imperium Romanum. Er endete nicht nur als einer der wenigen Kaiser, die eines natürlichen Todes starben, sondern war auch der Einzige, der zu Lebzeiten abdankte.
     
  15. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Wenn man auch Morde, bei denen es darum ging, jemanden zu beseitigen, bloß um selbst eine bestimmte Position einnehmen zu können, als "politische Morde" einstuft, findet man in der Weltgeschichte mehr Beispiele, bei denen Mörder eines Monarchen langfristig davon profitierten.

    Da wäre z. B. die Ermordung des oströmischen Kaisers Nikephoros II. Phokas 969 durch seinen Nachfolger Johannes I. Tzimiskes. Nikephoros' Frau Theophano begann eine Affäre mit seinem Verwandten Johannes Tzimiskes. Die beiden zettelten eine Verschwörung an. Theophano schleuste in der Nacht vom 10. auf den 11.12.969 mehrere Verschwörer als Frauen verkleidet in den Palast, dann drangen diese und Johannes über ein Seil in die kaiserlichen Gemächer ein, die die Kaiserin unter einem Vorwand kurz verlassen hatte. Nikephoros schlief wie üblich am Boden. Als er aufwachte, hieb einer der Verschwörer mit dem Schwert auf ihn ein und verwundete ihn schwer im Gesicht. Sie zerrten ihn zu Johannes, der ihn beschimpfte, auf ihn eintrat und ihm etliche Haare ausriss. Dann schlugen auch die anderen Verschwörer auf ihn ein, einer brach ihm den Kiefer, ein anderer schlug ihm die Zähne aus. Schließlich durchbohrte ihn jemand mit einem Krummschwert. Dann warfen sie seine Leiche aus dem Fenster. Er erhielt ein schlichtes Begräbnis.
    Nach dessen Ermordung ließ sich Johannes zum Kaiser ausrufen, doch zunächst gab es Probleme: Der Patriarch verweigerte ihm die Krönung, u. a. verlangte er die Verbannung von Theophano. Johannes gab nach und wurde gekrönt. Das schaut zunächst so aus, als hätte sich die Tat für Johannes nicht uneingeschränkt gelohnt, allerdings wird wohl dahingestellt bleiben müssen, inwieweit er an Theophano wirklich interessiert war oder ob sie für ihn nicht ohnehin nur Mittel zum Zweck war, er also ihren Verlust relativ leicht verschmerzen konnte. Letzterenfalls hätte er eindeutig durch seine Tat profitiert: Er wurde Kaiser und als solcher ziemlich erfolgreich. Möglicherweise wurde er zwar vergiftet, aber das ist unklar.
    Eindeutig verloren hat freilich Theophano, die ins Kloster musste.

    "Gelohnt" hat sich aber wohl auch die Ermordung Getas durch Caracalla: Er wurde so seinen verfeindeten Bruder los und die permanente Gefahr, irgendwann selbst von diesem (oder dessen Anhängern) ermordet oder zumindest gestürzt zu werden. (Das jetzt bitte nicht so verstehen, als würde ich Caracallas Tat damit entschuldigen wollen.) Auch Überlegungen einer faktischen Reichsteilung waren damit vom Tisch; Caracalla wurde Alleinherrscher.
    Zwar wurde er einige Jahre später trotzdem selbst ermordet, aber das hatte nichts mit Getas Ermordung zu tun und wäre ihm eventuell auch widerfahren, wenn Geta am Leben geblieben wäre. Somit unterscheidet sich seine eigene Ermordung von Fällen, in denen ein Kaiser von seinem Nachfolger ermordet wurde, der später selbst ermordet wurde: Hätte z. B. Maximinus Thrax nicht Severus Alexander töten lassen, wäre er zwar nicht Kaiser geworden, aber vermutlich auch nicht wenige Jahre später selbst ermordet worden. Maximinus Thrax hat also langfristig gesehen nicht von seiner Tat profitiert. Caracalla hingegen wurde nicht erst durch Getas Ermordung Kaiser, das war er längst und unabhängig von der Tat.
     
  16. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Nachtrag zu folgender Angabe:

    Titel des Aufsatzes:
    [FONT=&quot]Heinig Paul-Joachim: Fürstenmorde. Das europäische (Spät-)Mittelalter zwischen Gewalt, Zähmung der Leidenschaften und Verrechtlichung, in: Reich, Regionen und Europa in Mittelalter und Neuzeit. Festschrift für Peter Moraw. Hrsg. v. Paul-Joachim Heinig et al. (= Historische Forschungen 67), Berlin: Duncker & Humblot 2000, S. 355-388
    [/FONT]
     
  17. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    War danach vielleicht die schwindende Gottesfürchtigkeit schuld, die fehlende Angst vor dem Fegefeuer bei Taten mit Doppelmoral? Oder hat erst die Französische Revolution die Möglichkeit zum ›edel gesinnten Mord‹ endgültig ins allgemeine Bewusstsein geplanzt, bzw. das günstige Klima dafür geschaffen?

    Interessant wäre also eine Statistik, die Attentate nach sozialen Unterschieden untersucht. Die Häufigkeit politisch motivierter Attentate ist wahrscheinlich abhängig von der Beteiligung unterer sozialen Schichten an der Regierung, oder zumindest von der Abhängigkeit der Regierung von der Öffentlichkeit, d.h. irgendwann fühlten sich Hinz und Kunz berechtigt, die ›Sache‹ selbst in die Hand zu nehmen.

    Tötungsdelikte innerhalb der Herrscherklasse gelten nur selten als politische Morde und nicht einmal immer als Delikte. So wird auch der Kainismus angehender osmanischer Herrscher kaum als politischer Mord bezeichnet (war ja auch legal). Der Attentäter ist immer der Schwächere. Mordet der Stärkere, ist er schon wegen der Bedeutung von »attentatum« kein Attentäter; er tut’s, bzw. er lässt es tun, ohne es versuchen zu müssen; auch in der Geschichtsschreibung oft eine Nebensache, während die Tat des Versuchenden in die Geschichte eingeht und das Attentat als Lebensinhalt dargestellt wird. Bereits als Kind habe er über einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit verfügt, der Gute.
     

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