... allmählich trudeln bei mir zumindest mich verblüffende Materialien zur Borkumer Festungsgeschichte ein. Zwar muss ich noch einiges abwarten (ich habe erst im Winter einen Termin im Militärarchiv Freiburg mit einem Stapel Akten), aber vorab kann ich zumindest ein paar noch ungefähre Neuigkeiten mitteilen:
- zwar erklärte die AKO 1908 Borkum explizit zur Festung, aber durch allerlei Publikationen geistert auch eine Erklärung Borkums zur Festung im Jahr 1902. Letztere war ganz offensichtlich nicht nur ein Papiertiger, nicht nur eine Absichtserklärung: zwar begann der seinerzeit hochmoderne Festungsbau in Stahlbeton erst 1909, wie ich schon geschrieben hatte, und zwar nachdem 1908 die Ostlandbahn bis in die Ostdünen und die Nordstrandbahn erweitert war, aber sowohl Planungen als auch erste Baumaßnahmen begannen schon früher:
- -
Major & Ingenieur-Offizier Roos:
Übersichtsplan der militärischen Befestigungsanlagen auf der Insel BORKUM
Kolorierter Druck, Papier auf Leinen,
1907
- - nochmals Roos, derselbe Titel, diesmal
1908
- - dazu:
Militärische Befestigungsanlagen auf der Insel BORKUM Druck gezeichnet von
Festungsbau-Feldwebel Kuhlmann Papier Format 48,0x32,8 M 1:25.000
1908
Militärische Befestigungsanlagen auf der Insel BORKUM Druck gezeichnet von Festungsbau-Feldwebel Kuhlmann Papier Format 48,0x32,8 M 1:25.000, Arcinsys ist ein Archivinformationssystem der Landesarchive Hessen und Niedersachsen mit einer Onlinesuche für Archivalien und Funktionen für alle...
www.arcinsys.niedersachsen.de
Auch wenn dort
Dezember 1911 vermerkt ist, diese Karte hat Kuhlmann
1908 angefertigt - für uns interessant ist daran:
1. die Ostlandbahn war schon bis zu den Kobbe-Dünen (Dünenbatterie) vorangeschritten, die Nordstrandbahn ist nicht eingezeichnet
2.
rotes a irgendein erster Militärbau auf dem Gelände der späteren Dünenbatterie
3. rotes b irgendein erster Militärbau am "Sturmeck", wo später ein verbunkerter MG-Stand den Strand (Muschelfeld, Tüskendöör) sicherte
4. rotes c liegt etwas östlich seitab der späteren Südbatterie, ziemlich genau am Platz des Infanteriewrks Süddünen (siehe Festungskarte in #4)
5. zuständig war offensichtlich "Fortifikation Wilhelmshaven"
- - verblüffend für 1908 dann auch ein "Übersichtsplan der Linienführung der Fernsprechleitungen zwischen den Befestigungsanlagen auf Borkum" gezeichnet von Feldwebel Kuhlmann (leider nicht online einsehbar)
- - 1910 ein "Lageplan des noch für militärische Zwecke anzukaufenden Geländes auf der Insel BORKUM", Druck gezeichnet von Festungsbau-Feldwebel Kuhlmann:
rot das Gelände der Befestigungsgruppe um Hauptstand II, zwischen Strand- und Südbatterie gelegen (Plan #4)
Ganz besonders gefreut hat mich der Fund zweier Fotografien von 1927, die eine lässt den Batterieblock der Strandbatterie erkennen, die andere zeigt deutlich den mächtigen MG-Stand, aus dem später "Möwennest" und Gasthaus "heimliche Liebe" wurden. Zwar sind diese Fotos bzw. Ausschnitte aus diesen nicht aus der aktiven Festungszeit, aber auf jeden Fall vor der Wiederaufrüstung.
(ziemlich genau in der Mitte kann man den Batterieblock mit den vier Traversen erahnen)
Hightech-Stahlbeton aus der späten Kaiserzeit am Badestrand mit den typischen Borkumer Strandzelten
Und weil ich zuvor einiges zu Bäderarchitektur und Jugendstil verzapft hatte, zwei alte Fotos vom mondänen Badeleben: das erste von 1909 mit Strandkörben und Strandzelten aber noch ohne Wandelhalle, das zweite dann mit der Jugendstil-Wandelhalle:
...vielleicht ist es ja nur ein exzentrischer Spleen von mir, aber ich finde dieses kuriose, merkwürdige und doch beinahe symbiontische Nebeneinander von Jugendstil, Badeleben der Zauberbergzeit und Stahlbeton gleichermaßen faszinierend wie auch irgendwie anrührend.