Romanisch-germanische Sprachgrenzen im frühen Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von Sepiola, 24. Februar 2020.

  1. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Ich habe hier mal ganz grob vier Zonen markiert:

    upload_2021-2-25_23-29-31.png

    Grün (unterer Neckar / Nordschwarzwald bis Odenwald) - sehr schwache Siedlungskontinuität
    Diese Region war in römischer Zeit am dichtesten besiedelt, wurde von der Bevölkerung jedoch bis auf geringe Reste verlassen. Hier sind noch punktuell einige wenige antik-römische Siedlungsnamen erhalten geblieben.

    Rot: (Schwäbische Alb / Oberschwaben) - keine Siedlungskontinuität
    Diese Region war in römischer Zeit mäßig dicht besiedelt, sie wurde von der Bevölkerung nahezu komplett verlassen. Hier sind so gut wie keine antik-römische Siedlungsnamen erhalten geblieben.

    Blau: (Breisgau/Hochrhein) - partielle Siedlungskontinuität
    Diese Region war in römischer Zeit relativ dicht besiedelt, es setzte aber bald eine ebenfalls dichte alemannische Besiedlung ein. Die romanische Bevölkerung wurde entweder assimiliert oder zog sich in die abgelegeneren Schwarzwaldtäler zurück. Hier sind die relativ meisten antik-römischen Siedlungsnamen erhalten.

    Gelb: (Mittlerer Schwarzwald) - keine Siedlungskontinuität
    Diese Region war in römischer Zeit nahezu unbesiedelt. Erst nach dem Vordringen der Alemannen entstand hier ein romanisches Rückzugsgebiet ("Schwarzwaldromania"). Es gibt keine antik-römischen, jedoch frühmittelalterlich-romanische Siedlungsnamen.
     
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  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hast du die Karte in einer besseren Auflösung, so dass du die Legende ausschneiden und extra präsentieren kannst?
     
  3. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Eine bessere Auflösung bietet doch Sepiolas Link oben, der auf diese Karte verweist.
     
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Danke, übersehen.
     
  5. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    In der von Sepiola gelb markierten Bereich gibt es einige Ortsnamen, die im Beiwort erläutert werden. Gibt es das Beiwort irgendwo? Im Link von Sepiola habe ich es nicht gesehen (oder übersehen).

    HABW_03_05_C_50_20.jpg
     
  6. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Übersehen ;)

    Auf Seite 8 des PDF meine ich:
    https://www.leo-bw.de/media/kgl_atlas/current/delivered/pdf/HABW_3_5.pdf
     
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  7. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Wie ich bereits bemerkt hatte, ist die Karte von 1978 und entspricht nicht mehr in allen Punkten dem heutigen Forschungsstand.
    Ein paar Anmerkungen zu einzelnen Ortsnamen:

    Ulm: "Dem Ortsnamen liegt ein mehrfach bezeugter Gewässername zu Grunde." (Manfred Niemeyer, Deutsches Ortsnamenbuch, Berlin/Boston 2012)

    Sülchen wurde von Lutz Reichardt noch im Ortsnamenbuch des Kreises Tübingen (Stuttgart 1984) von Solicinum abgeleitet. Diese Ableitung hat Reichardt später zugunsten einer Herleitung von germanischen Sprachwurzeln aufgegeben.
    Frühere Ableitungsversuche von Sumelocenna sind schon länger ad acta gelegt. Dazu hatte ich bereits verlinkt: Siehe: Franz Quarthal, Der heilige Meinrad und der Sülchgau
    https://elib.uni-stuttgart.de/bitstream/11682/5853/1/Uni_63.pdf

    Von Füssen war in diesem Thread schon die Rede: Romanisch-germanische Sprachgrenzen im frühen Mittelalter

    Zu beachten ist der Hinweis unter der Liste der Ortsnamen: "Überwiegend keltischen, vereinzelt auch vorrömischen Urspungs sind folgende Namen, unter denen ein hoher Prozentsatz möglicher Gewässernamen auffällt"

    Im gesamten württembergischen Landesteil bleiben dann folgende sechs Ortsnamen:
    keltisch/vorrömisch: Brag, Brie, Cannstatt, Wimpfen
    keltisch (gallisch): -
    keltoromanisch: Lorch
    lateinisch: Welzheim
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ergibt für mich wenig Sinn. Da keltisch in der Region eine Teilmenge von vorrömisch ausmacht, müsste man das nichtkeltische vorrömisch irgendwie definieren, etwa so: Überwiegend keltischen, vereinzelt auch anderen vorrömischen Urspungs...
     
  9. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Über diese Formulierung bin ich auch gestolpert. Hier sind jedenfalls Namen gesammelt, die nicht eindeutig als gallische oder römische Siedlungsnamen bestimmt werden können, darunter auch solche, bei denen eine römische Deutungsmöglichkeit in Frage käme.
     
  10. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    dazu kurz der Verweis auf #340 und die wohl belegte Weiterführung der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung durch die germanischen Einwanderer
     

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