Warum ist die Aufarbeitung der Nazizeit gescheitert?

Wenn man das aber alles bereits zum Holocaust zählt, dann verliert man die Eigendynamik aus dem Blick, welche die Geschehnisse nach dem Überfall auf die SU entwickelten und damit auch etwas wichtiges für die Zukunft.
Ich verstehe die Argumentation, sehe die Problematik aber darin, dass sich die gesamte moderne Begrifflichkeit des Völkermordes und auch die Genozidkonvention inklusive auch ihrer nicht tötlichen und Versuchstatbestände letztendlich aus der Beschäftigung mit dem Holocaust herleitet.

Also darin, dass der Holocaust Konsequenzen für die internationales Rechtsprechung hatte, die über das Ahnden vollendeter physischer Massenmorde hinausgeht.

Nämlich, dass es keiner eingefleischten Antisemiten bedurfte, um den Holocaust zu begehen. Das waren Brownings Ergebnisse und wenn wir aus der Geschichte des Holocaust etwas lernen können, dann, wie sich so etwas in Zukunft verhindern lässt. Das können wir aus Goldhagen nicht lernen.
Naja, wenn man den Holocaust als singuläres Ereignis betrachtet wäre die Frage, wie viel uns diese Lehre bringt, denn in dieser spezifischen Form wird es ohnedies keine Wiederholung der Geschichte geben.

Wenn das ganze weniger spezifisch als ein Beispiel historischen Massenmordes und von Gewaltdynamiken betrachtet, stellt sich mir die Frage, ob es unbedingt die Forschung zu diesem Ereignis braucht, um Gewaltdynamiken herausarbeiten, erklären zu können und zu versuchen Präventionen gegen so etwas aufzubauen.

Da könnte man sich, was Gewaltdynamiken angeht, doch durchaus auch auf andere Prozesse beziehen. Nehmen wir z.B. die gleichen Bürger Frankreichs, die 1789 weitgehend friedlich und zivilisiert versuchten den König zur Akzeptanz und Garantie von Rechten zu veranlassen, die sie gerne gehabt hätten und die keine 5 Jahre später Protagonisten des jakobinischen Terrors sind.
Waren das nicht vorher auch in weiten Teilen eher unauffällige Personen und wäre das nicht z.B. genau so ein Beispiel, an dem man eskalierende Gewaltdynamiken genau so erklären könnte, wenn man explizit nach einem solchen Beispiel für Dynamiken suchte?

Ich würde es auf diesem Feld sogar für das weit interessantere Beispiel halten, weil hier wirklich sehr stark die Dynamik des Zufalls griff, während unter dem NS-Regime seitens der Machthaber von Anfang an bewusst auf die Eskalation hingesteuert und versucht wurde eine solche Dynamik herbei zu führen und aufrecht zu erhalten.
 
Was die dezidierten Mordprogramme im großen Stil angeht, hast du damit natürlich recht. Wenn man allerdings den Holocaus abstrakter als Völkermord im Sinne der Genozidkonvention betrachtet, die ja in der Definition nicht nur tötliche, sondern auch nicht tötliche Formen des Völkermordes so wie den Tatbestand des nicht vollendeten Versuches vorsieht, könnte man meiner Meinung nach schon zu dem Schluss kommen, dass 1938 mit der "Pogromnacht" der Völkermord beginnt.

Was bis dahin mit den Nürnberger Rassegesetzen lief, war im Prinzip das Zurückdrehen der Emanzipation der Juden und ihrer rechtlichen Gleichstellung, mit der Verschärfung, dass sich dem, anders als in der FNZ niemand mehr durch Konversion entziehen konnte.

Ich würde aber durchaus argumentieren wollen, dass die "Pogromnacht" 1938, nicht nur "Versuchsballon" von Seiten der Nazis war um mal festzustellen, zu wie massivem Vorgehend gegen als jüdisch betrachtete Personen, die Bevölkerung zu motivieren war, sondern ich würde hier schon argumentieren wollen, dass der orchestrierte Angriff auf Synagogen schon auch darauf abzielte eine religiöse Minderheit in Angst zu versetzen und zur Flucht aus dem Land zu veranlassen.
Und der Versuch eine religiös definierte Gruppe unter Einsatz von Gewaltmitteln zu vertreiben, wäre wohl als Versuchstatbestand im Sinne der Genozidkonvention anzusehen.

In sofern denke ich schon, dass man davon sprechen kann, dass es mit dem Völkermord Ende 1938 losging. Ob man das bereits als Teil des Holocaust betrachten oder unter "Holocaust" nur die dann folgenden tötlichen Folgen des Genozids subsummieren möchte, wäre eine andere Frage.

In einem Punkt gehe ich mit: Nach den Novemberpogromen 1938 konnte sich auch der Naivste und Wohlmeinendste keine Illusionen mehr machen über den Charakter des NS-Staates, wer Augen zu sehen und Ohren zu hören hatte, der konnte erkennen, dass die Nazis über Leichen gehen würden. Bei den Novemberpogromen kam es ja zu den ersten Morden, und der große Orlog war zumindest in den Köpfen schon vorbereitet, ein Rasse- und Vernichtungskrieg wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte.

1938 da ging es aber noch "nur" darum, die Juden aus dem Land zu ekeln und sie vorher restlos auszuplündern. Es gab soweit wir wissen zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Zielvorstellung, Juden physisch zu vernichten, Heydrich, Eichmann und Himmler schwebten noch Vorstellungen von Vertreibung vor wie der Madagaskar-Plan oder Vorstellungen eines "Judenstaates" in Osteuropa vor.

Bei diesen Plänen nahm man von vornherein billigend in Kauf, dass viele Menschen an Krankheiten krepieren würden. Auch das und die systematische Entrechtung und Ausplünderung der Juden war natürlich verbrecherisch, dennoch bin ich der Ansicht, dass zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht geplant war, die europäischen Juden physisch zu vernichten, und das dieser Plan noch ein ganzes Stück skrupelloser war als die Bemühungen, die Juden "nur" zu entrechten und auszuplündern. Himmler hat noch 1940 die "Auswanderung" und Vertreibung der Juden bevorzugt und die Ansicht geäußert, dass die "bolschewistische Methode" der physischen Vernichtung der Juden "ungermanisch" und praktisch undurchführbar sei.
 
Naja, wenn man den Holocaust als singuläres Ereignis betrachtet, wäre die Frage, wie viel uns diese Lehre bringt, denn in dieser spezifischen Form wird es ohnedies keine Wiederholung der Geschichte geben.
Es muss ja kein Ereignis dieser Größenordnung sein.


Wenn das ganze weniger spezifisch als ein Beispiel historischen Massenmordes und von Gewaltdynamiken betrachtet, stellt sich mir die Frage, ob es unbedingt die Forschung zu diesem Ereignis braucht, um Gewaltdynamiken herausarbeiten, erklären zu können und zu versuchen Präventionen gegen so etwas aufzubauen.
Die historische bzw. juristische Forschung hat Grundlagen gebracht, die sozialpsychologische Forschung hat auf diesen Grundlagen aufgesetzt. Ich empfehle dazu Welzers Täter: Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden. Der Titel zitiert nicht zufällig Browning.
 
Machen wir uns nichts vor: Mit dem 1. April 1933 setzte eine beispielslose Diskriminierungskampagne gegen die deutschen Juden ein, die mit der Reichspogromnacht 1938 und den darauffolgenden Monaten ihren Höhepunkt erreichte.Die vielen kleinen Nadelstiche zwischen dem 1. April 1933 und dem 8. November 1938, sind heute allenfalls Fachleuten bekannt, wie etwa das Verbot von Haustieren, Kinos zu besuchen oder der Entzug von Fahrerlaubnissen.

Wenn man das aber alles bereits zum Holocaust zählt, dann verliert man die Eigendynamik aus dem Blick, welche die Geschehnisse nach dem Überfall auf die SU entwickelten und damit auch etwas wichtiges für die Zukunft. Nämlich, dass es keiner eingefleischten Antisemiten bedurfte, um den Holocaust zu begehen. Das waren Brownings Ergebnisse und wenn wir aus der Geschichte des Holocaust etwas lernen können, dann, wie sich so etwas in Zukunft verhindern lässt. Das können wir aus Goldhagen nicht lernen.

Die Forschung hat gezeigt, dass man für den Holocaust nicht Überzeugungstäter brauchte. Zu den ersten, die Juden erschossen, gehörte das Reservepolizei-Bataillon aus Hamburg. Das waren keine jungen Wilden, sondern großen Teils erfahrene Kriminalbeamte, aus der Schule der Weimarer Republik hervorgegangen, politisch keineswegs rechtsextrem, sondern vor 1933 häufig im sozialdemokratischen Lager beheimatet. Das Als der Mordbefehl eintraf, trat der Kommandeur weinend vor seine Leute, erklärte, dass er einen schweren Befehl habe. Er machte deutlich, dass wer Zweifel hatte, sich entschuldigen konnte.

Es gab dann auch Männer, die davon Gebrauch machten, die sich krank meldeten, entschuldigten. Es zeigte sich in der Folge, dass niemand gezwungen wurde, Juden zu erschießen, zurückzutreten, nicht mit zu machen hatte zumindest keine extremen Repressalien oder Benachteiligungen zur Folge. Eine Mischung aus Gruppenzwang und Opportunismus führte dann aber dazu, dass eben Befehle befolgt wurden, dass die Männer das taten, was von ihnen erwartet wurde. Es hieß, ihr lasst eure Kameraden die Drecksarbeit für euch machen!"
Selbst wenn ihnen die Tätigkeit zuwider war, wenn der Kommandeur das Ungeheuerliche, das Unrecht erkannten, der Befehl wurde ausgeführt, und nach einiger Zeit machten alle mit, selbst wenn sie es ablehnten.

Gruppenzwang und Opportunismus ist das eine, eine Mischung aus Opportunismus und Übereifer eine andere. Wenn sich herumspricht, was gefällt, was erwünscht ist, dann werden sich immer auch Opportunisten durch Übereifer hervortun, vor allem, wenn dazu nur Gratismut oder nicht einmal der nötig ist.

Opportunisten mit den besten Absichten, die immer nur Schlimmeres verhindern wollen, richten oft viel mehr Schaden an noch als eiskalte Zyniker mit schlechten Absichten, die immer nur das Schlimmste wollen.
 
Die Forschung hat gezeigt, dass man für den Holocaust nicht Überzeugungstäter brauchte. Zu den ersten, die Juden erschossen, gehörte das Reservepolizei-Bataillon aus Hamburg. Das waren keine jungen Wilden, sondern großen Teils erfahrene Kriminalbeamte, aus der Schule der Weimarer Republik hervorgegangen, politisch keineswegs rechtsextrem, sondern vor 1933 häufig im sozialdemokratischen Lager beheimatet. Das Als der Mordbefehl eintraf, trat der Kommandeur weinend vor seine Leute, erklärte, dass er einen schweren Befehl habe. Er machte deutlich, dass wer Zweifel hatte, sich entschuldigen konnte.

Es gab dann auch Männer, die davon Gebrauch machten, die sich krank meldeten, entschuldigten. Es zeigte sich in der Folge, dass niemand gezwungen wurde, Juden zu erschießen, zurückzutreten, nicht mit zu machen hatte zumindest keine extremen Repressalien oder Benachteiligungen zur Folge. Eine Mischung aus Gruppenzwang und Opportunismus führte dann aber dazu, dass eben Befehle befolgt wurden, dass die Männer das taten, was von ihnen erwartet wurde. Es hieß, ihr lasst eure Kameraden die Drecksarbeit für euch machen!"
Selbst wenn ihnen die Tätigkeit zuwider war, wenn der Kommandeur das Ungeheuerliche, das Unrecht erkannten, der Befehl wurde ausgeführt, und nach einiger Zeit machten alle mit, selbst wenn sie es ablehnten.

Gruppenzwang und Opportunismus ist das eine, eine Mischung aus Opportunismus und Übereifer eine andere. Wenn sich herumspricht, was gefällt, was erwünscht ist, dann werden sich immer auch Opportunisten durch Übereifer hervortun, vor allem, wenn dazu nur Gratismut oder nicht einmal der nötig ist.

Opportunisten mit den besten Absichten, die immer nur Schlimmeres verhindern wollen, richten oft viel mehr Schaden an noch als eiskalte Zyniker mit schlechten Absichten, die immer nur das Schlimmste wollen.
Ich weiß jetzt gerade nicht welchen Smily ich verwenden soll. Für das Wissen und das Teilen ganz klar ein "like it" - jedoch gebe ich auch nicht gern ein "like it" - wenn über Tötungen berichtet wird. Also: Danke @Scorpio
 
und es sind nun mal die IDF, die neben Siedlern im Westjordanland das meiste Leid über Palästinenser bringen und zwar weil sie Palästinenser sind und nicht weil sie Hamas-Sympathisanten wären
Grundsätzlich gehe ich mit dem Tenor deiner Beiträge mit, fand auch einige Beiträge von @bibliophile sehr grenzwertig.
Ich will hier auch keine Palästina-Debatte aufmachen, aber so wie du das formulierst, klingt das, als sei das eine unumstößliche Tatsache.

Ich möchte das nicht so stehen lassen, weil ich der Meinung bin, dass weitaus das meiste Leid der Palästinenser vor allem auf Palästinenser zurückzuführen ist. Auf Palästinenser, die sich einem destruktiven Todeskult verschrieben haben, Palästinenser, die Palästinenser als lebende Schutzschilde verwenden, die für ihr Ziel Tod Israel und Tod den Juden, über-Leichen gehen und denen Palästinenser-Leichen und Palästinenser-Leid nur recht ist, weil sie es ganz bewusst einplanen, um es als politische Waffe gegen Israel zu instrumentalisieren. Palästinenser, die Palästinensern Lebensmittel, Medikamente und Hilfsgüter stehlen, um sie auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Palästinenser, die Nazi-Propaganda verbreiten, die Adolf Hitler ganz toll finden und schon Kinder zum Judenmord aufhetzen, Palästinenser, die genau dort weitermachen wollen, wo Hitler aufhören musste, die Judenmord mit Baklava feiern, die NS-Propaganda 1:1 auf Kinder loslassen, die ihre Mordlust offen in alle Welt hinausposaunen und damit natürlich auch die Palästinenser diskreditieren und in Misskredit bringen, die nicht daran beteiligt waren, die nicht gejubelt haben, die auch nicht Hamas-Anhänger sind.


Die aber lassen sich äußerlich nicht differenzieren von Palästinensern, die Juden mehr hassen als sie ihre Kinder lieben.
Die Stimmen von Seiten der Palästinenser, die das Pogrom verurteilten, die sich distanzierten, die waren eben auch sehr leise bis nicht wahrnehmbar.
Marcus Silbermann, eine der Geiseln, deutscher Staatsbürger, interessierte sich für die Kultur und Belange der Palästinenser, und er hatte sogar angefangen, Arabisch zu lernen. Silbermann sagte, dass er nach dem Pogrom, nach den Erfahrungen seiner Geiselhaft sich immer wird fragen müssen: "Wo warst du Oktober 2023? Hast du auch mitgejubelt, mitgemacht, als meine Angehörigen, meine Freunde abgeschlachtet wurden?" Es kann auch gar nicht anders sein.

Diesen Faktor, fanatischer Judenhass, Endlösungs-Judenhass, NS-Propaganda 1:1 bekommt man aus der Rechnung nicht heraus ich sagte es schon an anderer Stelle.
 
Das hat ja nix mit Deutschland zu tun, den gibt es fast überall auf der Welt, nicht nur in der Form des "Antisemitismus" sondern grundsätzlich als
Form des "Hassausdrucks" gegen über "Minderheiten" "andersartigen" "Volksschaften" usw..

Aber, was heiß in diesem Zusammenhang "uneingeschränkt"??? Gibt es "eingeschränkten Antisemitismus"???????????????!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Es gibt zumindest auch in Punkto Antisemitismus ein gewaltiges Spektrum, das von leichter Antipathie bis zu kompromisslosem Vernichtungswillen reicht. Es reicht von Spott und Stereotypen bis zu offenen Vernichtungsphantasien, Martin Luther, Franz von Asissi, Voltaire, Richard Wagner, Heinrich von Treitschke, Elard von Oldenburg-Janischau, Josef Stalin, Adolf Hitler, Julius Streicher-sie alle könnte man als Antisemiten bezeichnen, aber in ihren Ausprägungen, in ihren Stoßrichtungen, in ihren Schlussfolgerungen unterschieden sie sich erheblich.

Es gab witzige und geistreiche Antisemiten wie Elard von Oldenburg-Janischau oder Heinrich von Treitschke. "Die Juden sind unser Unglück"-das wird oft auf Treitschke zurückgeführt. Es waren aber Welten, die Treitschke von Streicher trennten. Treitschke kritisierte vor allem die orthodoxen Ost-Juden, und er hielt Mischehen für ein Mittel der Integration. In ihren Schlussfolgerungen, ihrem Inhalt unterschieden sie sich ganz erheblich, und man tut am Ende selbst den Antisemiten unrecht, wenn man so tut, als sei das alles eins, als hätten Voltaire, Treitschke, Wagner und Streicher aus den gleichen Quellen geschöpft, als gäbe es nicht auch beim Antisemitismus eine gewaltige Bandbreite von ganz unterschiedlichen Strömungen. Strömungen aus sehr unterschiedlichen geistigen Richtungen. Auch so tut, als sei die Geschichte ein Katarakt, die Vorgeschichte des NS. Es gab auch beim Antisemitismus gewaltige Abstufungen, es gab ihn in witzig pointiert bis demagogisch, mörderisch.

Eines aber sollte man sich bewusst sein, in der europäischen Geistesgeschichte waren ausgewiesene Freunde der Juden eine kleine Minderheit.
Lessings Nathan der Weise, der in manchem Züge gemeinsam hat mit Lessings Freund Moses Mendelsohn war eines der ersten Werke, in der ein Jude eine positive Rolle spielte. Von Shakespeares Shylock, dem Kaufmann von Venedig, über Moritz Spiegelberg, den Studienkomilitonen von Carl Moor in Schillers Räubern bis zu Fagin in Charles Dickens Roman "Oliver Twist", der immer nur "the jew" genannt wird, dominieren bei weitem die Werke, in denen Juden negative, zerrissene Charaktere sind.

Es gibt ein Buch von Henryk M. Broder, das Broder schon Ende der 1980er Jahre schrieb: Der ewige Antisemit, ich habe das Buch kürzlich auf dem Speicher wiedergefunden, es ist gewohnt provokant, wie man es von Broder kennt, aber doch gut geschrieben, pointiert und witzig. Es ist durchaus gut gealtert, auch wenn der Antisemitismus anno 1987 geradezu idyllisch erscheint im Vergleich mit dem, an das man sich Anno 2026 schon längst gewöhnt und abgefunden hat.
 
Ich weiß jetzt gerade nicht welchen Smily ich verwenden soll. Für das Wissen und das Teilen ganz klar ein "like it" - jedoch gebe ich auch nicht gern ein "like it" - wenn über Tötungen berichtet wird. Also: Danke @Scorpio
Danke für die Blumen. Es gab eine Doku vom ZDF, die zu den besseren Dokus gehört, und die sich mit dem Reserve-Polizeibatallion aus Hamburg beschäftigt: "Ganz normale Männer, der vergessene Holocaust". Ich weiß nicht, ob man die Doku bei YT oder in der Mediathek noch findet, aber es war auf jeden Fall mal eine der besseren Dokus.
 
Zuletzt bearbeitet:
In einem Punkt gehe ich mit: Nach den Novemberpogromen 1938 konnte sich auch der Naivste und Wohlmeinendste keine Illusionen mehr machen über den Charakter des NS-Staates, wer Augen zu sehen und Ohren zu hören hatte,
Nobelpreistraeger hatten den wahren Charakter der NS-Zielsetzung schon lange erkannt und zogen ihre Konsequenzen:
  • Onkel Albert 1933; ueber England nach den U.S.A.
  • Enrico Fermi 1938
  • Lise Meitner 1938
Doch auch z.B. jued. Geschaeftsleute lasen klar zwischen den Zeilen, sie 'verkauften' ihre Fabriken/Geschaefte/ Wertgegenstaende weit unter Maktwert. Mit Familie ab nach Hamburg. Dort und auf dem Weg dorthin, wurden sie nochmal bis zum letzten Heller durch Phantasiepapierkram und Bestechungen total gepluendert, so, dass kein Geld mehr fuer die Ueberfahrt nach den U.S.A. uebrig geblieben war. Die NS Typen rieten ihnen sarkastisch ihre reichen Verwandten in England und Amerika um Geld zu bitten. Frauen wurden auf unanstaendige Weise nach versteckten Goldmuenzen, Schmuck usw untersucht. Es gibt einige bekannte Faelle aus der Tschechei.

Ich moechte nochmanl wiederholen: die geplante Vernichtung und deren Ausfuehrung war ein heuristisches Unterfangen: von Abgasgas-LKW's , und Motorkrepierern die umgebaut werden mussten, bis hin zu nicht funktionierenden Kremas und falsch konzipierten Gaskammern.

RE: Nuernbeger Gesetze: deren Triebfeder waren hauptsaechlich purer Neid: im Justizwesen, i.e. Richter, Rectsanwaelte etc, gab es proportionell viel mehr Juden als prozentual in der Bevoelkerung. Auch jued. Geschaeftsleute wurden mit Neid betrachtet.

Schon Kinder wurden mittels 'Kinderbuecher' mit Hass ggn J. indoktriniert, siehe dazu 'Der Giftpilz' und 'Trau keinem Fuchs auf grüner Heid....'
So, das antisemitische Klima in DEU war schon lange vor 1938 ausgepraegt. Und existiert nachweislich unverholen immer noch, nur eben auf Mikroebene.

1938 da ging es aber noch "nur" darum, die Juden aus dem Land zu ekeln
Himmler's Konzept der deutschen Wehrdoerfer und Wehrbauern in den 'Ostgebieten' mit unendlichem Vorrat an 'Untermenschen' die das alles moeglich machen sollten, entstand auch schon vor 1938. I stand corrected though.
und sie vorher restlos auszuplündern.
So war's.
Es gab soweit wir wissen zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Zielvorstellung, Juden physisch zu vernichten, Heydrich, Eichmann und Himmler schwebten noch Vorstellungen von Vertreibung vor wie der Madagaskar-Plan oder Vorstellungen eines "Judenstaates" in Osteuropa vor.

Bei diesen Plänen nahm man von vornherein billigend in Kauf, dass viele Menschen an Krankheiten krepieren würden. Auch das und die systematische Entrechtung und Ausplünderung der Juden war natürlich verbrecherisch, dennoch bin ich der Ansicht, dass zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht geplant war, die europäischen Juden physisch zu vernichten,
Collateral damage wurdei n Kauf genommen, costs of doing business.
 
. Zu den ersten, die Juden erschossen, gehörte das Reservepolizei-Bataillon aus Hamburg.
Diese hatten gebeten bei den Erschiessungen durch Einsatzgruppen zugegen zu sein. Und wollten auch mal abdruecken.
Die Drecksarbeit ueberliess die SS eigentlich Litauern.
Von anderen Hamburger Eskapaden weiss ich nix.
Es gab dann auch Männer, die davon Gebrauch machten, die sich krank meldeten, entschuldigten. Es zeigte sich in der Folge, dass niemand gezwungen wurde, Juden zu erschießen, zurückzutreten, nicht mit zu machen hatte zumindest keine extremen Repressalien oder Benachteiligungen zur Folge.
Stimmt.
Um deren Sinne/Gewissen zu benebeln, gab es auch extra grosse Zugaben von Alkohol und Zigarette.
Eine Mischung aus Gruppenzwang und Opportunismus führte dann aber dazu, dass eben Befehle befolgt wurden, dass die Männer das taten, was von ihnen erwartet wurde. Es hieß, ihr lasst eure Kameraden die Drecksarbeit für euch machen!"
Selbst wenn ihnen die Tätigkeit zuwider war, wenn der Kommandeur das Ungeheuerliche, das Unrecht erkannten, der Befehl wurde ausgeführt, und nach einiger Zeit machten alle mit, selbst wenn sie es ablehnten.

Gruppenzwang und Opportunismus ist das eine, eine Mischung aus Opportunismus und Übereifer eine andere. Wenn sich herumspricht, was gefällt, was erwünscht ist, dann werden sich immer auch Opportunisten durch Übereifer hervortun, vor allem, wenn dazu nur Gratismut oder nicht einmal der nötig ist.

Opportunisten mit den besten Absichten, die immer nur Schlimmeres verhindern wollen, richten oft viel mehr Schaden an noch als eiskalte Zyniker mit schlechten Absichten, die immer nur das Schlimmste wollen.
Die Rolle, die Litauer usw dabei gespielt hatten, soll nicht vergessen werden.
 
Es muss ja kein Ereignis dieser Größenordnung sein.

Naja, wenn man den Holocaust als singuläres Ereignis betrachtet wäre die Frage, wie viel uns diese Lehre bringt, denn in dieser spezifischen Form wird es ohnedies keine Wiederholung der Geschichte geben.
Es war aber kein 'singuläres Ereignis'.
Der HC war aus juristischer Perspektive ein 'Genozid'. Genozid ist ein Kofferbegriff, er besagt 'Mord des genetischen Materials einer identifizierbaren Gruppe.' Diese Gruppe auszumerzen.
Nicht zu vergessen das Srebrenica Massaker, die Massaker der Ustasche, die Massaker der Tuerken an Armeniern, usw. Das Gemeinsame dabei ist eben, siehe oben.
Wer dieses Konzept begriffen hat, wird erkennen, dass Genozid an einer einzelnen Person als auch an huderttausenden veruebt werden kann. Die Zielgebung ist identisch.
Neben DEM HC gibt es viele Minni-HCs, wie gesagt, it's only a question of scale.
 
wie gesagt, it's only a question of scale.
im Fall deiner belehrenden Tiraden gibt es eigentlich nur eine "scale", die der Blödsinnigkeit - und da hast du eine erstaunliche Höhe erklommen!

Als der polnische Jurist Raphael Lemkin – Wikipedia den Begriff Genozid prägte, sah das folgendermaßen aus:
Die Bezeichnung Genozid (Neubildung zu altgriechisch genos„Geschlecht, Stamm, Nachkomme, Volksstamm, Volk“[19] und lateinischcaedere in der Bedeutung „töten, morden“)[20][21] hatte bereits eine durch die imperialistische Diskussion des 19. Jahrhunderts geprägte Geschichte, als der polnisch-jüdische Anwalt Raphael Lemkin sie 1943 in einem Gesetzentwurf für die polnische Exilregierung zur Bestrafung der deutschen Vernichtungsaktionen in Polen verwendete als Übersetzung des polnischen ludobójstwo (von lud „Volk“ und zabójstwo „Mord“).
aus Völkermord – Wikipedia - das unterscheidet sich recht deutlich von deiner Darstellung:
Genozid ist ein Kofferbegriff, er besagt 'Mord des genetischen Materials einer identifizierbaren Gruppe.'
Was dann diese Passage betrifft:
Wer dieses Konzept begriffen hat, wird erkennen, dass Genozid an einer einzelnen Person als auch an huderttausenden veruebt werden kann. Die Zielgebung ist identisch.
da kann man nur noch staunen und rätseln, was als nächstes kommt... und siehe da, es kommt tatsächlich noch krasser:
Neben DEM HC gibt es viele Minni-HCs, wie gesagt, it's only a question of scale.
aha, viele "Mini-Holocausts" gibt es also... da ist nicht nur die oberste Stufe der Blödsinnsskala erklommen, da ist auch die Grenze des guten Geschmacks weit überschritten. Nebenbei: deine Mini-Holocausts sollte sich die Moderation anschauen und entscheiden, ob solches Gefasel überhaupt zumutbar ist.

Was kann man da raten? Die Beratungsresistenz ist offensichtlich, seit etlichen Beiträgen schwadronierst du über Quantität (only a question of scale) - meiner Ansicht nach solltest du in deinen gänzlich haltlos belehrenden Tiraden künftig Verben wie "begreifen" auslassen, sie passen inhaltlich absolut nicht.
 
Es gibt nur eine Quelle, die definiert, was Genozid juristisch ist: Die Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes der UNO von 1948. Die sagt, Völkermord sei
eine der folgenden Handlungen, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören:
a) Tötung von Mitgliedern der Gruppe;
b) Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe;
c) vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen;
d) Verhängung von Maßnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind;
e) gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe.

Historisch ist es bestimmt interessant, warum diese Definition so ist, wie sie ist. Rechtlich steht sie für sich alleine, und Herkunft und Inspiration sind weitgehend irrelevant.
 
… Eines gibt mir seit Tagen zu denken:

Es ist interessant, dass das Vorhandensein von Antisemitismus in unserer Gesellschaft (bzw. der Umgang damit) von vielen Diskutanten als eine Art offensichtlicher Gradmesser für den Erfolg (oder Misserfolg) der deutschen Erinnerungskultur verstanden wird.

Schon die späte Hannah Arendt warf den Achtundsechzigern einen perversen Stolz vor; wenn ihre Väter schon Verbrecher gewesen seien, dann mussten es wenigstens die schlimmsten Verbrecher von allen seien, drunter ginge es nicht.

Angesichts der Herausgabe der NSDAP-Archivalien neulich war in der 'New York Times' (!) zu lesen, dass sich selbst die Nachfahren der Opfer heute mitunter (negativ) verwundern würden, wie bereitwillig die Deutschen über die Taten ihrer Vorfahren redeten. Und ich muss gestehen, dass mir beim Mitlesen von 'Spiegel Debatte' spontan das Wort der "Nabelschau" in den Sinn kam. Da herrschte mitunter ein regelrechtes Ergötzen, wenn der eigene Name in der NSDAP-Kartei auftauchte, oft in Verkennung der Tatsache, dass eigentlich nur eine frühe Mitgliedschaft in der Partei wirklich aussagekräftig ist, und man durchaus kein Parteibuch brauchte, um zum Schlächter zu werden. (Vielen Deutschen scheint gar nicht bekannt zu sein, dass sich Wehrmachtssoldaten erst ab 1944 in der NSDAP betätigen durften.)

Ebenso könnte man fragen, ob die Lehre aus dem Nationalsozialismus wirklich lautet, zu verhindern, dass in Deutschland die AfD regiert. Ich sage nicht, dass dieses Ziel falsch wäre, aber zwei Fragen müsste beantworten können, wer es vertritt: Im Reigen der weltweit erstarkenden rechten Parteien ist die AfD nicht wirklich einzigartig.

Will sagen: Könnte es sein, dass sich die deutsche Erinnerungskultur zu sehr in Details verliert—was vielleicht typisch deutsch sein mag—, anstatt die grundsätzlichen Fragen zu stellen, auf die es ankommt? Diese Problemstellung hat für mich das Zeug, das Selbstverständnis dieses Landes in seinen Grundfesten zu erschüttern. Blicken wir nämlich nach Japan, sehen wir eine Nation, die im zwanzigsten Jahrhundert ebenfalls schwerste Verbrechen begangen hat, diese Vergangenheit aber größtenteils ignoriert, und sich dennoch zu einer stabilen, pluralistischen (und zumindest nach internationalen Maßstäben liberalen) Demokratie gemausert hat. Sind die zivilisatorischen Errungenschaften, die wir heute an diesem Land wertschätzen, also wirklich das Verdienst einer wie auch immer gearteten deutschen Erinnerungskultur?
Ad 1) Nabelschau-das war auch ein Vorwurf, der Niklas Frank vorgeworfen wurde, dem Sohn des Generalgouverneurs, der ganz sicher für die Biographien seiner Eltern sehr viel Material gesammelt hat, der dann aber auch seinen eigenen Büchern ganz unnötig Schaden zufügt, indem er immer wieder in einen unsachlichen, übermäßig polemischen Ton verfällt. Es mag ja sein, dass es verstörend ist, zu erfahren, dass die eigenen Eltern verbrecherisch handelten. Verstörend ist es aber auch, wenn man liest, dass die Exekution des eigenen Vaters sexuelle Phantasiien ausgelöst habe, was man Niklas Frank glaubt, der immer Fotos der Leiche seines exekutierten Vaters mit sich herumschleppt. Es gibt kaum ein Interview mit Niklas Frank, ohne dass der irgendwann eine Fotografie seines toten Vaters zückt, seines hingerichteten Vaters. In einem Interview mit dem SWR erzählte Frank ganz stolz, dass er mit viel Mühe von den Amerikanern ein Foto besorgt habe, auf dem der exekutierte Hans Frank nackt war. Diese Fotos trägt Niklas Frank immer bei sich, zeigt sie gerne herum. Erhängen ist eine qualvolle Todesart, bei Suiziden endet sie meist in einer langsamen, überaus grausamen Strangulation. Bei Exekutionen mit der sogenannten long drop Methode soll das Genick brechen. Bei den Nürnberger Exekutionen berechnete man nicht, dass einige in Haft abgenommen hatten, bei einigen Delinquenten dauerte der Todeskampf sehr lang. Die Henker hatten die Seillänge zu lang oder zu kurz gemacht, bei einigen dauerte der Todeskampf sehr lange. Auch Hans Frank ist nicht leicht gestorben.

Kein Mensch wird mich je davon überzeugen, dass so etwas noch gesund ist, so eine fast nekrophil anmutende Freude an der Exekution eines Menschen, des eigenen Vaters zu empfinden. Ich glaube auch nicht, dass Schuldgefühle und (Selbst)-Hass dazu beitragen, die eigene Geschichte und die eigene Identität auch mal zu akzeptieren.

Hans und Brigitte Frank, waren ja nun gerade keine pathologischen Fälle, das waren ja normale Deutsche, die zu anderen Zeiten vermutlich unauffällig gelebt hätten, er war ein begabter Mann, hervorragender Schachspieler und Pianist. Ein gebildeter Deutscher, der äußerst brutale, barbarische Taten beging. Es gibt aber keine Sippenhaft, es ist Niklas Frank 1939 geboren, nicht schuldig er hat keine Schuld am NS, auch nicht sein 1928 geborener Bruder Norman, der sagte, sein Vater war ein Kriegsverbrecher, und er hat ihn geliebt.

Niklas Frank ist kein Verbrecher, weil seine Eltern Verbrechen zu verantworten haben. Er trägt kein Mörder-Gen in sich, und er ist auch nicht verdammt dazu, die Untaten seiner Eltern zu wiederholen. Ebenso wenig wie es eine Kollektiv-Schuld der Deutschen gibt, wie die Deutschen dazu verdammt sind, die Verbrechen der NS-Zeit zu wiederholen, nur weil viele Mitläufer und Mittäter, sich einer Aufarbeitung verweigerten.

Es sind ja doch am Ende die meisten in der Demokratie angekommen, wussten deren Vorzüge zu schätzen. Viel mehr war nicht zu erwarten damals dass am Ende und man verkennt am Ende auch die Einzigartigkeit, die Singularität des NS, wenn Ereignisse, wenn man ständig suggeriert, dass er sich genauso wiederholt.

Das aber ist das wiederkehrende Thema bei Niklas Frank. Das deutsche Volk hat die NS-Zeit seiner Meinung nie verarbeitet, da ist im Grunde die gesamte deutsche Geschichte nur die Vorgeschichte des NS, und die Bundesrepublik der Epilog der Nazi-Zeit.

Niklas Frank wird nie müde, in einem weinerlich-polemischen Ton zu beklagen, dass er die Gene seiner Eltern in sich trägt ganz so als sei er dazu dazu verdammt, zum Kriegsverbrecher zu werden, weshalb er als ewige Mahnung immer die Fotos des erhängten Hans Frank bei sich trägt.
 
Ebenso wenig wie es eine Kollektiv-Schuld der Deutschen gibt, wie die Deutschen dazu verdammt sind, die Verbrechen der NS-Zeit zu wiederholen, nur weil viele Mitläufer und Mittäter, sich einer Aufarbeitung verweigerten.

Es sind ja doch am Ende die meisten in der Demokratie angekommen, wussten deren Vorzüge zu schätzen. Viel mehr war nicht zu erwarten damals dass am Ende und man verkennt am Ende auch die Einzigartigkeit, die Singularität des NS, wenn Ereignisse, wenn man ständig suggeriert, dass er sich genauso wiederholt.
Das trifft in etwa meine Meinung.
Ich persönlich finde eine Bewertung der "Weigerung" der "Mitläufer/Mittäter" schwierig. Ich kann nicht beurteilen, wie ich mich an deren Stelle verhalten hätte. Hier pauschal "draufzuhauen" mag in der Nachschau ja einfach sein, aber für viele wird es vermutlich einfacher gewesen sein, die "Schrecken" zu verdrängen. Das soll keine Entschuldigung sein!, aber einfach war die Situation für viele nicht.
 
Das trifft in etwa meine Meinung.
Ich persönlich finde eine Bewertung der "Weigerung" der "Mitläufer/Mittäter" schwierig. Ich kann nicht beurteilen, wie ich mich an deren Stelle verhalten hätte. Hier pauschal "draufzuhauen" mag in der Nachschau ja einfach sein, aber für viele wird es vermutlich einfacher gewesen sein, die "Schrecken" zu verdrängen. Das soll keine Entschuldigung sein!, aber einfach war die Situation für viele nicht.

Natürlich war die Weigerung problematisch, aber es lässt sich Aufarbeitung nun einmal nicht erzwingen. Die Amerikaner haben Bewohner von Weimar gezwungen, sich Buchenwald anzusehen. Ein großer Teil der Deutschen hatte sich viel zu tief in den NS verstrickt, war vielfach nicht nur zum Mitläufer, sondern zum Mittäter geworden. Ein Aufarbeitung des NS hätte in vielen Fällen eben auch bedeutet, sich kritisch mit eigenen Taten auseinanderzusetzen.

Man kann Leute nicht dazu zwingen, sich mit dem NS zu beschäftigen, Bücher zu lesen, sich Ausstellungen anzusehen, man kann sie nicht zwingen, eine bestimmte Haltung zu übernehmen. Da kommt am Ende nur ein Lippenbekenntnis heraus.

Vielleicht kennst du das Einpersonen-Stück von Helmut Qualtinger "Der Herr Karl"

Herr Karl arbeitet in einem Delikatessengeschäft und erzählt einem "jungen Menschen" von seinem Leben zwischen Weltwirtschaftskrise, "Anschluss", Kriegs- und Nachkriegszeit. Wer Herr Karl eine Weile zuhört, der begreift schnell, dass der Herr Karl alles andere als ein sympathischer Raunzer, sondern ein eiskalter Opportunist und Mittäter ist.
In dem Stück spricht Herr Karl in Hochdeutsch das aus, was politisch korrekt ist (Furchtbar, wie man diese Menschen in die Irre geführt hat, während er im Wiener Dialekt das ausspricht, was er wirklich denkt.

Es wäre natürlich besser, hätten all die Mittäter bei der Aufarbeitung mitgemacht, dass sie es nicht taten, war aber so verwunderlich nicht, sie haben sich zwischen 1933-45 nicht dafür geschämt, ihre Niedertracht blühen zu lassen, weshalb hätten sie es tun sollen nach dem Untergang des Nazireichs, wenn niemand sie dazu zwingen konnte.

Mehr als Lippenbekenntnisse konnte man nicht von ihnen erwarten, und zu mehr als Lippenbekenntnissen hat es auch nie gereicht. Das konnten im besten Falle nur ihre Nachkommen für sie tun.
 
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