Es hatte jedes Konzentrationslager seinen Appellplatz, wo Strafen vollstreckt wurden, auch Todesstrafen. Schon in den ersten "wilden Konzentrationslagern" existierten Lagerordnungen, die sich regional oft sehr stark unterschieden. Nach der Entmachtung der SA übernahm die SS die KZs, und unter Theodor Eicke, einem äußerst brutalen Typen, der wegen Gewalttaten selbst bereits in der Psychiatrie saß. Eickes Vorgänger in Dachau Wäckerle hatte dort so viele Morde begangen, dass Himmler ihn abberief und durch Eicke ersetzte.
Die SS hatte im Grunde Rechte eines Staats im Staate, selbst die Feuerwehr brauchte ihre Erlaubnis.
Ab 1934 gab es eine Lagerordnung, die theoretisch verbindlich war für alle KZs im Reich. Diese Lagerordnungen sahen ein System von Sanktionen, Arrest, Einzelhaft, Dunkelhaft, Einzelhaft und Prügelstrafen.
Theoretisch war jeder Kommandant verpflichtet, in Berlin Rücksprache zu halten, wenn er Gefangene mit Stockschlägen traktierte.
Praktisch sah es aber so aus, dass jeder SS-Gewaltige sich seine eigene Ordnung machte. Es kam vor, dass Gefangene ausgepeitscht wurden, danach wurde in Berlin angefragt und dann wurde die ganze Prozedur offiziell widerholt.
Bei bestimmten Vergehen, Angriff auf Wachen, Meuterei konnte die Todesstrafe verhängt werden von Kommandanten. Dennoch musste auch jede Todesstrafe von Berlin genehmigt werden.
Wie bei Prügelstrafen gab es in vielen KZs aber auch willkürliche Ermordungen von Häftlingen. Etwas, das viele KZ-Überlebende berichten, war, dass Wachen Häftlingen die Mütze abnahmen und über die Postenkette warfen. Wurde ein Häftling beim Morgenappell ohne Mütze angetroffen, hatte er schlimmste Sanktionen zu befürchten. Gingen dann Häftlinge über die Postenkette, wurde sie "auf der Flucht erschossen".
Solche Fälle von Willkür kamen immer wieder vor, und sie beweisen, dass KZs rechtsfreie Räume waren. Bei aller Willkür dienten aber die deutschen KZs zu verschiedenen Zeiten verschiedenen Zwecken. Sie dienten vor allem der Einschüchterung, der Einschüchterung politischer Gegner, ihrer Familien und der Einschüchterung des ganzen Volks.
So brutal auch die wilden KL der SA und später der SS auch sein mochten, so viele Rechtsbrüche sich auch ereigneten, sie waren noch keine Mordfabriken. Die Nazis bemühten sich, den Eindruck zu erwecken, das KLs oder KZs besonders streng geführte Gefängnisse und Gefangenen-Lager waren, aus der die Insassen auch wieder freikommen konnten.
Sie versuchten den Eindruck zu erwecken, dass auch Sozialdemokraten und Kommunisten (wieder) in die "Volksgemeinschaft" aufgenommen werden konnten, wenn sie ihren "Irrtum" einsahen und sich politisch ruhig verhielten.
Julius Streicher, der Gauleiter von Franken und Herausgeber des Stürmers hatte die Angewohnheit, dass er jedes Jahr zu Weihnachten sich dafür einsetzte, dass ein Sozialdemokrat oder Kommunist aus dem KZ entlassen wurde, den er zu Weihnachten beschenkte.
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: KZs waren zu jedem Zeitpunkt absolut rechtsfreie Räume, in denen sich abscheuliche Verbrechen ereigneten, wo die Niedertracht und Korruption Blüten trieben, die man kaum glauben möchte. Auch in Wewelsburg/Niederhagen, dem kleinsten KZ, keine Mordfabrik, ereigneten sich abscheuliche Taten, sind Menschen zu tode geschunden worden.
Karl Otto Koch hielt sich in Buchenwald einen Zoo, in dem er zuweilen wie ein zweiter Nero Gefangene den Bären vorwarf. Von seiner holden Gattin Ilse, der Hexe von Buchenwald ging die Sage, dass sie in Madeira oder Sekt badete.
es waren aber noch keine Mordfabriken wie Treblinka, ein reines Vernichtungslager. Karl Otto Koch ist zuletzt über den Mord an zwei Häftlingen gestolpert, in Wirklichkeit über seine Feindschaft mit Josias von Waldeck, der selbst korrupt war bis zum abwinken. Aber rein formal war Kochs Mord an den beiden Häftlingen auch im Nazireich Mord, auch die Weimarer Verfassung hatte sich ja keiner Mühe gemacht, abzuschaffen.