Wie viel hat Europa dem Byzantischen Reich zu verdanken

Dieses Thema im Forum "Das Byzantinische Reich" wurde erstellt von Zoki55, 2. März 2009.

  1. Genau so ist es eben nicht. Zur Zeit der Herrschaft des Ältesten Sohnes von Boris-Michael I., Vladimir-Rasate, wurde versucht, das Heidentum zurück nach Bulgarien zu holen, und zwar unter Unterstützung von Arnulf von Kärnten (der schon Christ war).

    Außerdem war Bedingung für die Christianisierung die Anerkennung der Unabhängigen Bulgarischen Kirche, der die Katholiken nie zugestimmt hätten.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was heißt hier schon? Arnulf von Kärnten war der letzte "deutsche" Karolinger. Weshalb ich aber schreibe: Das würde mich näher interessieren, gibt es dazu vernünftige Quellen?

    Ich gehe mal davon aus (Arbeitshypothese), dass Arnulf hier weniger religionspolitisch agierte, sondern vielmehr nach dem Motto "der Feind meines Feindes" oder alternativ "parte et impera" vorging.

    Das wäre dann aber einen eigenen Thread wert.
     
  3. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Ich versichere dir: Auch ohne Byzanz wären die Bulgaren irgendwann Christen geworden und in diesem Fall von Rom aus bekehrt worden.

    Von wem sonst?
     
  4. Vielleicht, aber dann hätten sie genauso den Islam annehmen können.

    Faktum ist, das die Nachbarschaft zu den Byzantinern zur Christianisierung geführt hat. Für Bulgarien war Rom weit entfernt, und die Christianisierung erfolgte aus 2 Hauptgründen: 1. War Bulgarien zwischen Protobulgaren und Slawen gespalten, beide in ihrem eigenen Glauben festsitzend. 2. War Bulgarien militärisch in einer der schwersten Situationen: Gegen die Serben und gegen die Byzantiner haben sie Schlachten verloren, das Land war kurz vor dem Untergang. Ergo: Die Einführung des Christentums diente zur Stärkung des Zusammenhaltes im Staat ("Ein Volk, ein Glaube!"; Ab hier gibt es nicht mehr die Unterscheidung zwischen Protobulgaren und Slawen, es sind einfach Bulgaren), sowie zur Friedenssicherung zwischen Byzanz und Bulgarien.

    Ohne Byzanz wäre nicht der Druck gewesen, der zum Christentum geführt hätte. Rom hatte aus dieser Distanz bei weitem nicht den Einfluss.

    @El Q: Du liegst, soweit ich das was ich gelesen habe, Richtig in Erinnerung habe, mit deiner Arbeitshypothese richtig. Ich muss mal nach den Quellen sehen, hab doch einige Bücher, die ich durchforsten muss.
     
  5. Cato

    Cato Neues Mitglied

    Wie sieht es eigentlich auf dem Gebiet des Schiffsbaus aus? Hat Byzanz als maritime Macht auch hier Europa beeinflusst?
    Die mittelalterlichen Galeeren scheinen mir noch große Ähnlichkeiten mit den antiken Exemplaren zu haben.
     
  6. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Schau dazu einmal bspw. da:
    http://www.geschichtsforum.de/f77/schiffe-im-mittelmeer-galeeren-1476/
    http://www.geschichtsforum.de/f43/schiffe-12679/
    http://www.geschichtsforum.de/f77/segler-des-mittelalters-11804/
    http://www.geschichtsforum.de/f77/schiffsbewaffnung-im-mittelalter-vor-dem-schwarzpulver-24526/
     
  7. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied


    Wie ich mich erinnere lag das Einflussgebiet Roms fast bei der heutigen Bulgarischen Grenze.

    Und Irland ist weiter weck vom Papst als Bulgarien.
     

  8. Naja, so stimmt das nicht. Das Einflussgebiet Roms reichte ja net mal bis nach Serbien. Die südlichsten Katholiken waren die Kroaten.
     
  9. Großfürst Pavel

    Großfürst Pavel Neues Mitglied

    Welches Rom meinen sie?
    In der zweiten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrtausends war der Einfluss Roms in diesem Teil Europas minimal.

    Irland war auch nicht durch Islamische Heere bedroht.
    Ohne das Oströmische Reich, das lange Zeit ziemlich erfolgreich im Osten Europas als Schild gegen den expandierenden Islam fungierte, wäre der Balkan vermutlich mehr als ein halbes Jahrhundert früher einer massiven Islamisierung ausgesetzt worden.
     
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  10. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Stimmt nicht.

    Sava von Serbien ? Wikipedia

    Stimmt nicht die Serben gehörten zum größten Teil der römischen Kirche an.

    Erst unter Fürst Nemanja und König Stefan änderte sich das.

    Die katholische Kirche hatte ein Bistum für Raszien, Zeta und Bosnien in Bar.


    Sava machte in einer Nebenstadt das erste Bistum der autonomen Kirche auf.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. April 2009
  11. Oke, dann hab ich mich getäuscht.

    Wie gesagt, durch Byzanz war der Einfluss auf Bulgarien wesentlich größer. Die Römer haben es ja auch in Bulgarien versucht, nur schafften sie es nicht, da sie keine unabhängige Bulgarische Kirche akzeptieren wollten.
     
  12. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied


    Was ist mit einem Uniat.

    Wurde auch einem serbischen Herrscher (Uros der 4) angeboten.

    Warum nicht den Bulgaren.
     
  13. Wurde Angeboten, und zwar dem Zaren Kalojan vom 2. Zarenreich. Am Anfang sah es auch gut aus, aber es kam der 4. Kreuzzug, die Anerkennung als Zar durch die byzantinisch Orthodoxen sowie die Schlacht von Adrianopel und die anschließende Gefangennahme Balduins dazwischen.
     
  14. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Hätt ich mir auch denken können. :rofl:
     
  15. Seit diesem Zeitpunkt haben sich die Beziehungen zwischen Rom und Bulgarien drastisch verschlechtert.
     
  16. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Der serbische Car plannt einen Kreuzzug will sich vom Papst zum Kapitän der Christenheit machen. Diesen Titel bekommt der König von Ungarn und der verwechselt Anatolien mit Serbien.

    Es scheitert ja dann immer an weltlichen Dingen.

    Aber eins muss man auch sagen das ökomenische Patriarchat hat die unabhängigen Kirchen erst nach ziemlichen Murren annerkannt.
     
  17. Klar, weil es ihre Unabhängigkeit geschmälert hat.

    Wobei ich zugeben muss, dass ich froh bin, dass sich die Geschichte so entwickelt hat, wie sie sich entwickelt hat, da meiner persönlichen Meinung nach die Katholisierung des Balkans ein kultureller Rückschritt gewesen wäre. In vielerlei Hinsicht waren ja die orthodoxen Christen fortgeschrittener also die Katholiken, sprich die Sprache der Völker als Liturgiesprachen (das Altkirchenslawisch ist nix anders als Altbulgarisch, was selbst der einfachste Bauer verstanden hat, bzw. ein Bulgare versteht es immer noch mühelos); keine Hexenverbrennungen, kein Zöllibat etc.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 17. April 2009
  18. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied


    Hexenverbrennung gab es bis in das 19 Jahrhundert am Balkan.

    Der einzige Unterschied war das die Kirche nicht an Hexen glaubten. Aber natürlich haben Dorffahrer dabei mitgemacht.

    Bei der Sprache gebe ich dir Recht. Aber die Kirchenleute haben sich gegen die einführung einer noch verständlicher Volkssprache im 12 Jahrhunder gestehlt. :hmpf:
     
  19. Hexenverbrennungen gab es wenn, dann in Rumänien. Von Bulgarien ist mir jedenfalls kein einziger Fall bekannt. Das einzige, was sich die Orthodoxen da zu Schulde kommen ließen, war die Verfolgung der Bogomilen.

    Naja, aber wenn man sich da zum Vergleich die Katholiken hernimmt, die erst im 16. Jahrhundert begonnen haben, vom Latein abzugehen ;)
     
  20. Brushian

    Brushian Gast

    Da ist wieder mal alles relativ, selbst wenn du nur Kroatien oder Bosnien nimmst, ist das auch gerade mal nur 150-300km von der bulgarischen Grenze entfernt.

    Was hier unerwähnt bleibt ist die Tradition der Bogumilen, die anfänglich von Bulgarien bis ins kroatische Zadar ging.
    Ich habe sogar mal von einer Theorie gelesen, die das als die Weiterführung der "urslawischen Naturreligion" betrachtet.
    Die wurden auch von beiden Kirchen bekämpft, da sage ich nur mal zehntausend ausgestochene Augen.

    Die südlichsten Balkankatholiken wurden von einem Teil der Albaner gestellt.

    Schrift und Kultur wurden von Byzanz übernommen, die zwei Slawenapostel verehrt und diese haben schon ein paar hundert Jahre vorher missioniert.
    Die verschiedenen Herrscher nutzten den Glauben in späterer Folge aus politischen Gründen. Alles schwer zu deuten, da sich ja die serbischen Gebiete vom Südosten auf den Nordwesten verlagerten (Servia > Wikipedia).
    Wenn einer mehr Unterstützung von der einen als von der anderen Kirche bekommt, bevorzugt er die profitablere Lösung, dass muss aber nicht auf den ganzen Stamm zutreffen.
    August der Starke ist auch zum Katholizismus konvertiert damit er König von Polen wird, während die Sachsen evangelisch blieben.
    Ich zitiere mal:
    Bezüglich Stefan Nemanja und Sava:
    Da könnte man auch ein Motiv wie "Rache" hineininterpretieren.
    Er hetzte seinen Bruder nach Byzanz, da dieser ein treuer Vasall geblieben war.
    Als Usurpator wollte er Macht und Unabhängigkeit von Byzanz, dieses verwehrte ihm den Wunsch und demütigte ihn schwer, worauf er sauer wurde und sich immer mehr von Byzanz und dem Kaiser distanzierte und sogar Gesandschaften zu Friedrich Barbarossa schickte.
    Um die Komnenen zusätzlich zu ärgern, tritt er zum Katholizismus über, so dass sein Sohn Rastko als "Pseudokatholik" geboren wird.
    Am Ende kommt er zu sich und geht als orthodoxer Mönch nach Athos, gemeinsam mit seinem Sohn, der wieder zum ursprünglichen Glauben zurückkehrt, als Nachfolger abdankt und ein wichtiger Heiliger auch allgemein in der orthodoxen Welt wird.
    Jene Serben die großteils katholisch gewesen hätten sein können, wären wahrscheinlich die Leute von Zeta (Montenegro) gewesen, die ja gute Beziehungen zu den ebenfalls zwischen katholischer und orthodoxer Kirche zerrissenen Albanern hatten.
     

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