Sachsen-Anhalt - römische Lager, Funde, Interessantes

Guter Einwand. Noch kurz dazu, als zeitbestimmend gelten, nach meinem Kenntnisstand, Münzen die in der Verfüllung eines Lagergrabens gefunden werden. Jedenfalls haben wir jetzt bereits das zweite bestätigte Lager. Am interessantesten finde ich die geringe Entfernung zu Aken I, was unterschiedliche Datierungen zumindest vermuten lässt. Aber warten wir erstmal die Ergebnisse der Grabung im mutmasslichen Lager Aken II und vor allem dessen Lokalisierung ab.
 
Die Entfernung von Groß Rosenburg nach Aken beträgt auf dem alten Handelsweg 15 km, also einen Tagesmarsch. Der Graben in Groß Rosenburg hat keine Sediment-Schicht. Somit war mir klar das der Einsatz mittels Detektor dort sehr vielversprechend sein würde. Das hatte ich dem LDA auch als Hinweis so mitgeteilt. Meiner Meinung nach sind die Münzen beim Verfüllen des Grabens (oberste Schicht) verloren gegangen und über die Jahrhunderte durch die Erosion nach oben "gewandert". Warum ? Sie lagen direkt (!) auf dem Graben und nicht daneben.
 
Wenn die Fläche landwirtschaftlich genutzt wird, können sie, wie meine Klinge, auch hochgepflügt worden sein. Der Tagesmarsch kann auch etwas mehr betragen haben. Umwege in Hochwasserjahren sind denkbar. Es kann durchaus noch ein oder mehrere östliche Lager, z.B direkt unter dem Stadtgebiet oder im Auenwald Richtung Dessau, gegeben haben. Aken wäre die ideale Lage direkt am Elbestrom gewesen, besser als aken1.
 
Ich würde dennoch weitere Untersuchungen abwarten. Wäre ein Republikdenar gefunden worden, hielte ich es ebenso für verfrüht, von einem republikanisch-römischen Marschlager zu sprechen.
 
Die Entfernung von Groß Rosenburg nach Aken beträgt auf dem alten Handelsweg 15 km, also einen Tagesmarsch. Der Graben in Groß Rosenburg hat keine Sediment-Schicht. Somit war mir klar das der Einsatz mittels Detektor dort sehr vielversprechend sein würde. Das hatte ich dem LDA auch als Hinweis so mitgeteilt. Meiner Meinung nach sind die Münzen beim Verfüllen des Grabens (oberste Schicht) verloren gegangen und über die Jahrhunderte durch die Erosion nach oben "gewandert". Warum ? Sie lagen direkt (!) auf dem Graben und nicht daneben.
Und was ist von einem Zweitbesuch des alten aufgelassenen Lagers zu halten?
 
Und was ist von einem Zweitbesuch des alten aufgelassenen Lagers zu halten?
Da fehlt es mir an Fantasie. Ein Lager zum Beispiel aus spätaugusteischer Zeit wird in den Zeiten von Caracalla oder Maximinus Thrax sicherlich nicht mehr sichtbar gewesen sein. Und die Römer hatten keine Katasterunterlagen oder gar GPS-Daten um ein ehemaliges Lager wieder aufzufinden. Was natürlich sein kann, dass bestimmte örtliche Gegebenheiten spätere Generationen einluden, dort erneut zu lagern. Aber das würde man herausfinden, wenn man die Fläche großräumig untersucht und dazu die oberen Bodenschichten abnimmt. Denn dann würden sich Gräben der Lager aus unterschiedlichen Zeitstellungen vermutlich schneiden.

Erstmal sind zwei Münzen aus der Zeit von Antonius Pius schon ein wichtiges Detail. Aber bei Hachelbich hatte man einen abgegriffenen Denar von Domitian und einen Schweineschädel, der wissenschaftlich auf die Zeit um 400 datiert wurde ( ich schreibe nur aus dem Gedächtnis, ich habe derzeit keinen Zugriff auf die damaligen Pressemitteilungen. Der Schweineschädel könnte auch früher datiert worden sein, er war aber weit von Domitian weg). Am Ende hat man den Schweineschädel als nicht relevant erklärt. Dieser ist wohl durch Reisende zu späteren Zeiten bei einer Rast an den Ort gekommen. Der war auch in der oberen Grabenverfüllung, während der Denar in der Sohle gefunden wurde. Da blieb dann eine Datierung von Hachelbich als terminus post quem für die Ausgabezeit der Domitian-Münze. Aber da das Ding wohl lange im Umlauf war ...
 
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@flavius-sterius

ich war ja 2014 zur Ausgrabung in Hachelbich. Ein Denar des Domitian wäre mir neu. Es gibt bis heute keinen einzigen Münzfund von dort. Die Fläche wird jährlich durch ehrenamtliche Sondengänger aufgesucht. Bisher leider ohne Erfolg.
 
@flavius-sterius

ich war ja 2014 zur Ausgrabung in Hachelbich. Ein Denar des Domitian wäre mir neu. Es gibt bis heute keinen einzigen Münzfund von dort. Die Fläche wird jährlich durch ehrenamtliche Sondengänger aufgesucht. Bisher leider ohne Erfolg.
Das ARCHÄOLOGIE IN DEUTSCHLAND hat damals nach der Entdeckung des Lagers darüber berichtet. Ich habe leider die einzelnen Ausgaben der Reihe auf mehrere Räumlichkeiten und unsortiert verteilt.
Mea culpa :rolleyes:
 
Ich hatte wegen der Form, der Größe sowie die Maße des Titulum des Lagers bei Groß Rosenburg nach Auswertung der Luftbilder auf das 2. Jh. zuerst getippt. Es ähnelt sehr dem Lager in Charvatska Nova Ves. Es gibt kein einziges augusteisches Lager mit Titulum. Das Kleinlager in Oberbrechen mit Titulum wurde nach der Geophysik damals "hinein interpretiert". Die Auswertung ergab ein offenes Tor ohne vorverlegten Graben. Leider wurde in der gängigen Literatur Oberbrechen immer wieder mit Titulum dargestellt bzw. übernommen. Sehr zum Leidwesen meinerseits, da ich die Hoffnung für Aken auf die augusteische Periode hatte. Aber egal, ich freue mich auch so das erste Lager in Sachsen-Anhalt gefunden zu haben. Mein persönlicher Traum ist in Erfüllung gegangen.
 
Oops.

Wikipedia schrieb:
Die Anlage verfügte als äußere Absicherung über einen langen Spitzgraben mit einer Eingangskonstruktion (Titulum). Der Graben konnte bisher in zwei, im rechten Winkel verlaufenden Richtungen auf rund 400 Meter Länge verfolgt werden. An der Fundsituation ließ sich erkennen, dass der Graben mit dem Aushub teilweise wieder verfüllt worden ist. Anhand der Vorgehensweise bei anderen untersuchten Marschlagern lässt das den Schluss zu, dass die römischen Truppen nach der (erstmaligen?) Aufgabe des Lagers die Verfüllung vorgenommen haben. Mittels der Radiokarbonmethode datierte Holzreste aus der unteren Verfüllungsschicht wurden dabei auf den Zeitraum von 50 v. Chr. bis 125 n. Chr. datiert, ein Kalbsschädel aus der oberen Verfüllung auf das 5. Jahrhundert.

Streiche Schwein, setze Kalb.
Jedoch schreibt der Wiki-Artikel zu Hachelbich nichts über einen Denar. Das irritiert mich. Ich würde hier Stein und Bein darauf schwören, dass man damals den Kalbsschädel dem Denar gegenüber gestellt hat.

Römisches Marschlager bei Hachelbich – Wikipedia
 
Da fehlt es mir an Fantasie. Ein Lager zum Beispiel aus spätaugusteischer Zeit wird in den Zeiten von Caracalla oder Maximinus Thrax sicherlich nicht mehr sichtbar gewesen sein. Und die Römer hatten keine Katasterunterlagen oder gar GPS-Daten um ein ehemaliges Lager wieder aufzufinden. Was natürlich sein kann, dass bestimmte örtliche Gegebenheiten spätere Generationen einluden, dort erneut zu lagern. Aber das würde man herausfinden, wenn man die Fläche großräumig untersucht und dazu die oberen Bodenschichten abnimmt. Denn dann würden sich Gräben der Lager aus unterschiedlichen Zeitstellungen vermutlich schneiden.
Genau so ist es. Im Überflutungsgebiet der Elbe/Saale waren schon leichte Höhenunterschiede ausschlaggebend. Die günstige Lage von Rosenburg war zumindest eine spätere Inspektion wert, auch wenn man sie nicht wieder nutzte.
 
Ich hatte wegen der Form, der Größe sowie die Maße des Titulum des Lagers bei Groß Rosenburg nach Auswertung der Luftbilder auf das 2. Jh. zuerst getippt. Es ähnelt sehr dem Lager in Charvatska Nova Ves. Es gibt kein einziges augusteisches Lager mit Titulum. Das Kleinlager in Oberbrechen mit Titulum wurde nach der Geophysik damals "hinein interpretiert". Die Auswertung ergab ein offenes Tor ohne vorverlegten Graben. Leider wurde in der gängigen Literatur Oberbrechen immer wieder mit Titulum dargestellt bzw. übernommen. Sehr zum Leidwesen meinerseits, da ich die Hoffnung für Aken auf die augusteische Periode hatte. Aber egal, ich freue mich auch so das erste Lager in Sachsen-Anhalt gefunden zu haben. Mein persönlicher Traum ist in Erfüllung gegangen.
Das augustaische Lager könnte direkt unter Aken (Münzfund) gelegen haben.
 
Zur Zeit der Markomannenkriege würde passen, dass bei Kleinzerbst der "erste markomannische Fund auf deutschem Boden" gemacht wurde. Eine Anfrage im Köthener Museum war aber erfolglos.
 
Die Siedlung existierte parallel zu Aken1."Der Höhepunkt der vorgeschichtlichen Besiedlung lag in der Zeit der Römerkriege im 1. u.2.Jhd, vor allem als sich die Hermunduren hier niederließen. Prof.Götze, Köthen, grub in der Schwabenheide und in den Sandbergen hermundurische Siedlungen und Urnenfriedhöfe aus. Hierbei wurde auch der erste markomannische Fund auf eutschem Boden gemacht. Die kostbare und wichtigste Ausbeute, die sich im Museum in Köthen befindet, waren u.a. Kurz- und Langschwerter, Lanzenspitzen, ein Sporn, Schildbeschläge, 3 goldene Schmuckstücke, silberne Fibelnadeln, ein Bronzeeimer, ein Weinsieb, schön geziert mit Mäanderband und Wirbelornamenten, ferner verschiedene Urnen" "Heimatkundliche Wanderfahrten, Heft7. 1954. Von Dr.Pflug, vor seiner Römermanie.
Die Objekte sind in Köthen verhanden. Der markomannische Fund ist nicht ausgewiesen. Pflug gibt nur ein allgemeines Literaturverzeichnis, was zu durchsuchen wäre.
 
Wie kann man markomannische
Kurz- und Langschwerter, Lanzenspitzen, ein Sporn, Schildbeschläge, 3 goldene Schmuckstücke, silberne Fibelnadeln, ein Bronzeeimer, ein Weinsieb, schön geziert mit Mäanderband und Wirbelornamenten, ferner verschiedene Urnen
von hermundurischen, semnonischen, warnischen oder langobardischen
Kurz- und Langschwerter, Lanzenspitzen, ein Sporn, Schildbeschläge, 3 goldene Schmuckstücke, silberne Fibelnadeln, ein Bronzeeimer, ein Weinsieb, schön geziert mit Mäanderband und Wirbelornamenten, ferner verschiedene Urnen
unterscheiden?
 
Wie kann man markomannische

von hermundurischen, semnonischen, warnischen oder langobardischen

unterscheiden?

Auf eine sachliche Antwort wirst Du wohl vergebens warten. Wenn das in Herr Pflug anno 1954 so geschrieben hat, dann ist das halt so.

Für den getreuen Pflug-Jünger bleibt Pflug der Messias, egal wieviel Blödsinn er verzapft hat.

"Ostdeutschland, Römer und Pflug sind untrennbar."
 
Bitte richtig lesen: an keiner Stelle steht, was denn der markomannische Fund eigentlich war, Pflug hat für die Heimatgeschichte viel recherchiert, und nur wiedergegeben. Das ist sein ungeschmälter Verdienst zur Lokalgeschichte. Literaturangaben zu Kleinzerbst mit zig Seitenangaben:

Vorgeschichtliche Besiedlung des Fläming
Anh.Gesch. Bd.10/11
Weyhe, Landeskunde II
Beckmann, Historie III
Lindner, Land Anhalt
Siebigk, Anhalt
Code Dipl Anh. Bd. V
Hertel,Wäschke,,Specht,Hey-Schulze
Haetge-Harksen Landkreis Dessau-Köthen I, Seite 102
Irgendwo muss er die Markomannen gefunden haben. Haetge-Harksen habe ich nicht, Vielleicht kann jemand mal nachschauen.
 
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