Datierungsprobleme der Tabula Peutingeriana

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Erich, 23. Juli 2020.

  1. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Dass Abodiaco mit Epfach zu identifizieren ist, ist doch zumindest unstrittig.

    Nicht zwingend - ich habe bei allen drei Stationen kleinere oder größere Zweifel. Daher habe ich meine Pfeile nur auf die zweifelsfrei identifizierbaren Stationen gesetzt.

    Tarteno wäre natürlich sehr leicht als Lesefehler für Parteno zu erklären, Scarbia erinnert sehr an Scarantia (letzteres war allerdings keine Station oder Siedlung, sondern ein Waldgebiet), Vetonina würde ich sicher nicht mit Teriolis gleichsetzen, hier läge eine korrumpierte(?)* Form von Veldidena näher.

    Veldidena war sicher in der Kaiserzeit die im Vergleich zu Teriolis wichtigere Station. Im Itinerarium Antonini ist Teriolis ebensowenig zu finden wie in der TP.



    * Manchmal sind bei einer schwierig zu lesenden Vorlage mehrere Buchstaben hintereinander betroffen, so wird z. B. aus Samulocenis schon mal
     
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  2. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    Ich gehe mit Bernd Steidl, Einige Aspekte zur Verkehrsinfrastruktur und zu den Vici in Raetien. In: Römische Vici und Verkehrsinfrastruktur in Raetien und Noricum. Colloquium Bedaium Seebruck, 26.-28. März 2015. Schriftenreihe des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, S. 78, von Folgendem aus,
    - wenn man dann noch Zwischenstationen für eine Mittagspause (Verpflegung) rechnet, dann wird das sogar noch dichter. In ebenen Gebieten könnte es etwas mehr sein, Bei Berganstiegen müsste die Tagesetappe wohl sogar kürzer angesetzt werden.
    Von Partenkirchen aus gemessen wären etwa 12 km bei Klais erreicht, nach weiteren 12 km befänden wir uns kurz hinter der österreichischen Grenze bei Scharnitz, dann bei Seefeld und letztendlich (wegen des steilen Anstiegs über eine kurze Strecke) bei Zirl und nach weiteren 12 km in Innsbruck/Wilten.
    Also dürfte auch im Waldgebiet von Scarantia eine Straßenstation gewesen sein, die dann möglicherweise auch den Namen des Waldgebietes geführt hat.
    BayernAtlas
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Juli 2020
  3. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

    Nein, die Langobarden sind schon immer ein eigenständige Genese gewesen (Wahlitzer Gruppe) und haben nichts mit den Markomannen zu tun. Die Thüringer sind erst aus derNiemberger Gruppe (um 300 n. Chr. - neuere Forschung) entstanden - Stichpunkt Niemberger Fibeln!

    Grüße
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da hast du Erich falsch gelesen. Die Gemeinsamkeit von Markomannen und Langobarden ist, dass sie beide zu den Elbgermanen gezählt werden. Er hat nicht geschrieben, dass die anderen elbgermanischen Völker aus den Markomannen hervorgegangen seien.

    Der Beitrag von Erich war ja als Polemik gegen die Datierungsproblematik der TP gemeint, deren möglichen Entstehungszeitraum er polemisch auf 400 Jahre eingrenzbar sah - tatsächlich wollte er zu dem Zeitpunkt noch die Entstehung der TP auf die julisch-claudische Kaiserzeit eingegrenzt sehen.

    Ob er das immer noch so sieht oder inzwischen davon abgerückt ist, ist mir allerdings nicht klar, da er sich bisher noch nicht wikrlich zum Problemfall Via Domitia oder zum Problemfall Alexandria oder zum Problemfall Colonia Traiana/Veteribus geäußert hat.
     
  5. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    Das heißt doch vor allem, dass die eine Straße in der TP verzeichnet ist und die andere - die wir heute als "VIA CLAUDIA" am Lech entlang über Füssen und Leermoos verorten - nicht.
    Wenn beide Straßen tatsächlich gleichzeitig erbaut wurden, die bezeichnete Route der heute so bezeichneten Via Raetia woa. spätestens ab ~190 besser ausgebaut war, die Via Claudia dann um 400 allenfalls noch untergeordnet weiter genutzt wurde - dann ergibt sich für die Entstehungszeit der TP auch eine Eingrenzung.
    Die TP wäre also möglicherweise erst nach 400 erstellt worden - zu einem Zeitpunkt also, zu dem die Via Claudia keine Bedeutung mehr hatte.

    Nun möchte ich diesen Vergleich weiter führen:
    Bernd Steidl "Einige Aspekte zur Verkehrsinfrastruktur und zu den Vici in Raetien. In: Römische Vici und Verkehrsinfrastruktur in Raetien und Noricum. Colloquium Bedaium Seebruck, 26.-28. März 2015. Schriftenreihe des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege 15 (München 2016) 68-83" bringt auf Seite 70 eine
    Gegenüberstellung der Fälldaten von Bauhölzern und der Bauphasen der via Claudia Augusta bei Lermoos (Tirol) und von der Amperbrücke der Staatsstraße Augusta Vindelicum–Iuvavum bei Schöngeising.
    Bis anno 137 sind die anhand der Fälldaten festgestellten Bauphasen identisch. Danach fehlen die Angaben von Schöngeising.
    Streidl (woa) schreibt dazu:
    (Anm.: die Dendrodaten habe ich hier schon voran gestellt).
    Für das Jahr 40 +/-10 passt auch die Errichtung des Bohlenweges von Eschenlohe in das Raster.
    Danach fehlt dort die weitere Instandsetzung - wohl, weil der Weg entweder von Oberau aus über Ammergau oder aber von Eschenlohe auf der Ostseite des Moores entlang bis zum Vicus von Moosbichl (Weichs) und weiter in Richtung Weilheim geführt wurde.

    Dann aber ist doch erst recht zu fragen, warum die über Schöngeising führende kürzere Verbindung zwischen Augsburg und Salzburg sowie die Abkürzung den Lech entlang nach Augsburg in der TP fehlt und eine völlig andere Strecke über Kempten beschrieben ist.

    Das ergibt so alles keinen Sinn.

    Es gäbe aber einen Sinn, wenn man - wie Freutsmiedl - unterstellt, dass die TP unmittelbar nach der römischen Eroberung des nördlichen Alpenvorlandes erstellt wurde. Für die Beherrschung und Verwaltung des Gebietes musste erst einmal eine Vermessung stattfinden. Die ist dann in der TP dokumentiert und spätere Kopisten haben nur etwas dazu gefügt (soweit Platz vorhanden war) oder weggelassen oder falsch abgeschrieben (was vor allem römische Ziffern betreffen konnte).
    Und für mich ist klar, dass die Eroberer zunächst und vor allem die vorhandenen Altwege weiter nutzten. Damit aber wird die in der TP genannte Beschreibung eines vorrömischen Altweges zwischen den keltischen Metropolen Kempten und Salzburg wahrscheinlicher.

    Die Erklärung wäre möglich, insbesondere, wenn man zwei verschiedene Vermessungstrupps unterstellt, die zu unterschiedlichen Zeiten in ABODIACO / AVODIACO angekommen sind und dem Zeichner damit nicht klar war, dass es sich zum den gleichen Ort handelt.

     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Juli 2020
  6. Erich

    Erich Aktives Mitglied


    zu (1)
    Warum sollte Nimes nicht mit Arles verbunden gewesen sein? Arles war offensichtlich ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Und da ist es doch durchaus denkbar, dass von Arles sowohl eine Straße nach Nimes wie auch eine nach Apt weiter führte.
    "Apta Julia … war eine Station an der Via Domitia, der alten Römerstraße von Mailand nach Arles." (Wikipedia)

    Es gibt eine einfache Erklärung:
    1. Die Via Aurelia ging von Rom bis Pisa bzw. Luni in Italien. Wieso Du die Straße nach Gallien verlegst ist mir nicht klar.
    2. "Roms wichtige Straße in Gallien" ist nicht als Via Domitia aufgeführt. Die TP erhält Streckenbeschreibungen - von Straßenstation zu Straßenstation (jeweils mit einem Zacken gekennzeichnet). Und die führt halt von Nimes über Arles nach Apt (in Frankreich).
    Sie existiert doch? Du hast den Verlauf selbst beschrieben … über Nimes und Arles nach Apta Julia …

    zu (2)
    Die beiden Küstenstraßen, die sich von Westen wie von Osten her nähern, enden wohl an der Stadtgrenze. Der bis zu einem Seebeben südlich von Kreta am 21. Juli 365 n. Chr. stehende Leuchtturm markiert nur einen Punkt in der großen Stadt.
    Alexandria war zudem sicher durch so viele Straßen erschlossen, dass deren Aufführung in der TP den Rahmen der TP gesprengt hätte. Dazu kam das seit pharaoninschen Zeiten hervorragend ausgebildete Vermessungswesen der Ägypter, die ja nach den jährlichen Nilfluten die Landflächen neu vermessen mussten.
    Für das Stadtgebiet von Alexandria dürften also eigene, bestens vermessene Unterlagen vorgelegen haben.

    zu (3)

    ich kann beim besten Willen keine 40 Meilen erkennen. Die Ziffernfolge XI gibt doch die Zahl "11" wieder. Ich komme zwar zwischen Xanten und Birten auch nur auf knapp 6 km (Birten liegt südlich von beiden Vetera, die Entfernung wäre also noch niedriger) - das ist aber auch für die Angabe XI zu gering.
    Vetera – Wikipedia
    Colonia Traiana und Veteribus sind durch das heutige Stadtgebiet von Xanten getrennt.
    Beide lagen aber so nahe, unmittelbar benachbart, dass man sie auch als eine Ortschaft bezeichnen könnte. Das würde dann auch einen Doppelnamen in der TP ergeben (ursprünglich Veteribus, später durch Colonia Traiana ergänzt), der von späteren Kopisten nicht verstanden wurde was zu einem größeren Abstand zwischen den Ortsbezeichnungen geführt hat.

    Die Bezeichnung XI (oder XL, wie Du sie liest) würde also zu einer Straßenstation unbekannten Namens südlich von Veteribus führen.

     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist gar nicht bestritten. Was ich sage, ist, dass die HAUPTTRASSE in der TP nicht eingezeichnet ist, dagegen aber die Nebenstrecke. Blau ist die Via Domita im Streckenabschnit Nîmes - Apt, rot ist die in der TP dargestellte Strecke. Ich gebe wohl gerne zu, dass ich die Entfernungen ein wenig überschätzt habe, für einen Fugänger stellt das einen Umweg von (gerechnet ab Saint Gabriel) etwa viereinhalb Stunden dar. Nichtsdestotrotz war der Flußübergang Beaucaire (Ugernum, TP: Ugerno) der an der Via Domitia, wohingegen die TP den Flußübergang bei Arles zeigt, Ugerno dagegen als zwischen Nîmes und dem Flussübergang bei Arles gelegen (nein, das heißt nicht, dass Arles nicht auch über einen Flussübergang verfügt hätte).

    via Domitia und Arles.jpg

    Es ist also absolut nachvollziehbar, dass der Zeichner der Karte die Nebenstrecke über Arles so wichtig fand, dass er sie in die Karte eingebaut hat, wohingegen er die Hauptstrecke vernachlässigte. Von Glanum (TP: Glano nach Tarascon/Beaucaire (Ugerno) sind es nur wenige Meilen.

    Aber wir erinnern uns: Freutsmiedel versucht die Karte anhand des Fehlens von Straßenverbindungen zu datieren. Auch hier fehlt ein Teilstück Via Domitia und dieses Teilstück war so alt, dass Freitsmiedels Frühdatierung hier nicht zieht. Freutsmiedel ist damit falsifiziert.

    Via Aurelia – Wikipedia

    Richtig. Der Punkt ist aber eben der, dass die Streckenbeschreibung nicht der Haupttrasse folgt, sondern einen - wenn auch geringer als von mir zunächst geschätzten - Umweg macht und die Haupttrasse für einige Kilometer links - bzw. aus Rom kommend rechts - liegen lässt. Ich will nicht beweisen, dass es in der TP eingezeichnete Straßen nicht gab, sondern dich darauf aufmerksam machen, dass Freutsmiedels Argument (Straße XY fehlt, also muss die TP älter sein als die Straße) nicht zieht.

    Wie gesagt, ich habe den Hiatus etwas überschätzt.

    Mich interessiert das Seebeben (hier und jetzt in dieser Diskussion) nicht. Mich interessiert, dass eine wichtige Stadt wie Alexandria überhaupt keine Straßemanbindung hat, wenn man der TP folgt. Auch andere Städte waren durch viele Straßen erschlossen, so etwa Rom, wo das sogar sprichwörtlich ist: Alle Wege führen nach Rom (und in GB ans Meer).
    Und das illustriert auch die Tabula wunderschön:
    Rom und seine zwölf Trassen.jpg

    Und Roms Hafen Ostia ist sogar zwei Mal eingezeichnet, einmal als Alt-Hafen mit Doppelhaus (1), einmal als Claudius-Hafen mit Kais und Leuchtturm (2); bei Alexandria dagegen sehen wir keine einzige Straße:

    Ägypten.jpg

    Das kannste doch nicht so vom Tisch wischen. Und ich sehe da viel freien Platz um Alexandria, mehr als Memphis, das auch als Knotenpunkt in der TP eingezeichnet (dort, wo das Delta sich auzufächern beginnt), aber keine Straßen.

    Und deshalb musste Alexandria auf der TP nicht ans Straßennetz angebunden sein?

    Es ist die Ziffernfolge xl, nicht xi

    Vergleich doch mal die Meilenangabe zwischen Colonia Traiana und Veteribus mit den -i- aus Veteribus, Agripina oder Iuliacao.

    ein x fürn u oder ein l fürn i vormachen.jpg

    Und dann schau dir noch mal Iuliaco an, da hast du nämlich -l- und -i- direkt hintereinander. Und dann schau dir noch mal die Meilennagabe von Burginano rheinabwärts (links) an: Das i der karolingischen Schrift hat dieselelbe Länge wie alle Buchstaben, das l hat Überlänge. Ein Fehler? sicher, aber eben nicht nur das L
    Um das noch mal festzuhalten: Dein Gewährsmannn Freutsmiedel, an dem du offenbar nach wie vor festhältst, datiert die TP in die augusteisch-claudische Zeit. Für diese Zeit wäre Veteribus ein Anachronismus, da die julisch-claudische Zeit 68 mit dem Tod Neros im Vierkaiserjahr endet und es nach dem Vierkaiserjahr mit der flavischen Zeit weitergeht. In der flavischen Zeit entsteht Vetera II. Beide Lager existierten nie zeitgleich. Unter den Adoptivkaisern wurde Vetera II aufgegeben und durch eine Kolonie ersetzt, die Colonia Ulpia Traiana. Die Tabula zeigt hier also einen Zustand, der NIE existiert hat, selbst wenn wir annähmen, dass es eine minimale Überschneidungsphase von Vetera II und der CUT vor Fertigstellung der Befestigungsanlagen gegeben hätte.
     
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  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich musste wegen Überlänge leider zweiteilen:

    Nee, die Meilenangabe ist ja klar auf die CUT und Veteribus bezogen. Sie illustriert einfach, dass man die TP kritisch lesen muss und damit rechnen muss, dass sich darin grobe Fehler befinden. Ob die Fehler nun im Original vorlagen oder im Abschreibprozess entstanden sind, ist dabei fast noch egal.
    Nehmen wir an, da hat 350 in Ravenna ein Geograph gesessen, der nie über den Appenin hinausgekommen ist: Der hat aus welchen Quellen auch immer Meilenangaben. Vielleicht im Form eines Itinerars.

    Etwa hier, einen der Becher von Vicarello, der Orte und Entfernungen aus Südspanien zeigt:
    [​IMG]

    Der verrutscht einmal beim Abschreiben und schon hat er VI oder XI statt II Meilen da stehen. Jahrhunderte später, der Papyrus ist löchrig geworden und ein Mönch bei funzeligem Licht in einer Schreibstube bekommt die Aufgabe (oder stellt sie sich selbst), diese interessante alte Karte aus dem Klosterarchiv auf Pergament zu bannen. Das macht der auch. Aber hin und wieder lässt sich par tout nicht erkennen, was da steht. Und dann liest er halt aus XI (was ursprünglich mal II war) XL. Weil der kennt weder Colonia Traiana noch Veteribus. Das sind für ihn böhmische Dörfer und deshalb macht es ihm gar nichts, dass zwischen beiden 40 Meilen liegen, obwohl er vielleicht Ze Santen (Xanten) eigentlich ganz gut kennt.
     
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  9. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Es gibt Straßen mit einer Häufung von Stationen im 12-km-Bereich; dazu hatte ich schon öfter mal eine Untersuchung zu Straßenstationen in Pannonien verlinkt:
    The Street-Station of Nemescsó on the Amber Route

    Scarbantia/Sopron
    24,4 km
    Strebersdorf und Frankenau
    12,6 km
    Nemescsó
    12,6 km
    Savaria/Szombathely
    12,6 km
    Sorokpolány
    16,2 km
    Ad Arrabonem/Katafa
    16,4 km
    Salla/Zalalövő

    Oft finden sich noch kürzere Abstände, z. B. am Oberrhein: Die Stationen Hohberg-Niederschopfheim, Friesenheim, Lahr-Dinglingen (vicus) und Kippenheim folgen einander im Abstand von jeweils ca. 5 km.

    http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/nbdpfbw/article/view/14583/8456
    Der römische vicus von Lahr-Dinglingen. Vorbericht zu einem geplanten Auswertungsprojekt
     
  10. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Das Vorhandensein von CUT und Veteribus war mit hoher Wahrscheinlichkeit "original"; die Meilen- (oder wohl eher Leugen-)Angabe ist aber offensichtlich grob falsch. Das Itinerarium Antonini hat folgende Angaben:


    Colonia Traiana (Xanten-Stadt)
    I
    Veteribus (Xanten-Lager)
    XVIII
    Calone (unbekannt)
    XVIII
    Novesiae (Neuss)
    XVI
    Colonia Agrippina (Köln)
    XI
    Bonna (Bonn)
    XVII
    Antunnaco (Andernach)
    VIIII
    Confluentibus (Koblenz)

    Zum Vergleich TP:

    Colonia Traiana (Xanten-Stadt)
    XL
    Veteribus (Xanten-Lager)
    XIII
    Asciburgi (Moers-Asberg)
    XIIII
    Novesio (Neuss)
    XVI
    Agripina (Köln)
    XI
    Bonnae (Bonn)
    VIII
    Rigomagus (Remagen)
    VIIII
    Antunnaco (Andernach)
    VII[II]
    Confluentes (Koblenz)

    Die Streckenangaben Neuss-Köln (16), Köln-Bonn (11), Bonn-Andernach (17), Andernach-Koblenz (9) sind identisch. Es kann sich nicht um Meilen-Angaben handeln. Wenn Leugen gemeint sind, dann stimmen die Entfernungen Neuss-Köln und Köln-Bonn ziemlich genau. Bonn-Andernach wäre zu kurz, dafür Andernach-Koblenz etwas zu lang.
     
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  11. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

  12. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Ja, beide Straßen wurden gleichzeitig gebaut, die eine ist auf der Karte verzeichnet, die andere nicht.
    So ist das mit tausend anderen Straßen.

    ... warum die tausend anderen Straßen alle nicht verzeichnet sind?
    Du hast doch einige Male auf die Bedeutung der Verbindung Kempten-Bregenz hingewiesen:
    Warum ist diese Verbindung auf der TP nicht verzeichnet? Um von Bregenz nach Kempten zu kommen, muss man den Umweg über Augsburg nehmen!


    upload_2020-7-27_22-22-26.png

    Bescheuerter kann man eine Städteverbindung Bregenz/Kempten/Augsburg nicht konstruieren.

    Dabei käme man mit einem minimalen Umweg von Bregenz über Kempten nach Augsburg:

    upload_2020-7-27_22-32-49.png



     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Richtig. Jemand der Veteribus und Colonia Traiana nebeneinanderschrieb, musste zumindest einen groben Überblick über die Existenz der beiden Militärlager und der Kolonie haben. Hier ist die Ungleichzeitigkeit das Problem. Die Meilenangabe ist der Fehler, die ich auf das Kopieren zurückführe, ob nun von einem Itinerar oder erst beim Umtragen der Karte.
     
  14. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    die Direktverbindung Bregenz - Kempten - Augsburg ist als "Allgäustraße" bekannt und archäologisch gut gesichert (Wikipedia)
     
  15. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    akzeptiert - die TP ist mehrfach kopiert und überarbeitet worden, was ich auch nicht bestritten habe

     
  16. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Die Frage ist, warum diese wohlbekannte Straße nicht auf der TP verzeichnet ist.

    Wie lautet die Erklärung?

    Dann hätte es zur Zeit der TP noch keine benutzbare Verbindung Bregenz-Kempten gegeben?

    Bzw. man hätte noch nicht einmal die Strecke vermessen?

     
  17. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    ich gebe mich ja schon geschlagen!

    Fakt ist jedenfalls dass viele Straßen in der TP nicht verzeichnet sind.
    Und
    - zurück zur Archäologie - dass wir immer wieder neue Verbindungen archäologisch aufklären können, z.B. die Inntalstraße
    Die römische Inntalstraße zwischen Marktl und Neuhaus a. Inn - Archäologische Fernerkundung im Landkreis Altötting, Rottal-Inn und Passau. IN: Ber. Bayer. Bodendenkmalpfl. 58, 2017, 103-152.

    Dementsprechend dürfte das Netz der römischen Straßen dichter gewesen sein, als heute aus schriftlichen Quellen einerseits und archäologischen Quellen andererseits gesichert wäre.
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nein, das hast du nicht. Das war aber auch nicht der Kritikpunkt.
     
  19. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Dann hat es wohl auch zwei Vermessungstrupps gegeben, die die Strecke Rheintal-Splügenpass-Como vermessen haben.

    Die Strecke ist nämlich auch doppelt (das doppelte Chur habe ich markiert):

    Einmal geht sie von Brigantio (Bregenz) über zahlreiche Zwischenstationen - darunter Magia (Maienfeld), Chur (Curia, hier verschrieben "Luria") usw. - Clauenna (Chiavenna) bis Como - 148 Meilen, das ist schon sehr sportlich.
    Und dann geht sie von Arbon (Arbor felix) über Chur (Curia) ohne weitere Zwischenstationen direkt bis zum Comer See. Mit nur 103 Meilen, das ist praktisch Luftlinie.


    upload_2020-7-27_23-31-58.png

    Ich glaube nicht, dass der Zeichner der ursprünglichen Karte direkten Kontakt zu Vermessungstrupps gehabt hat. Er wird sich an die Itinerare gehalten haben, von denen ja einige wenige erhalten sind. Und da das keine Druckwerke waren, sondern immer einer vom andern abgeschrieben hat, wird es auch dort schon hier und da falsche Zahlen oder seltsame Ortsnamenschreibungen gegeben haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Juli 2020
    Carolus gefällt das.
  20. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Auf allen vier Bechern findet sich auch die Strecke Nîmes-Apt, mal mit dem Umweg über Arles, mal ohne.

    3. Becher: bibliotheca Augustana

    Nemauso = Nemausus (Nîmes)
    XV mp (wahrscheinlich eher XVI, s. u.)
    Ugerno = Ugernum (Beaucaire)
    VIIII mp (scheint mir auch etwas zu knapp)
    Arelata (Arles)
    VII mp​
    Ernagino = Ernaginum (Saint-Gabriel)
    VIII mp​
    Clanum = Glanum (Ruinen bei St. Rémy)
    XII mp​
    Cabellione = Cabellio (Cavaillon)
    XII mp​
    Ad Fines (Goult)
    X mp ​
    Apta Iulia (Apt)

    4. Becher: bibliotheca Augustana

    Nemauso = Nemausus (Nîmes)
    XVI mp​
    Ugerno = Ugernum (Beaucaire)
    oo​
    Traiectum Rhodani (Rhône-Übergang bei Beaucaire/Tarascon)
    XI mp​
    Glano = Glanum (Ruinen bei St. Rémy)
    XII mp​
    Cabellione = Cabellio (Cavaillon)
    XXII mp​
    Apta Iulia (Apt)
     

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