Elsaß-Lothringen

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von JANKA, 29. September 2009.

  1. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Ich stoße mich noch an dem Binnenstaat. Luxemburg ist auch ein reiner Binnenstaat und mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation dieses Landes würden wohl sehr viele Staaten Europas gerne tauschen.
    Die CSR war ein Binnenstaat und wirtschaftlich so erfolgreich, dass Österreich in der Zwischenkriegszeit von deren Krediten mehr oder weniger abhängig war.
    Ich könnte jetzt auch noch die Schweiz ins Felde führen ...

    Ob nun Elsass-Lothringen als unabhängiger Staat wirtschaftlich lebensfähig gewesen wäre oder nicht, würde eine detaillierte Untersuchung erforderlich machen. Aber die Binnenlage in Europa erscheint mir jetzt nicht als K.O.-Kriterium für die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit.
     
  2. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Au, Danke für die heimatkundliche Nachhilfe.:D

    Aber Du irrst, in Hechingen gibt es seit 1848 keine Hohenzollern mehr, der letzte des Zweigs hat sich da nach Schlesien zurückgezogen. Was hier bei uns existiert, ist alles Hzl-Sig. . Hin und wieder taucht im Weichbild des Zoller auch ein Spross aus anderen Quellen auf, versucht aus seinem Namen Kohle zu schlagen, um bald wieder zu verschwinden.


    In den 80ern und 90ern hat man, wenn man Brainstorming und ähnliche Kreativitätstechniken einsetzte, von vorne herein ausgeschlossen, dass eine dieser Brainstorming-Ideen nach draußen gelangte. Hätte die Kreativität eingeschränkt.
    Was im genannten Fall auch besser gewesen wäre.......
    Mehr ist dazu kaum zu sagen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Mai 2010
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Mir auch nicht.

    Allerdings ist zu beachten, dass diese ganzen Projektdiskussionen (es gab sie auch im Ausland bzw. in der Öffentlichkeit) um den neutralen Pufferstaat wohl die Zielrichtung hatten, die Annexion zu verhindern.

    Öffentliche Äußerungen gegen die Annexion konnten auch Ärger resp. ein paar Tage Festungshaft einbringen, wie Johann Jacoby ? Wikipedia zeigt.
     
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied


    1866 haben 500.000 Hannoveraner (von insgesamt 800.000) eine Petition an die Großmächte unterschrieben, indem das Unrecht der preußischen Annexion gebrandmarkt wurde.
    Wen hat es interessiert?
     
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  5. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Das hatte mit Elsass-Lothringen nichts zu tun.
    Die Preussen haben bei Kriegsbeginn "unruhige Geister" vorsichtshalber eingesperrt.
    Der Alt48er Jacoby hat sich sehr ablehnend zu den Annexionen 1866 geäußert. Das hat ihn natürlich zusätzlich mißliebig gemacht. Aber von Elsass-Lothringen konnte bei Kriegsbeginn ja noch keine Rede sein. Spielte also bei seiner Inhaftierung keine Rolle.

    OT:
    Die Schutzhaft hat in Preussen/Deutschland eine längere Tradition, war keine Erfindung des Jahres 1933. Auch 1914 waren Listen vorbereitet, der "Burgfrieden" schloss die Anwendung aus.
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Aber sicher hatte das unmittelbar damit zu tun, steht halt nur nicht explizit im wiki-link.

    Jacoby gehörte den Kreisen an, die öffentlich gegen die Annexion Stellung nahmen, und trat als Sprecher auf. Die Verhaftung erfolgte nach dem Auftritt und seiner Rede in Königsberg am 14.9.1870 auf einer Versammlung der "Volkspartei": "gegen jede Vergewaltigung der Bewohner von Elsaß und Lothringen", "Verletzung des Selbstbestimmungsrechts der Völker- und daher ebenso verwerflich wie verderblich.

    Daraufhin ließ der Generalgouverneur Falckenstein Jacoby und den Einberufer der Versammlung, Kaufmann Herbig, verhaften und auf die Festung Lötzen bringen (20.9.). Das führte zu ausgedehntem Schriftwechsel, u.a. mit der Stadt Königsberg, schließlich zur Befassung Bismarcks. Der englische Außenminister witterte wohl das Entstehen einer "antiannexionistischen Bewegung" und schaltete seinen Botschafter Loftus ein (24.9.1870), Material über die "Bewegung", "Dr. Jacoby" und die "Veranstaltung in Königsberg" zu sammeln.

    Kolb, siehe oben.



    Zu den diversen Stimmen pro und kontra Annexion übrigens:
    Bronner, 1870/71 Elsaß-Lothringen. Zeitgenössische Stimmen für und wider die Eingliederung in das Deutsche Reich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Mai 2010
  7. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Stimmt tatsächlich.
    Jacoby hat dabei auch noch gleich ein "Hoch auf die Republik" ausgebracht.
    Dachte jetzt, dass er wie zB die ehem. hannoverschen Minister "vorsorglich" interniert wurde.

    OT: Im Hannoverschen gab es etliches an Widerstandshandlungen während des 70er Krieges, Eisenbahnanschläge usw.
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wer die Rede nachlesen möchte:
    Jacoby, Gesammelte Schriften und Reden Band 2, S. 377-379.

    Die Rede schließt mit "Nur wer die Freiheit anderer achtet, ist selber der Freiheit wert. Ich empfehle Ihnen die Annahme der Resolution."
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Der Vorstand des Socialdemokratischen Vereins in Braunschweig wurde wegen dem selben Delikt gleichzeitig verhaftet.
    Dagegen blieben Bebel und Liebknecht in Leipzig, die sich im selben Sinne äußerten, unbehelligt. Was Bismarck zu einer Beschwerde in Dresden veranlasste.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Mai 2010
  10. Dumbaz

    Dumbaz Neues Mitglied

    Wie groß wäre denn der Wert Elsaß-Lothringens als militärische Pufferzone zwischen Frankreich und Deutschland?

    Zur Zeit, als der Versailler Vertrag verfasst wurde sollen vor allem Kohlevorkommen im Land als interessant angesehen worden sein.

    "Und so kam es, dass es in Artikel 27 des Versailler Vertrages hieß: „Die Grenze [mit Frankreich] vom 18. Juli 1870 von Luxemburg bis zur Schweiz […]“. Dort war Elsass-Lothringen nicht mehr mit eingeschlossen, der Zankapfel wechselte abermals den Besitzer – größtenteils wegen des Interesses beider Staaten an den dort existenten Kohlerevieren."
     
  11. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Kohle in Elsass-Lothringen?
    Verwechselst Du da etwas?
     
  12. Mercy

    Mercy unvergessen

  13. Dumbaz

    Dumbaz Neues Mitglied

    Genau da kam das her <°_°>
    Wie ist das nun mit der Idee der Pufferzone? Ich habe es schon wieder als abwegig gestrichen, da das Gebiet eher klein und schnell zu durchqueren ist..
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die Franzosen haben es 14-18 in 4 Jahren nicht geschafft.

    Wiki schwächelt übrigens bei den Elsass-Lothringer "Kohlenrevieren."
     
  15. Dumbaz

    Dumbaz Neues Mitglied

    D.h. die Information ist nicht zutreffend?
    Meine eigene Meinung zu Frankreich ist nicht besonders, die behalte ich also lieber für mich.

    Code:
    Zitat eines fr. Politikers zum Versailler Vertrag, warum Deutschland geschwächt werden muss: "Amerika ist geschützt durch den Ozean und nicht einmal der große Napoleon hat es geschafft England anzugreifen" (aber wir Franzosen könnten ein Problem mit den Deutschen bekommen)
    kleiner Fehler möglich, Quelle kann ich aber schnell suchen und dann auch das komplette Zitat aufschreiben >.<
     
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ja, sie ist unzutreffend.

    Gemeint sind vermutlich die Stahlproduktion und Erzvorkommen Lothringens, die hier mit Kohle verwechselt worden sind.
     
  17. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Es hat schon seine Richtigkeit mit der lothringischen Kohle! Siehe die kurze Zusammenfassung: GR-Atlas - Der Steinkohlenbergbau in Lothringen (Überblick)
    Zeitweise gab es dort fast 60 Förderschächte. Die Bergwerke beschäftigten bis zu 47.000 Menschen und sollen über die Jahre - bis 2004! - insgesamt 800 Mio Tonnen gefördert haben.

    In die "Kohlendiskussion" 1918/19 mischte sich u.a. Max Weber ein; siehe seine Skizze Die wirtschaftliche Zugehörigkeit des Saargebiets zu Deutschland, wieder abgedruckt in Gesammelte Politische Schriften, 5. Aufl. Stuttgart 1988, S. 565-570 (zu Lothringen S. 566 f.).
     
  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die lothringische Kohleförderung 1913 betrug unter 4 Mio. Tonnen und war damit relativ unbedeutend. Allein die Fördermindermengen 1920 im übrigen Frankreich ggü. 1913 betrugen 16 Mio. Tonnen.
    http://www.geschichtsforum.de/342752-post14.html

    Ich habe hierauf abgestellt:
    http://www.geschichtsforum.de/f62/die-kohle-stahl-gleichung-21240/

    Allein durch die Stahlproduktion Lothringen ergab sich eine zusätzliche "Kohlelücke" von 5-7 Mio. to. jährlich, dabei ist die heimische Kohleförderung eingeschlossen.
     
  19. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Sicher, die Produktion im Saarland war dreimal so hoch. Das hing, wie aus der verlinkten Zusammenfassung hervorgeht, auch mit den schwierigen lothringischen Förderbedingungen zusammen. Ich denke, dass die französischer Seite die vorhandenen Reserven im Blick hatte, die später immerhin eine Förderung von bis zu 15 Mio Tonnen pro Jahr ermöglichten.

    Max Weber unterstellte den Franzosen überigens die Absicht, "die Saarbevölkerung als arbeitslose Bettler Deutschland zu überlassen, nachdem man ihr die Bodenschätze unter den Füßen wegkonfisziert hätte" und die "schmachvolle Ausweisung der in Elsaß-Lothringen beheimatenden deutschdenkenden Bevölkerung" zu planen...
     
  20. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Meinst du als neutrale Pufferzone, also eigener Staat?

    Gruss, muheijo
     

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