Luftkrieg: Bombardierungen in Deutschland 1944/45

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von fichtelwichtel, 5. November 2009.

  1. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Ich glaube, dass ist etwas zu einfach. Zwischen 2 und 1 liegt nämlich im Übergang die Variante 3.


    Das Problem ist Folgendes: Man kann zwischen bzgl. der Flächenangriff von 1922 an mindestens von einer moralischen Verurteilung ausgehen, viele Autoren interpretieren das bis zum Zustand, dass die flächenbombardierung von Städten kriegsrechtlich verboten gewesen sei (und man feststellen: bis Mitte 1940 haben sich alle Seiten überwiegend daran orientiert).

    1939 bis 1942 gab es eine Eskalation der Luftkrieges. Zwischen den zitierten Varianten 1 und 2 liegt damit Variante 3, nämlich der Übergang vom Ausschluss zum flächigen Bombardierungen der Städte. Und weitere Differenzierungen lassen sich noch innerhalb dieser Zeiträume treffen, sowie zwischen verschiedenen Städten als Ziele.
     
  2. Artorius

    Artorius Aktives Mitglied

  3. fichtelwichtel

    fichtelwichtel Neues Mitglied

    danke erstmal für die zahlreichen antwortnen (und supjetiven meinungen -ist keinesfalls abwertend gemeint, war sehr intressant-),

    nie war es meine absicht schlechtes mit schlechten aufzuwiegen. das die deutschen nichts anderes gemacht haben wie die alliierten (zumindest versuchten sie es, nur hatten die alliierten wesendlich größere resorcen) ist mir klar.
    trotzdem finde ich es moralisch verwerflich bewußt zivilisten zu töten obwohl meiner meinung nach viele (ok, auch ich weis das militärische ziehle die häufigsten waren) ziele bewußt den zivilisten galten.
    dabei war es den alliirten sogar noch wesendlich lieber (meiner persönlich supjektiven meinung nach) möglichst viele menschen zu verletzen, ihnen den wohnraum zu nehmen und nich zu töten weil ein verletzter wesendlich mehr resorcen bindet logischerweise.
    außerdem haben sie auch beutegutmunition zur "entsorgung" in mengen gleich mit abgeworfen (kam wohl billiger).
    vom 1. weltkrieg ist mir bespielsweise bekannt das sich da viele komanteure noch fix einen kriegsorden verdienen wollten (vor dem 11.11.1918) und ganze kompanien ins sinnlose sterben haben rennen lassen (auf beiden seiten übrigens).
    würde mich nicht wundern wenn das im 2. weltkrieg anders gewesen währe.

    fichtelwichtel
     
  4. Walter

    Walter Gast


    Diesen Satz muß ich einfach kommentieren oder hinterfragen. Ich glaube das Wort „ lieber“ als Steigerungsform zu was auch immer zu benutzen ist absolut unpassend.

    In meinen Augen wird durch die Darstellung der absoluten Terrorgewalt durch die Flächenbombentaktik als „liebste“ Kriegsführung der Alliierten, die Kriegstaktiken der Gegner relativiert.
    Ich möchte dabei auch noch mal die o.g. Begründung für den Stellenwert der Bombentaktik als Konzequenz für die Bevölkerung erinnern, dass auch die Kriegsgegner der Alliierten diese Taktik benutzen. Und Deutsche nahmen nicht nur Wohnräume der Bevölkerung, sie nahmen den Menschen ihre persönliche Würde!

    Ich finde diese Art der Argumentation für den Bombenkrieg oder gegen ihn, aus dem Zusammenhang des 2.WK gerissen sehr verfälscht und es erinnert mich stark, Entschuldigung wenn ich das so hart sage, an deutsche Propaganda.
     
  5. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das ist m.M.n. nicht ganz korrekt. Es sind zwei verschiedene Aspekte, wieso der Krieg begonnen, und wieso eine bestimmte Kriegstat begangen wurde.

    Unter den Alliierten befolgte man die Theorien über den Luftkrieg des Generals Duhuets, der die Auffassung vertrat, man könne ein Land in die Knie zwingen durch Angst und Schrecken, verbreitet durch massive Luftschläge. Diese Theorie fand nicht nur im "grossen" Krieg zwischen entwickelten Ländern Anwendung, sondern auch in den kleinen Kolonialkriegen der Zwischenkriegzeit. (Irak, Syrien, Afghanistan, Marokko, Äthiopien).

    Es gibt sogar ein Zitat (ich glaube von Harris) darüber dass man die Araber im Irak am einfachsten zur Ruhe bringt, wenn man auf jedes Dorf eine möglichst große Fliegerbombe abwirft. In der Tat hat das auch gewirkt, die Aufständischen haben irgendwann klein beigegeben (es wurde auch Giftgas verwendet).

    Die Franzosen beendeten den Aufstand in Syrien in dem sie die Altstadt von Damaskus mit Artillerie beschossen. Es gab dabei hunderte von (überwiegend zivilen) Toten.

    Die Spanier wendeten diese vorgehensweise in Marokko an und beschossen, bzw. bombardierten mit Schiffen, Flugzeugen und Artillerie, alle erreichbaren Aduars im Riff-Gebirge. Das Ziel war auch schlichter Terror zur Niederschlagung des Widerstandes.

    Im Spanischen Bürgerkrieg haben die Italiener, Deutschen und aufständische Spanier das selbe Ziel verfolgt, jedoch bald festgestellt, dass es zu nichts führte. Ein Zusammenbruch der Moral wurde nicht erzielt, der Widerstand versteifte sich eher. Bombardiert wurden nicht nur das oft zitierte Guernica, sondern auch Madrid, Barcelona, Valencia, Alicante, Cartagena, Almeria.

    Auf deutscher und Italienischer Seite glaubte man deshalb bei Kriegsbeginn nicht mehr, dass man durch diese Methode einen Gegner niederzwingen konnte, die Luftflotten waren darauf dann auch nicht ausgelegt. Auf britischer (und amerikanischer) Seite glaubte man das jedoch schon, und baute entsprechende Flugzeuge und Kapazitäten auf.

    Es gab garantiert auch unter den deutschen Angriffen viele, die kein konkretes "taktisches" Ziel hatten (die Zerstörung eines Verkehrsknotens, einer Verteidigungsstellung einer Produktionsstätte etc.) sondern eher auf Demoralisierung (also Terror) ausgelegt waren, wie die Angriffe auf Warschau oder Rotterdam, dass waren jedoch eher Ausnahmen. In diese Kategorie gehörten auch einige der Angriffe auf England in der späteren Phase des Krieges, so wie die "Vergeltungsschläge" der V-Waffen auf London. (Beim Raketenbeschuss von Antwerpen, versuchte man eher den Hafenbetrieb der Alliierten zu stören).

    Bei den Alliierten, besonders den Briten, war es jedoch die Regel, auch wenn man dabei beiläufig militärisch sinnvolle Ziele traf. In Dresden war diese jedoch garantiert nicht das Objektiv. In der Tat stehen die Kasernen im Norden der Stadt noch heute, so wie auch zahlreiche Rüstungsbetriebe im Umland, die bei dem Angriff nicht einmal beschädigt wurden, obwohl sie leichte Ziele Darstellen.

    Selbstverständlich waren streng "militärische" Angriffe (noch dazu unter völliger Verachtung möglicher ziviler Opfer) kriminell und verwerflich, wenn sie im Zuge eines kriminellen Eroberungs- und Vernichtungskrieges geführt wurden.

    Hinter den "strategischen" Angriffen auf zivile Objektive (also Terrorangriffe), auch wenn sie im Zuge eines Verteidigungskrieges erfolgen, steht eine ganze Theorethische und Moralische Auffassung (und vor allem eine Tradition) die mit den "hehren Zielen" dieses Krieges nicht unbedingt einhergehen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. November 2009
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  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Übrigens kann man über die "Wirkungslosigkeit" des Konzeptes ein Paar Einschränkungen machen.

    Die Alliierten Luftangriffe auf Italien, obwohl bei weiten nicht so heftig wie auf Deutschland, erzielten schon ein Teilerfolg. In den Norditalienischen Industriestädten flüchtete ein Großteil der Arbeiter aufs Land, die Produktion brach weitgehend zusammen.

    In Japan hatten sie ebenfalls ein Teilerfolg. In den Japanischen Fabriken brach die Produktion auch zusammen, nicht so sehr jedoch, weil de Moral zusammengebrochen wäre, sondern weil die Arbeiter entweder Physisch vernichtet wurden oder Obdachlos wurden und nicht mehr in der Lage waren ihren Tätigkeiten nachzugehen.

    Beides wird von Overy in den "Wurzel des Sieges" besprochen.
     
  7. sky-

    sky- Neues Mitglied

    Nichts zu vernachlässigen ist auch die Bindung der Deutschen Luftwaffe, wie bekannt erungen die Deutschen meißtens durch ihre bessere Führung und Ausbildung in einem Gebiet die Luftherrschaft, wenn die Zahlenverhältnisse halbwegs ausgeglichen waren.

    So aber war ein sehr großer Teil in Deutschland selbst beschäftigt und enormen Verlusten ausgesetzt, so dass es den Allierten leichter fiel über den Fronten die Luftherrschaft zu halten.

    Von der ganzen gebunden Flak und anderen Ressourcen ganz zu schweigen. Die Luftoffensive war ein voller Erfolg bis zum Ende des Krieges hin, das kann man ihr nicht absprechen.

    An den Gedanken, dass die Zivilbevölkerung bei einem Krieg nicht außen vor ist, sollte man sich eigentlich so langsam gewöhnt haben. Es war nie anders, nur die Waffenwirkung wird größer.
     
  8. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Der erste Teil dieser Aussage ist natuerlich richtig, aber gezielt Bomben auf Stædte abzuwerfen, in der Absicht møglichst viele Zivilisten zu tøten ist schon eine andere Qualitæt.
    Zivile Opfer vergangener Kriege waren ja eher "unerwuenschtes oder zufælliges Beiwerk". Man verzeihe mir die zynische Ausdrucksweise.

    Gruss, muheijo
     
  9. sky-

    sky- Neues Mitglied

    Nein waren sie nicht, das ist eben die Vorstellung, von der man sich lösen muss, Caesar lies Städte in die Sklaverei verkaufen, Korinth wurde dem Erdboden gleich gemacht, die Wickinger brannten ganze Städte nieder, Taktik der verbrannten Erde.

    Solcherlei Maßnahmen werden Schon seit Anbeginn genutzt um den Widerstand zu brechen, meißtens allerdings erfolglos, zugegeben. Früher reichte nur die Waffenwirkung nur eine Armlänge weit, so konnten wohl mehr Zivilisten entkommen, das ist aber nur eine Nebenerscheinung, wären die Waffen von Heute damals zur Verfügung gewesen, wäre das Ergebnis das Gleiche wie heute gewesen.

    Wenn ein Mittel im Krieg vorhanden ist, wird es genutzt, die einzige Ausnahme ist die Atombombe, da sie auch zur eigenen Vernichtung führt und eventuell Giftgas, wenn ich an den 2. Wk denke.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. November 2009
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  10. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Hmm, guter Einwand.
    Ich møchte dennoch teilweise widersprechen: Es hat, sagen wir mal ab ca. nach dem 30-jæhrigen Krieg, eine Phase gegeben, in der versucht wurde, den Krieg als eine reine Angelegenheit des Militærs anzusehen und ihn zu "humanisieren", und dies wurde auch im grossen und ganzen eingehalten: Ob man da die Kriege Friedrichs des Grossen, Napoleons oder den 1.WK nimmt, derartige Repressalien waren eher die Ausnahme.
    O.g. Beispiele werden ja nicht umsonst als "barbarisch" bezeichnet.
    Den Bombenkrieg wuerde ich dann schon als "Rueckschritt ins Mittelalter", wie man ja auch so schøn sagt, ansehen.

    Gruss, muheijo
     
  11. sky-

    sky- Neues Mitglied

    Diese kurze Periode (ab der französischen Revolution hebt sie sich schon wieder auf, ab hier sollte der Krieg wieder angelegenheit des Volkes sein)
    hatte allerdings Ursachen. Es war mit der aktuellen Taktik und dem Soldatenmaterial nichts anderes möglich, allerdings sind dennoch Vorkommnisse zu verzeichnen, haben nicht die Franzosen(?) im Siebenjährigen Krieg Teile von Sachsen verwüstet um die Preußen herauszudrücken? Ich müsste nachschauen, meine das aber gelesen zu haben.

    Guerillakrieg in Spanien zur napoleonischen Zeit, hier wurde heftigst gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen

    Im 1. Wk wurden auch Bomben über Paris abgeworfen, Artillerie (Parisgeschütz), die einzige Hürde war die Technik.

    Einzig die Waffenwirkung und die Taktik setzen die Grenzen, wenn sich durch das Töten von Zivilisten ein militärischer Vorteil ergibt, wurde und wird es immer auch gemacht.
     
  12. Robert Craven

    Robert Craven Neues Mitglied

    Wie unterscheidet sich denn die von Dir ausführlich belegte militärische Tradition des "Bombenterrors" auf Seiten der Alliierten von den "hehren Zielen" des Krieges? Kann man das wirklich von einander trennen? Ich möchte keine Bombardements auf Zivilisten schön reden, aber wenn man die größeren Zusammenhänge, in denen diese Greul geschah, bei Seite lässt, muss man zu einseitigen Verurteilungen kommen. Die Verbrechen der Deutschen und die Hintergründe des Krieges werden bei dieser Thematik sehr oft nicht mit angesprochen.
     
  13. Robert Craven

    Robert Craven Neues Mitglied

    Bellum iustum
    Genfer Konventionen
    Soll diese lange Tradition wirklich nur bloße Theorie geblieben sein?
     
  14. sky-

    sky- Neues Mitglied

    Leider ist es das, es würden bei Weitem weniger Opfer zu beklagen sein, wenn sich jeder Staat daran halten würde.

    Vielleicht ist es noch interesannt, auf die Spirale der Gewalt hinzuweisen, bei Ausbruch eines Krieges halten sich (meißtens) beide Teile noch an die gängigen Konventionen, je verbitterter und länger der Krieg geführt wird, je mehr werden die Gesetze gebrochen und die Mittel, mit denen man glaubt sich den Sieg zu sichern, werden immer extremer.

    Das liegt wohl tief im Selbsterhaltungstrieb verwürzelt, der nunmal gebieterisch sagt, lieber du als ich.

    Selbst bei Kriegen, die den Staat nicht direkt bedrohen, wird doch eigentlich kein Federlesen gemacht, ich denke nicht, dass die Genfer Konvention auch nur einen geringen Stellenwert bei den aktuellen Irak/Afghanistankonflikten hat.

    Nach diesen Gesetzen werden immer nur die Verlierer verurteilt (Saddam), der Sieger bleibt verschont (ich denke nicht, dass Guantanamo mit den Kriegsgefangenenklauseln übereinstimmt, beispielsweise).
     
  15. Robert Craven

    Robert Craven Neues Mitglied

    Wenn ich diese Aussage mal Rückbinden darf an das eigentliche Thema, die alliierten Bombenangriffe 1944/45, dann bekomme ich Kopfschmerzen. Wenn ein Deutscher, oder jemand der sich in irgendeiner Weise mit den Opfern von Dresden, Hamburg und co identifizieren kann, davon spricht, dass im Krieg immer die Sieger das Recht auf ihrer Seite haben, dann heißt das soviel als: Die Verbrechen der Deutschen wurden bestraft, von den Alliierten begangene Kriegsverbrechen wurden unterschlagen.

    Es klingt oft so als würde man eine ungerechte Behandlung in der rückwärtigen Betrachtung der Geschichte ausmachen und Gerechtigkeit einfordern. Dabei wird leider vergessen, das den Deutschen nach dem Krieg keinesfalls eine Form der Gerechtigkeit zu teil wurde, die in irgendeinem Verhältnis zu den begangenen Verbrechen steht. Der rasche Wiederaufbau, die schnelle Wiederbewaffnung, die Höhe der Reparationszahlungen und nicht zu vergessen die kläglichen Zahlungen zur "Wiedergutmachung" an NS-Opfer sind bezüglich der Verbrechen keine gerechte Konsequenz gewesen. Daher halte ich es für unangebracht in einem Teilbereich Gerechtigkeit einzufordern, während man die großen Linien der Entwicklung außen vor lässt. Oder konkreter: Sich mit der Thematik des Bombenkrieges gegen Deutschland zu beschäftigen ist durchaus legitim und sinnvoll, dabei aber von Terror gegen die deutsche Zivilbevölkerung zu sprechen und dies als Singularität hervorzuheben, heißt die Geschichte auf einseitige Perspektiven zu verengen.
     
  16. sky-

    sky- Neues Mitglied

    Hm, kann sein, dass ich dich jetzt falsch verstehe, aber gerade die Quintessenz dieses Themas ist doch, dass es diesen "Terror" gegen die Zivilbevölkerung schon immer gab? Also das genaue Gegenteil von Singularität.

    Das ganze konzept von Schuld und Sühne wärend/nach einem Kriege ist irrsinnig, da subjektiv. Niemand wird bezweifeln, dass wenn die Deutschen gesiegt hätten, heute die Allierten die Verbrecher wären.

    Das ist aber ganz und gar keine Rechtfertigung, sondern eine Tatsache.

    Zur wirklichen Erkenntnis gelangt man erst, wenn man jede Aktion von beiden Seiten prüft und beurteilt, unabhängig davon, wer angefangen und wer gewonnen hat.

    Eins ist nämlich ganz wichtig, es besteht kein Unterschied zwischen einem Deutschen Kind, dass bei einem Bombenangriff (der nur auf Zivilisten gerichtet ist) umkommt und einem Kind, was sein Leben in einem KZ lassen musste, es ist beides verwerflich und mit dem heutigen Begriff "Terror" zu benennen.

    Die traurige Erkenntnis aus der Weltgeschichte ist nun, dass sich weder das eine, noch das andere verhindern lässt und immer wieder geschehen wird.
     
  17. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Ich bleibe dabei: der Versuch, Zivilisten zu schonen und Krieg nach bestimmten Normen zu fuehren, war die Regel.
    Ich gestehe zu, dass es davon Abweichungen gab, die ich aber bis zum 2.WK nicht als "Normalitæt" bezeichnen will.
    Weiterhin sollte man bei diesen "Abweichungen" unterscheiden zwischen von oben angeordneten Kriegsverbrechen und solchen, die von Einzelnen oder kleinen Gruppen durchgefuehrt wurden.
    Interessant ist auch in dem Zusamenhang das Verhalten der militærischen und politischen Fuehrung gegenueber Kriegsverbrechern in den eigenen Reihen.
    Die Spirale der Gewalt muessen wir leider auch sehen, aber zumeist gibt es einen, der anfængt, sich ueber die jeweils geltenden Regeln/Normen sich hinwegzusetzen.

    Gruss, muheijo
     
  18. Thomas Trauner

    Thomas Trauner Neues Mitglied

    Duhuet schrieb ja unter dem Eindruck des 1.Weltkrieges. Ein erneuter Stellungskrieg sollte vermieden werden. Er versprach sich eben mit strategischer Kriegsführung aus der Luft einen Ausweg aus der Misere des mechanisierten Bodenkrieges.

    Beide Seiten, Briten, Franzosen, Italiener aber auch Deutsche haben schon ab 1914 Angriffe auf zivile Städte geflogen.
    Zwar wurde, wie immer, von den Militärs ein militärischer Zweck vorgeschoben und angebliche militärische Erfolge versprochen, letztlich getroffen wurde nur die Zivilbevölkerung. Erreicht wurde von keiner Seite irgend etwas.
    Beide Seiten schuldeten sich da nichts. Auch eine Diskussion wer denn nun angefangen hat, halte ich für letztlich nicht sinnvoll. Die Antwort liegt m.E. nicht darin, wer denn nun die erste Bombe warf (das waren m.E. die Italiener 1911), sondern wer nachweislich die ersten Planungen betrieb.

    Beide Seiten versuchten letztlich, mit „strategischen Maßnahmen“ die festgefahrenen Fronten zu umgehen.
    Und es gab eine Spirale der Gewalt. Wollte Wilhelm II anfangs nur die Bombardierung der Londoner Docks, dann nur bis zum Tower, dann wurden schließlich doch Nachtangriffe auf die gesamte Fläche Londons geflogen, die sehr viele zivile Opfer forderten. Auch hier spielten die Versprechungen der Militärs eine große Rolle. Hier vor allem Strasser, der seine Marine-Ungetüme unbedingt einsetzen wollte, im Gegensatz zur realistischeren Armeeführung, die ihre Zeppeline nicht mehr über G.B. einsetzte.
    „Zeppelin“ ist immer noch ein „household“ Begriff in G.B.

    Die Angriffe der Alliierten richten sich ebenso auf zivile Ziele, sei es Frankfurt, Wien oder Freiburg.
    Die Briten hatten ab Sommer 18 die sogenannte Independent Air Force, ein Teil der RAF, die losgelöst von den sonstigen taktischen Aufgaben des RFC/RAF ausschließlich für Angriffe auf Deutschland eingesetzt wurde, für 1919 wurde eine großangelegte, strategische Luftoffensive über Deutschland geplant, unter Beteilung aller westlicher Alliierter Luftwaffen.

    Für mich stellt es sich so dar, dass, sich im 2.WK wie im 1.WK, strategische "Maßnahmen" eine Spirale der Gewalt in Gang setzten. Versprechungen der Militärs trafen, wie meist, nicht ein. Und Militärs neigen zur Phantasielosigkeit und Starrheit, je höher der Rang. Sie versuchen immer, den nächsten Krieg mit den Mitteln des letzten zu gewinnen.

    Ich denke, es ist viel wichtiger, wenn jetzt ein Aufarbeitung der Erlebnisse der Betroffenen stattfindet, auch Zivilpersonen aus Deutschland sich über ihr Leid austauschen und dieses verarbeiten können.
    Z.B. fällt in Pflegeheimen immer wieder auf, dass nach immerhin 65 Jahren Traumata aufbrechen. Vergewaltigung, Verschüttungen, Bunkererlebnisse kommen wieder.
    Eine Diskussion über Strategie, Moral und Schuld kann hier helfen, aber wichtiger ist, diese Traumata erst mal zu akzeptieren und sie zu bearbeiten.
    Schuld waren die Nazis. Sie entfesselten den Krieg und beendeten ihn erbarmungslos nicht. Ihnen war das Schicksal der deutschen Zivilbevölkerung genauso egal wie das der Alliierten.

    Thomas
     
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  19. Robert Craven

    Robert Craven Neues Mitglied

    Ja, das war eher auf die Ausgangsfrage von fichtelwichtel bezogen. Die Singularität (kein sehr passender Begriff) sollte eher das Herausheben eines Aspektes, nämlich der Bombenangriffe auf deutsche Städte, fassen.

    Wenn ich rein moralische Maßstäbe anlege, ist beides verwerflich. Obwohl auch hier schon unterschieden werden müsste, zwischen einem gezielten Mord und einer in Kauf genommenen Tötung. Unter historischen Gesichtspunkten sind grundsätzliche Unterscheidungen zu treffen! Die Intentionen beider Tötungen sind diametral. Die eine fusst auf rassistischer Ideologie, die andere auf dem Willen das verbrecherische NS-Regime zu stürzen. Die eine Tötung muss, wenn man sie als Beispiel für die Verbrechen der Nazis nimmt, als Auslöser für die andere Tötung gelten.

    Solche Vergleiche bergen immer die Gefahr einer Relativierung der Verbrechen und sollten historisch mit äußerster Vorsicht gebraucht werden. Die Zuspitzung der Perspektive auf einzelne Opfer des Krieges, kann historisch fruchtbar sein, aber nur wenn die größeren Zusammenhänge mit bedacht werden.

    Da bin ich optimistischer. Sonst würde die Historie ihren Sinn einbüßen.
     
  20. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Ich würde mich deinen Ausführungen anschließen und möchte sie mit einer Äußerung eines damaligen Militärangehörigen der Alliierten ergänzen, der auch klar zugab:
    "Auch wir Alliierte sind in diesem Krieg nicht sauber geblieben."
    Dem ist wohl nichts hizuzufügen.

    Das ist ist wahr - Kathargo wurde von den Römern auch mit Absicht bis auf die Grundmauern niedergebrannt und dann gab es mindestens bis zum 30-Jährigen Krieg (oder noch länger?) noch die Regel, daß eine Stadt nach der Eroberung 3 Tage lang zur Plünderung durch die Soldaten/Söldner frei gegeben wurde.

    Hirzu gab es in der Vergangenheit wohl eine besonders kontroverse Diskussion. Ich weiß noch, daß die Kommunisten in der DDR diese Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki besonders scharf als sinnlosen Akt verurteilt haben. Natürlich war Japan vor diesen Abwürfen längst geschlagen. In einer Doku habe ich jedoch gesehen, daß auch Japan - ähnlich wie Deutschland - noch versucht haben, alles was 2 Beine hatte zu mobilisieren und gegen die Alliierten bei einer Landung auf den Hauptinseln Japans kämpfen zu lassen. Da waren auch Frauen und Jugendliche dabei. Aber gerade diese Atombombenabwürfe haben den Tenno dazu bewogen, sich gegen die Militärs durchzusetzen und die bedingungslose Kapitulation zu erklären. So schlimm, wie gerade die Auswirkungen dieser beiden Bomben waren, so haben sie doch den Krieg in Japan verkürzt.
    Deutschland hatte keinen so einsichtigen Tenno und - ein wenig Spekulatius - nicht auszudenken was auch in Deutschland hätte passieren können, wenn der Krieg hier nur noch ein paar Monate länger gedauert hätte... :(
     

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