Herkunft der Ungarn/Magyaren?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von lynxxx, 24. November 2007.

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  1. Brushian

    Brushian Mitglied

    In Südungarn gibt es ein Restaurant wo die ganzen exjugoslawischen Fernfahrer und Busfahrer essen gehen, es wird von einem Serben geführt, der aus Prishtina stammt, wobei alle in seinem Restaurant serbokroatisch reden, ob er geflüchtet ist oder aus ökonomischen Gründen sich in Ungarn festsetzte, kann ich echt nicht sagen.
    Die Herkunft seiner Familie ist von ethnischer Seite recht schwer festzustellen.
    Ich will nur mal behaupten, dass es sowas schon viel früher auch gab, viel viel früher.

    Die heutigen Ungarn sind ein Mischmasch aus verschiedenen Zweigen, sprechen eine Sprache die nichts mit den handelsüblichen europäischen Sprachen zu tun hat und sehen aber wie ihre Nachbarn aus.
    Was heißt das?
    Dass sich die Menschen im Laufe der Jahrhunderte sehr mochten.
    Danke bb

    Ich glaube wohl eher, dass man behaupten könnte, dass eventuell manch ein Türke ungarischer Herkunft war und ist, oder serbischer, oder bulgarischer, oder rumänischer, oder griechischer...
    Und das kann natürlich dann umgekehrt auch gelten.
    Man muss einfach selber draufkommen, dass so ein Abstammungsgefasel für den Hugo ist.
     
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  2. Das Problem an der ganzen Sache ist, dass der Nationalismus in der Türkei viel später aufgegangen ist, somit die Grundlagen für den Nationalismus zu wenig waren, eins hat man aber getan, das Volk wurde als Türke bezeichnet, was eigentlich ein Oberbegriff ist für alle Turkvölker. Daher sind hierbei Missverständnisse vorhanden. Wenn ich schreibe Türke, heisst es nicht dass es Türkeitürken sind oder osmanische Türken.
    Das die Ungarn auch Töröks waren behaupten auch ungarische Historiker, wer soll denn seine Geschichte besser wissen als einer selbst. Hierbei ist zu erwähnen, dass Hermann Vámbéry ein hervorragender Autor war.
    http://www.archive.org/stream/dastrkenvolkin00vmuoft#page/n17/mode/2up
    "Das Türkenvolk" ist hierbei zu erwähnen.
     
  3. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Ich bitte vielmals um Entschuldigung, aber die Referenz eines Mannes, der seine Werke in der 2. Hälfte des 19. Jh. schrieb und dabei zudem vom Wunsch beseelt war, die asiatischen Ursprünge der Magyaren zu ergründen - weswegen er eine Sprachverwandtschaft zwischen Finnen und Ungarn leugnete und die ungarische Sprache deshalb als eine mit ugrischen Elementen versetzte Turksprache einordnete (was ihn zu einem Vordenker der Ideologie des Turanismus machte) -, soll an der Stelle der Diskussion ja wohl ein Witz sein, oder?
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. September 2009
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  4. Brushian

    Brushian Mitglied

    Du meinst also, dass sich die Türken in Bezug auf Nationalismus verspätet haben und sodurch die Ungarn nicht richtig erfasst wurden, um ihre Identität als türkisch zu bezeichnen?
    Eine etwas wirre Auslegung.
    Das Problem ist, dass trotz der Tatsache, dass es viele Staaten mit turksprachigen Mehrheiten gibt, die Ungarn selber eben kein Turkvolk sind.
    Es hört sich toll an, dass die Ungarn ein Turkvolk sein könnten, vor allem wenn man selber Fan des Panturkismus oder sowas ist, aber es ist schlicht und einfach durch und durch falsch.
     
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  5. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Das Problem bei einigen ist wohl, dass sie eine komische Vorstellung von Volk haben. Sie picken sich z.b. einige Völker bei der Ethnogenese heraus, und projizieren nun in biologistischer Weise diese als eigentliche Ahnen in die Vergangenheit.
     
  6. richard

    richard Neues Mitglied

    Ich denke Ungarn sind genauso gemischt, wie andere Europäer, nur haben sie aktuell keine Meinung zu ihrer Herkunft. Es gab mal eine Meinung und die hiess, dass Ungarn von den Hunnen abstammten. Ist jetzt nicht mehr aufzuerhalten, weil die jetzige Geschichtsschreibung das verneint.
    "Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird."
    Heisst das nicht, worauf wir uns jetzt beziehen ist nicht aktuell, sondern das, was in Zukunft ermittelt wird?
    Der Schreiber hat recht, wenn er sagt, daß die Definition eines gelähmten Landes von denen abhängig ist, welche eine Meinung haben und die ist in diesem Fall so: Ungarn sind heute ein Mischvolk, aber sie stammen vom altaischen, turkischen ab und nicht vom finno-ugrischem...
     
  7. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    ... was auch - soweit ich es überblicke - niemand irgendwo bestritten hat :fs:

    An diesem Punkt waren wir schon einmal...

    Aber ich darf mich wiederholen: Dabei geht es - wie bei allen wissenschaftlichen Betrachtungen üblich - nicht um "eine Meinung haben" oder daß "die jetzige Geschichtsschreibung das verneint", sondern darum, was mittels wissenschaftlicher - im konkreten Fall geschichts- und sprachwissenschaftlicher - Methodik nachweisbar und belegbar ist. Und alles jenseits dieser Methodik ist nun einmal - vornehm ausgedrückt - in höchstem Maße spekulativ oder - härter ausgedrückt - pseudowissenschaftlich bzw. unwissenschaftlich.

    Und das ist eben aus geschichts- und sprachwissenschaftlicher Sicht falsch:
    Auch wenn es sich "nur" um einen Text von Magyaren ? Wikipedia handelt...
     
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  8. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Diese Worte sind Teil meiner Signatur, nicht meiner Postings - der Satz stammt vom Alt-Präsident Richard von Weizsäcker aus seiner berühmten Rede 1985. Leider bot die Signatur nicht mehr Platz, um diese Quellenangabe noch unterzubringen.
     
  9. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das ist mir neu.

    Da die Ungarn eine finno-ugrische Sprache sprechen, darf man folgern, dass sie zum Kreis der Völker zählen, die solche Sprachen sprechen, wie z.B. die ugrischen Chanten und Mansen. Und da sie keine türkische Sprache sprechen, werden sie wohl auch keine Türken oder Tibeter sein.
     
  10. richard

    richard Neues Mitglied

    Hello,
    "Aber ich darf mich wiederholen: Dabei geht es - wie bei allen wissenschaftlichen Betrachtungen üblich - nicht um "eine Meinung haben" - Timotheus, ich hatte mal gelernt eine wissenschaftliche Meinung zu bilden: Qualifiktionsebene 1: die quintessenz der Thematik aufnehmen; Qe 2: die kritische Erörterung; Qe 3: auf Qe 2 basierende begründete Meinungsbildung.
    Einige Wissenschaftler aus Österreich, Russland oder der ehemaligen Sowjetunion oder aus Ungarn betrachten allein die Einordnungen der Sprachen als pseudowissenschaftlich und dem habe ich mich nunmal angeschlossen. Ich betrachte den Nachweis der Finnougristik als zweifelhaft, dementsprechend kann ich genauso den Vergleich zum turkischen gleichsetzen. In beiden habe ich zwar Zweifel, aber ich setze beide Theorien auf gleicher Ebene, weil keins der beiden mich überzeugt.
    Also sprachlich bestehen Zweifel, kulturell aber erst recht. Betrachtet man die Ungarn bei Landnahme, haben sie recht wenig finnougrisches eher etwas "steppenhaftes", halbnomadisches. Das negiert die finnisch-ugrische Herkunft in meinen Augen. Darf ich euch in meine Gedankenwelt einladen... Klar, alles nur Theorien mit dem Versuch genauso seriös zu sein, wie die Quellen uns jetzt speisen:

    1. Vertesszölös: Nachweise von Homo Erectus, d.h. das karpartenbecken ist schon lange bewohnt.
    2. Körös-Kultur: die alfölder-linearkeramink ist nachgewiesen 8300 Jahre alt - für mich heisst das, daß seit 8 Jahrtausenden dort Landwirtschaft gab. (da, wo es Behälter zur Lagerung gab, gab es auch Sesshaftigkeit und Landwirtschaft)
    3. Urheimat der Urungarn war wohl der Südural, gleich dem der Adronovo-Kultur um 2000 v.Chr. - dort wurde der Pferdewagen mit zwei Rädern erfunden, wohl doch eine Pferdebezogene Kultur..
    4. nach einem Loch springe ich zu den Skythen und später zu den Hunnen, bei den Skythen doch eine Nähe zur Adronovo-Kultur haben müssen. Hunnen wurden später bekannt, wobei bei der Ausdehnung der Kultur es sich durchaus um Skythen an Ihrer östlichen Grenze handeln könnte.
    5. zeitgleich sind wohl Kelten und/oder Skythen Bewohner im Karpartenbecken
    6. Antike: Pannonier sind die Bewohner des Karpartenbeckens
    7. Jetzt kommt wieder ein Loch, wobei Sycambria auf Spartaner und/oder Franken deuten - vielleicht komme ich damit zu spät
    8. Die Hunnen benutzen das Karpartenbecken als Zentrale
    9. die Hunnen sind weg, zeitgleich verlassen die Urungarn den Südural nach Baschkirien (König Béla lässt dort noch im 13 Jh. nach Hilfe ggüber den Tartaren um Hilfe bitten)
    10. Vielleicht sind die Hunnen doch nicht weg, die Sékler sind ja noch da und die werden als hunnische Vorfahren gehandelt - die sprechen "jetzt" einwandfrei ungarisch
    11. Die Awaren sind im Karpartenbecken, sie sind turkisch nach der "wissenschaft"
    12. Die Ungarn sind in der "Obhut" der Chasaren
    13. Die Ungarn machen sich gen Westen
    14. Die Ungarn wollen sich sesshaft machen im Karpartenbecken und sie werden sesshaft
    Klar wird, daß ich eher auf geschichtliche Daten achte, als auf sprachliche, ich glaube die sind verfälscht oder werden benutzt - auch in der Wissenschaft. Wobei ich nicht ausschliessen möchte, daß geschichtliche Daten nicht verfälschbar sind.
    Was ich daraus ziehe ist, das Karpartenbecken war schon immer bewohnt. Die Leute dort müssen Ihren Habitus weitergegeben haben, ich vermute alle Okupanten oder Neubewohner haben das auch gemacht. Letztlich haben die Ungarn das Karpartenbecken geprägt, wobei ich an einen kybernetischen Zusammenhang glaube. Die Ungarn wollten in ihr Reich, wie die Sagen sagen und da besteht ein Zusammenhang zu Attila, aber keiner zu weiter zurückliegenden Bewohnern. Ob die Sagen jetzt von den Chasaren übernommen wurden oder ob sie tatsächlich direkt von Attila zu den Ungarn zurückzuführen sind,ist in diesem Falle egal. Sprachlich werden Ungarn wohl auch bevor der Landnahme vom turkischen beeinflusst sein.
    Völlig unbedarft gehe ich von der These aus, daß Magyaren aus all den Leuten besteht, die dort mal wohnten - nur der Einfluss der letzten Landnehmer war umfangreich, da die jetzigen Ungarn noch ungarisch sprechen, die székler ebenfalls und die csángó auch..

    Gruß,
    Richard
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Sorry, aber das ist Kulturrassismus. Das ist so, als würde man behaupten, die Sarmaten seien kein Volk des iranischen Zweigs der indoeuropäischen Sprachfamilie, weil die Perser eine Stadtkultur errichtet hatten, während die Sarmaten als Reiternomaden lebten. Einfach unsinnig. Oder Germanen, Kelten und Römer könnten nicht zu einer Sprachfamilie gehören, weil die Römer eine urbane Hochkultur geschaffen hatten, die Kelten vorwiegend in und um Höhenburgen siedelten und die Germanen Einzelgehöfte bevorzugten.

    Du willst also eine direkte Kontinuität vom Homo Erectus zum modernen Ungarn behaupten?

    Welche Sagen im Einzelnen? Die Identifikation der Magyaren mit den Hunnen, ist ein Fehler des gelehrten lateinischen Mittelalters. Weil man dem Kind einen Namen geben musste. Die Vorerfahrung - und Attila und die Hunnen waren in der Historiographie und in der Sagenwelt geläufig - hat aus den Magyaren unter Verballhornung des Ausdrucks Hunnorum die Hungarorum gemacht. Mit der Christianisierung der Ungarn, die eine Katholische war - also in lateinischer Tradition -, kamen dann pseudohunnische Elemente in die ungarische Kultur. Diese pseudohunnischen Elemente drücken sich ganz besonders deutlich in den "traditionellen hunnischen" Namen aus, wie Attila und Ildikó, was eigentlich beides germanische Namen sind, nämlich Väterchen und Hilde.


    Das würde wohl niemand bestreiten.
     
  12. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Ungarn sprechen eine finno-ugrische Sprache! Das lässt sich mit voller fachwissenschaftlicher Seriosität sagen. Alles andere sind Vermutungen, Spekulationen und nicht beweisbare Hypothesen.

    Auf ihrem Weg in das Karpatenbecken sind die Ungarn etwa um 500 n. Chr. vom südöstlichen Ural durch die Steppengebiete Südrusslands nach Westen gezogen. Diese Wanderung dauerte mehrere Jahrhunderte, in deren Verlauf die Magyaren besonders in Südrussland langjährige Kulturkontakte mit turkstämmigen Völkern hatten, die ein Steppennomadentum pflegten oder halbnomadisch lebten. Es ist also wenig verwunderlich, dass die Ungarn ihrerseits ein Reiternomadentum ausbildeten.

    Über die ethnische Zusammensetzung der Magyaren sagt das jedoch wenig aus. Vermutlich gliederten sich einem ugrischen Stammeskern im Verlauf der Wanderung chasarische, petschenegische und viellicht sogar iranische Splitter an. In welchem Ausmaß, vermag heute keiner mehr zu sagen.

    Da die Magyaren jedoch ihre finno-ugrische Sprache beibehielten, kann man folgern, dass das finno-ugrische Element dominant blieb. Alles andere sind - wie gesagt - unbeweisbare Spekulationen.
     
  13. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Möglicherweise ein sprachliches bzw. kommunikatives Problem; wenn Du damit meintest "sich auf wissenschaftlich fundierter Basis eine Meinung bilden", widerspreche ich dem nicht. Falls Du damit aber meintest "eine Meinung bilden, die nach eigenem Gutdünken der Wissenschaftlichkeit genügt", kann ich dem nicht zustimmen.

    "Einige" sagt da schon einmal etwas aus; denn dann stellt sich die Frage "Wie sind diese in der Fachwelt anerkannt bzw. sind sie überhaupt anerkannt oder werden ihre Betrachtungen mehr oder weniger als Mumpitz abgelehnt?"
    Ob bzw. inwieweit Du Dich deren Ansichten anschließt, ist zunächst irrelevant; wenn Du Dich ihnen anschließt, mußt Du belegen und beweisen oder zumindest gut begründen, warum sie Deiner Meinung nach Recht haben.

    Ungarisch ist aber nun einmal eine finno-ugrische Sprache - und alle anderen Einordnungsversuche haben sich als pseudowissenschaftlich bzw. sprachwissenschaftlich unhaltbar erwiesen. Dazu darf ich mich im Übrigen den Ausführungen von Dieter anschließen.
    Wo Du da noch immer Zweifel sehen willst, ist mir aus diesem Grund vollkommen schleierhaft...

    Was hat die Sprache mit dem genannten kulturellen Hintergrund - hier: Reiternomaden - zu tun?
    Nur einmal eine Auswahl zu (ursprünglich) reiternomadischen Völkern:
    Die Alanen, die Parther, die Sarmaten und - nach bisherigem wissenschaftlichen Konsens - auch die Skythen waren Iranier, also Indoeuropäer.
    Die Araber - "Araber" im Sinne der ursprünglichen Nomaden der Arabischen Halbinsel - waren Semiten (bzw. sind Araber auch nach heutigem Verständnis - was eben nicht mehr nur die ursprünglichen Reiternomaden meint - Semiten).
    Die Magyaren waren bzw. sind Finno-Ugrier.
    Die Mongolen waren bzw. sind auch sprachlich Mongolen und damit Altaier (auch wenn man sich bei den Altaischen Sprachen bis heute nicht sicher ist, ob und inwieweit da eine sprachgenetische Einheit oder aber "lediglich" eine sprachgenetische Konvergenz besteht).
    Die Türken waren bzw. sind ein Turkvolk und damit nach o.g. Klassifikation bei den Mongolen ebenfalls Altaier (wie dort bereits ausgeführt unter Vorbehalt der umstrittenen sprachgenetischen Einheit etc.).
    Die Petschenegen, die Protobulgaren, die Kyptschaken/Polowzer waren Turkvölker und damit nach o.g. Klassifikation bei den Mongolen ebenfalls Altaier (wie dort bereits ausgeführt unter Vorbehalt der umstrittenen sprachgenetischen Einheit etc.).
    Die Tataren - und hier beschränke ich mich an der Stelle der Einfachheit halber auf die Tataren, welche im Mittelalter eine besondere Rolle spielten - waren ein Turkvolk und damit nach o.g. Klassifikation bei den Mongolen ebenfalls Altaier (wie dort bereits ausgeführt unter Vorbehalt der umstrittenen sprachgenetischen Einheit etc.).
    Anm.: Die mitunter auch als "Tataren" bezeichneten Tungusen der Mandschurei waren auch sprachlich Tungusen bzw. Mandschu-Tungusen und damit nach o.g. Klassifikation bei den Mongolen ebenfalls Altaier (wie dort bereits ausgeführt unter Vorbehalt der umstrittenen sprachgenetischen Einheit etc.).
    Die Awaren wie auch die Hunnen ließen sich bis dato sprachlich nicht einordnen.

    Du findest also unter Reiternomaden sprachlich eine äußerst weite Fächerung (abgesehen davon, daß sich bis heute gar nicht alle sprachlich klassifizieren lassen): von Indoeuropäern und Altaiern (bzw. Turkvölkern, Mongolen und Tungusen, wenn man sich gegen die Einheit "Altaier" sträubt) bis hin zu Semiten und eben Finno-Ugriern.
    Anm.: Sprachlich nächstverwandt zu den Ungarn/Magyaren sind übrigens die Chanten (also ebenfalls Finno-Ugrier) - und die waren ursprünglich Pferdezüchter und wurden erst später Jäger sowie Rentierzüchter; da hast Du also sogar ein weiteres finno-ugrisches Beispiel, zu welchem die reiternomadische Lebensweise paßt. Aber das an der Stelle einmal nur nebenbei...

    Im Übrigen darf ich dazu den Ausführungen von El Quijote anschließen.

    Diese Einladung muß ich ausschlagen, denn ich bin grundsätzlich skeptisch gegenüber derartigen Versuchen, bei denen in solchem Maße Nationalromantik und sogar einiger Rassismus recht deutlich mitschwingt.
    Natürlich kann man auch bei solchen Herleitungen versuchen, seriös zu sein, nur bleibt es dann gewöhnlich - und auch in diesem Fall - eben beim Versuch...
    :fs:
     
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  14. richard

    richard Neues Mitglied

    Hallo wehrte Reakteure auf meine Auffassung,

    manchmal verleitet mich meine Skepsis in eine Offenbahrung meiner Glaubenssätze - diese sind aber nicht unumstossbar.
    In diesem Thread geht es aber nicht um mich, sondern um die Herkunft der magyaren. Hier muss ich mich selbst an die Nase fassen, denn ich versuchte herzuleiten, woher die Ungarn herkommen und nicht die der Magyaren. Es war mir keine Absicht, die "Urmagyaren" mit den Funden in Vertesszölös in Zusammenhang zu bringen.
    Um dem thread genüge zu tun, ich meine die Magyaren sind in der Adronovo-Kultur stämmig und weiter nix. Sprachlich kann ich das "urmagyarische" nicht einordnen und ich behaupte, es kann keiner, denn es gibt wie bei den Hunnen oder Awaren keine Aufzeichnungen nach meinem wissen. Es sei denn, man identifiziert die Székler Runen gleich mit den der ungarischen. Trotzdem gibt es keine Aufzeichnungen bezüglich ihrer Herkunft und weshalb sie ins Karpartenbecken sind.
    Die Herkunft der Sprache ordnet man jetzt, oder seit dem 19Jh. zum finnougrischen ein, während sich gleichzeitig einige Gönner von ungarischer Seite sich deshalb lieber das Leben nehmen wollten (Sechenyi), wenn das an ungarischen Universitäten geschult wird...
    Es muss wohl unterschieden werden, was Spracheinordnung damals war und jetzt ist. Wenn man die Spracheinordnung als Basis zu einer Kulturdefinition heute nimmt, hat man verloren.Ich bin doch im Geschichtsforum und nicht im
    Da könnte man ja genauso sagen, daß ein Opel ein deutsches Auto ist, obwohl es aus Modulen aus China, USA und u.a. aus Deutschland besteht. Im Gegenteil, es ist schädlich, nachweislich hat die soziokulturelle Einordnung aus dem 19Jh. zur Katastrophe des 1. und 2 Weltkrieg geführt - Rassistische, semiprofessionelle Einordnungen meiner Person lehne ich deshalb ab, sie sind einfach lächerlich und würde gerne wissen, was ihr damit bezwecken wollt? Wer hier rassistisch ist sei dahingestellt, ich bin gespannt auf eure Antworten, vielleicht bin ich ja jetzt ein ungebildeter Faschist :rofl:
    Schönen Gruß, der einzige, welcher seinen Namen nennt :winke:
    Richard

    P.S.: Sorry für die Einladung, wird nicht wieder vorkommen..
     
  15. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Nun ja; immerhin scheinen es aber die sprachlichen Zeugnisse, welche uns bis heute von Ungarisch, Chantisch und Mansisch vorliegen, zumindest zu ermöglichen, auf eine gemeinsame Sprache Urugrisch zu schließen bzw. diese zu rekonstruieren, sowie anzunehmen, daß diese wahrscheinlich vom Ende des 3. Jahrtausend v. Chr. bis zur ersten Hälfte des 1. Jahrtausend v. Chr. im westlichen Sibirien gesprochen wurde.
     
  16. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    In diesem Fall - und auch im Hinblick auf die Ungarn - irrst du!

    Wenn die Ungarn nach deiner Ansicht keine finno-ugrische Sprache sprechen, was sprechen sie denn dann? Tibetisch oder Swahili?
     
  17. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Wenn ich mir anschaue, welche angeblichen Sprachverwandtschaften des Ungarischen hier und in ähnlichen Themen bereits kolportiert wurden - neben den Turksprachen war mW auch schon Sumerisch dabei -, würde mich inzwischen kaum noch etwas wirklich verwundern.

    Aber ernsthaft noch ein Nachtrag...
    Wie ich soeben durch nochmaliges Nachlesen entdeckt habe, ist es der Vergleichenden Sprachwissenschaft und Historischen Linguistik wohl sogar gelungen, nicht nur ein Ur-Ugrisch, sondern auch eine Ursprache Ur-Finno-Ugrisch methodisch zu rekonstruieren.
    Vgl. dazu bspw. Finnisch - urgische Mitteilungen Bd ... - Google Bcher
     
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  18. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die nächsten lebenden linguistischen Verwandten der Ungarn sind die Chanten und Mansen, deren ugrisches Idiom dem Ungarischen sehr nahe ist. Sie lebten zusammen mit den Ungarn im südöstlichen Sibirien, doch während die Ungarn ab 500 n. Chr. gen Süden und dann nach Westen zogen, wanderten Chanten und Mansen nach Norden. Sie waren ursprünglich Pferdezüchter, bezeichnenderweise, muss man im Hinblick auf das Steppenreitertum der frühen Ungarn sagen.

    Vgl. dazu:

    Chanten ? Wikipedia

    Mansen ? Wikipedia
     
  19. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Noch ein Rückgriff, weil dieser sich gerade an der Stelle wieder anbietet...

    Um diese Schrift handelt es sich auch: Altungarische Schrift, ungarische Runen und Szekler Kerbschrift bezeichnet die selbe Runen- bzw. Kerbschrift; der Fachausdruck ist übrigens rovásírás.
    Anm.: Der Wortstamm ist finno-ugrisch mit der ursprünglichen Bedeutung "einkerben"...
    Siehe dazu bspw. Kleine ungarische Sprachgeschichte - Google Bcher (S. 8 f.)



    Nicht an Leona und/oder Lynxxx gerichtet, aber als notwendige Anmerkung zur Thematik angebracht, ehe das in diesem Thread noch einmal (wie an anderer Stelle geschehen) wieder aufgebracht wird: Die Diskussion darüber, daß die Verwendung einer bestimmten Schrift mit Sprachverwandtschaft nichts zu tun hat, sollte sich eigentlich erübrigen, aber ich möchte dies an der Stelle nochmals an zwei Beispielen illustrieren.

    Bsp. 1: Im Gegensatz zu allen anderen semitischen Sprachen wird Maltesisch in lateinischer Schrift bzw. mit lateinischen Buchstaben geschrieben.

    Bsp. 2: Serbisch und Kroatisch sind so eng miteinander verwandt, daß bis zum Zerfall Jugoslawiens nahezu selbstverständlich von Serbokroatisch als einer Sprache die Rede war und die Bezeichnung schriftsprachliche Varietäten des Serbokroatischen genaugenommen nach wie vor linguistisch vollkommen korrekt ist. Dennoch gebraucht man im Kroatischen das lateinische und im Serbischen hauptsächlich das kyrillische Alphabet.
    Und für den Fall, daß dies nicht als ausreichend erachtet wird - eben weil im Serbischen zwei Alphabete erlaubt sind -, so sei auf den slawischen Zweig der indogermanischen/indoeuropäischen Sprachen überhaupt verwiesen: Bulgarisch, Mazedonisch, Russisch, Serbisch, Ukrainisch und Weißrussisch werden mit kyrillischen, Bosnisch, Kroatisch, Montenegrinisch, Polnisch, Slowakisch, Slowenisch und Tschechisch mit lateinischen Buchstaben geschrieben.
    Anm.: Kyrillische Alphabete verwenden jedoch z.B. auch Turksprachen wie Kasachisch und Kirgisisch, daneben aber auch - als jüngstes von vielen verwendeten Alphabeten - Mongolisch. Rumänisch - bekanntlich keine slawische, sondern eine romanische Sprache - wurde übrigens bis ins 19. Jh. mit kyrillischen Buchstaben geschrieben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Oktober 2009
  20. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Ich hatte mich etwas ausschweifender ausgedrückt, aber dazu auch schon zweimal etwas geschrieben:
    Ob es etwas nützt, daß wir beide dies nun schon öfters ausgeführt haben, wage ich jedoch angesichts des jüngsten Diskussionsverlaufs eher zu bezweifeln.
    Manche Teilnehmer können oder wollen die (finno-)ugrischen Sprachverwandtschaften wohl einfach nicht akzeptieren...
    :fs:
     

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